Zetsche: „Bei uns wird nicht betrogen“

Autor / Redakteur: dpa/jr / Christoph Seyerlein

Nachprüfungen des KBA sollen bei Daimler keine auffälligen Werte ergeben haben. Französische Behörden bestellen dagegen Manager der Stuttgarter ein. Opel droht derweil Ärger in Belgien.

(Foto: Daimler)

Abgasnachprüfungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) bei Daimler haben keine auffälligen Werte ergeben. Das sagt allerdings nicht die Behörde selber, sondern der Chef des Stuttgarter Herstellers, Dieter Zetsche, der „Welt am Sonntag“. Vertreter des KBA seien zwei Tage bei Daimler gewesen, es seien Autos getestet worden. Zetsche betonte: „Bei uns wird nicht betrogen, bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert.“

Das KBA hatte im November mitgeteilt, auch bei anderen Herstellern neben VW erhöhte Abgaswerte gemessen zu haben. Die Behörde hatte als Reaktion auf den Abgas-Skandal bei Volkswagen mehr als 50 verschiedene Modelle unterschiedlicher Autobauer überprüft. Dabei seien „zum Teil erhöhte Stickoxid-Werte bei unterschiedlichen Fahr- und Umgebungsbedingungen“ festgestellt worden, hieß es. Welche Marken betroffen sind, teilte die Behörde damals nicht mit – auch nicht, welche Schlüsse aus den vorliegenden Ergebnissen gezogen werden können.

Generell herrscht bei dem Amt seitdem Funkstille zum Thema Abgasnachprüfung. Das zuständige Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat unterdessen auf Anfrage von »kfz-betrieb« zurückgewiesen, dass die Ergebnisse der Nachuntersuchungen zurückgehalten würden. „Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden sie in einem Gesamtbericht veröffentlicht“, heißt es in einer Stellungnahme der Pressestelle.

Das Ministerium besteht also kurioserweise darauf, dass die Tests noch gar nicht abgeschlossen sind. Das würde bedeuten, dass das KBA nicht in der Lage ist, an rund 50 Fahrzeugen innerhalb von vier Monaten eine Abgasmessung vorzunehmen. Warum die Tests so lange andauern und warum nicht einmal ein Termin für die Bekanntgabe der Ergebnisse genannt werden kann – das konnte das Bundesverkehrsministerium am Montag nicht erklären.

Daimler-Chef Zetsche sagte der „Welt am Sonntag“ mit Blick auf künftig geplante realitätsnähere Abgastests in Europa: „Jetzt die Werte, die auf Prüfständen ermittelt werden, generell infrage zu stellen und zu verteufeln, ist keine Lösung.“ Es stimme aber, dass Messungen auf Rollenprüfständen nur einen Ausschnitt dessen abbilden, was man mit einem Auto alles anstellen könne. Künftig sollten auch Situationen berücksichtigt werden, in denen ein Auto extremer als bei den bisherigen Vorgaben beansprucht werde.

Droht Daimler Ärger in Frankreich?

Französische Behörden haben derweil nach der Auswertung von Abgastests Vertreter der Daimler-Kernmarke Mercedes-Benz zu sich einbestellt. „Wir wurden über die Messergebnisse informiert und zu einem Termin mit den Behörden eingeladen“, teilte ein Daimler-Sprecher am Montag auf Anfrage mit. „Dabei werden wir detaillierte Informationen zur Testprozedur erhalten und besprechen.“ Zu den Ergebnissen der Untersuchung äußerte sich der Sprecher zunächst nicht. Der Termin ist laut der französischen Zeitung „Journal du Dimanche“ für diesen Donnerstag (28.1.) angesetzt.

Frankreich hatte nach dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals die Untersuchung von 100 Fahrzeugen verschiedener Marken angeordnet. Die Prüfungen dauern derzeit noch an. Der französische Hersteller Renault hat bereits den Rückruf von knapp 16.000 Autos wegen zu hoher Abgaswerte angekündigt.

Dem Bericht zufolge hat auch Opel eine „Einladung“ der Behörden erhalten. Ein Sprecher der GM-Tochter äußerte sich am Montag zunächst nicht dazu. Nach einem früheren Bericht der französischen Zeitung „Les Echos“ sollen die Behörden bei Opel zu hohe Abgaswerte festgestellt haben. Auch dies kommentierte der Autobauer zuletzt nicht.

(ID:43830071)