ZDK verurteilt Werkstatt-Pläne der HUK
Die Pläne der HUK-Coburg klingen bedrohlich: Ihre Partnerwerkstätten sollen Servicearbeiten bis zu 30 Prozent günstiger anbieten. Noch ist das Vorhaben weder konkretisiert noch dementiert.
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Mit scharfer Kritik hat sich der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) gegen geplante Werkstattaktivitäten der HUK-Coburg gewendet. Der Versicherer will laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) vom Dienstag über die bisherige Schadensteuerung hinaus ins Werkstattgeschäft einsteigen. Die HUK selbst will nur allgemein bestätigten, dass es Überlegungen zu einem erweiterten Werkstattkonzept gebe.
Bisher versucht der Versicherer über den Haftpflichttarif Kasko-Select die Kosten für die Schadenabwicklung zu drücken, indem die Kunden 20 Prozent weniger für ihre Police zahlen müssen, wenn sie Kasko-Reparaturen nur in den rund 1.300 Partnerwerkstätten der HUK-Coburg ausführen lassen.
Laut der „SZ“ soll zumindest ein Teil dieser Betriebe ab dem kommenden Jahr auch die normalen Serviceleistungen zu günstigeren Stundenverrechnungssätzen anbieten als bisher. Dieses Angebot, das in Anlehnung an den Tarif der Schadensteuerung dann Service Select heißen soll, beinhalte in einer ersten Stufe kleine Inspektionen, „die 20 bis 30 Prozent billiger als bei den Vertragswerkstätten der Hersteller sein sollen“.
Auch normale Reparaturen wie den Stoßdämpferaustausch würden diese Werkstätten vergünstigt anbieten und die Fahrzeuge auf Hauptuntersuchungen vorbereiten, schreibt die „SZ“. Durchgeführt würden die Untersuchungen von der Dekra, mit der der Versicherer über einen bundesweiten Vertrag verhandle. Noch im ersten Halbjahr könnten die ersten Pilotbetriebe mit dem Angebot starten.
Konkret bestätigen wollte ein Sprecher des Versicherers die Informationen gegenüber der „SZ“ nicht. Es gebe aber „Überlegungen zu einem erweiterten Werkstattkonzept“.
ZDK vermisst „Sachzusammenhang“
Der ZDK vermutet hinter diesen Überlegungen laut einer Mitteilung vom Mittwochabend, „vor allem einen zusätzlichen Lockreiz im Wettbewerb mit anderen Versicherern“. Während beim Steuern von Unfallschäden in Partnerbetriebe wenigstens noch ein Sachzusammenhang mit der Versicherungstätigkeit zu erkennen sei, könne er dies in diesen Plänen nicht mehr erkennen, stellte ein ZDK-Sprecher klar.
Der in dem „SZ“-Bericht geäußerte Vermutung, mit ihren Werkstattplänen wolle die HUK den Herstellern und Importeuren Paroli bieten, will der ZDK nicht folgen. „Wenn die HUK mit ihren Plänen die Autohersteller im Visier habe, die ihren Kunden Autoversicherungen anbieten, trifft sie mit den Werkstattplänen die Falschen, nämlich die Kfz-Betriebe“, heißt es in dem Schreiben.
Kompensation in die falsche Richtung
Die „SZ“ hatte vermutet, dass die Versicherung mit den Werkstattplänen kompensieren wolle, dass sich die Autohersteller einen wachsenden Teil der Versicherungsabschlüsse im Neuwagengeschäft sichere. Die Vertragshändler würden Policen verkaufen, die Hersteller Komplettangebote mit Versicherungsschutz anbieten. Dies gehe zulasten des Versicherers.
Recht hat die Zeitung vermutlich mit ihrer Einschätzung, der zusätzliche Konkurrenzkampf könnte „für Autofahrer sinkende Preise bedeuten“. Dazu stellt der ZDK fest, dass es bereits heute einen massiven Wettbewerbsdruck im Service gebe. Extreme Rabattierungen von Werkstattleistungen würden die wichtigste Ertragssäule der Betriebe und damit deren wirtschaftliche Existenz in hohem Maß gefährden, heißt es in der Stellungnahme.
Daher empfehle der ZDK jedem Kfz-Betrieb genau zu prüfen, ob vertragliche Bindungen in diesem Zusammenhang wirtschaftlich vertretbar seien. Angeblich will der Versicherungskonzern jährlich 300 bis 400 Werkstätten für sein Programm anwerben, das im Jahr 2015 anlaufen soll.
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