151629,187163,277502 ZDK-Szenario: Vom Händler zum Dienstleister

Autor / Redakteur: Jens Rehberg / Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Anlässlich des 2. Fabrikatshändlerkongresses richtet der ZDK den Blick in die Zukunft des deutschen Autohandels. Wird der Autoverkäufer bis 2025 zum Mobilitätsmanager?

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sieht zusätzlich zum anhaltenden Strukturwandel im Automobilgewerbe langfristig einen weiteren grundsätzlichen Veränderungsdruck. Neue Mobilitäts-Anforderungen der Kunden und ein tief greifender technologischer Wandel würden möglicherweise einen Teil der deutschen Autohändler zu Dienstleistern machen. So die These von ZDK-Vizepräsident Ulrich Fromme anlässlich eines Pressegesprächs im Vorfeld des 2. Fabrikatshändlerkongresses am Donnerstag in Frankfurt.

Neue Rolle für den Handel

Die Hauptfaktoren für eine solche Veränderung in der Branche in den nächsten 10-15 Jahren:

  • Kunden: Insbesondere für jüngere Käufer wird das Auto weniger Prestigeobjekt als vielmehr Gebrauchsgegenstand sein. Die Nutzung eines Pkw wird wichtiger als der Besitz.
  • Hersteller: Zunehmender Direktvertrieb, vor allem an Gewerbetreibende; Initiierung von Car-Sharing-Modellen; Verstärkte Vertriebs-Kooperationen mit bisher marktfremden Akteuren, zum Beispiel Stromanbietern.
  • Technik: Smartere Kommunikationsmittel unterstützen neue Vermiet- oder Pool-Leasing-Modelle erheblich; Einführung des Elektroantriebs.

Diese Faktoren führten nach Ansicht von Ulrich Fromme dazu, dass – beginnend in den Ballungsräumen – Autohändler in Zukunft verstärkt die Rolle des „Mobilitätsmaklers“ annehmen müssten. So könnte beispielsweise künftig statt des Fahrzeugverkaufs im Showroom ein Konzept im Fokus stehen, bei dem die Kunden für Wochentage verschiedene Nahverkehrsmittel buchen und am Wochenende Zugriff auf einen breit gefächerten Fahrzeugpool des Autohauses haben. Im Extremfall könne der Strukturwandel aber auch dazu führen, dass das Autohaus zur Batterieaustauschstation werde, so der Vizepräsident.

Den aktuellen „Elektro-Hype“ kritisierte Fromme in diesem Zusammenhang mit deutlichen Worten: „Diese Diskussion ist schlecht für die Branche, weil sie bei den Verbrauchern falsche Hoffnungen weckt, sie irritiert und zu aufgeschobenen Autokäufen führt.“

Kreative Ideen sind gefordert

Die Autohändler seien laut Fromme jetzt gefordert, gemeinsam Ideen für Vertriebskonzepte zu formulieren, in denen der Automobilhandel mittel- und langfristig mit Autos wieder Geld verdienen könne.

Auf die kurzfristige Perspektive angesprochen, ist Fromme durchaus optimistisch, mit den Herstellern und Importeuren zu Ergebnissen im Hinblick auf das neue Geschäftsmodell des ZDK zu kommen. „In den grundsätzlichen Punkten haben wir vom Importeursverband VDIK bereits eine sehr positive Resonanz erhalten“, sagte Fromme. Die Sensibilität auf Seiten der Industrie sei gewachsen, weil immer öfter Händler an Stellen wegbrechen würden, an denen es auch den Herstellern und Importeuren weh tue. Der nächste wichtige Meilenstein in dieser Sache sei ein Treffen des Zentralverbands mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) Ende Oktober.

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