ZF-Truck: Einparken per Smartphone

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Der Lenk- und Getriebespezialist stellt auf der IAA Nutzfahrzeuge 2014 zahlreiche Neuheiten vor. Auf einer Teststrecke gewährte ZF bereits einen Einblick in die Zukunft des Güterverkehrs.

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Einparken leicht gemacht: ein Tablet als Fernsteuerung.
Einparken leicht gemacht: ein Tablet als Fernsteuerung.
(Foto: ZF)

Zulieferer ZF hat auf einer Teststrecke nahe Aachen seine Produktpremieren vorgestellt, die im September auf der IAA Nutzfahrzeuge zu sehen sein werden. Die wohl prägnanteste Neuigkeit – und allemal die mit dem größten Spaßfaktor – war der sogenannte Innovation Truck. In einen serienmäßigen DAF-Fernverkehrs-Lkw hatten die Elektroniker des Unternehmens eine Fernsteuerung eingebaut, mit der sich das riesige Fahrzeug per Smartphone-App lässig in die kleinsten Parklücken steuern lässt.

Das Besondere daran: Bei dem Lkw handelte es sich um einen 25 Meter langen Eurocombi-Lastzug mit Sattelauflieger und zusätzlichem Anhänger – also zwei Knickstellen. So ein Monstrum rückwärts zu steuern, erfordert normalerweise das Können eines echten Truck-Profis und sehr viel Umsicht. Doch die Smartphone-App ermöglicht es, auszusteigen und den Lkw mit Wischbewegungen auf dem Touchscreen zu fahren.

(Foto: ZF)
Im Innovation Truck ist das System mit einem Hybridantriebsstrang kombiniert, der über einen Elektromotor den Gliederzug lautlos und abgasfrei bewegt. Doch die Steuerung lässt sich auch mit dem herkömmlichen Verbrennungsmotor paaren – sogar Nachrüsten sei möglich, versicherten die ZF-Experten. Einzige Hardware-Voraussetzung ist die Überlagerungslenkung Servotwin, die selbstständig Lenkbewegungen ausführen kann.

Mit diesem Produkt lässt sich überleiten in die Welt der herkömmlichen ZF-Produkte, die nach wie vor eine möglichst intelligente Verschaltung vieler Zahnräder, Hydraulikventile und anderer Bauteile zum Ziel hat. Mit einer Vielzahl schwerer Testfahrzeuge vom VW Amarok bis zum MAN-Sattelzug ließen sich die unterschiedlichen Antriebs- und Fahrwerkkomponenten des Unternehmens erleben.

Doppelkupplung eignet sich auch für schwere Lkw

Wichtigstes Produkt der Nutzfahrzeugsparte ist zweifellos das automatische Getriebe Traxon, das auf der IAA vor zwei Jahren seine Weltpremiere erlebte und im nächsten Jahr in Serie gehen soll. Es handelt sich um ein modular aufgebautes Getriebe für schwere Fernverkehrs-Lkw, dessen Radsatz sich mit unterschiedlichen Anfahrelementen und Zusatzmodulen kombinieren lässt. Beispielsweise einer Doppelkupplung: Sie macht es möglich, die Gänge zehn bis zwölf – in denen sich der Fahrer im Fernverkehr zu 90 Prozent aufhält – ohne Zugkraftverlust und damit ohne Rucken zu schalten. Das ist nicht nur komfortabel, sondern spart auch Diesel. Denn so werden extrem lange Achsübersetzungen möglich, bei denen das Getriebe schon bei der kleinsten Steigung herunterschalten muss. Und das macht das Traxon mit DKG eben besser und nervenschonender als ohne.

Alternativ lässt sich Traxon auch mit einem Hybridmodul aufrüsten, dessen Sparpotenzial noch größer ist: acht statt drei Prozent. Aber das ist auch viel schwerer und teurer. Und so trifft das Doppelkupplungsgetriebe laut ZF auf großes Interesse bei den Truckproduzenten. 2017 soll es serienreif sein.

Neben dem Traxon gab es noch viele weitere Entwicklungen des Friedrichshafener Konzerns zu sehen, über die »kfz-betrieb« in seiner IAA-Messeausgabe berichten wird, die am 26. September erscheint. Beispiele sind die elektrisch angetriebene Stadtbus-Hinterachse AVE 130, ein Lkw-Hinterachslenker aus GFK oder das Premium Comfort Valve, ein mechanisch verstellbares Dämpferventil für Reisebusse.

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