Ladeinfrastruktur Zu langsam, zu wenig und oft nur geringe Leistung

Von Andreas Grimm 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur schreitet voran – auf dem Papier. Denn der Zubau braucht zu viel Zeit, die politischen Ziele sind in Gefahr. Dazu kommt eine ungleichmäßige regionale Verteilung – und ein geringer Anteil an Schnellladestationen.

Die Zahl der Ladepunkte steigt europaweit – doch es sind vor allem langsame AC-Ladesäulen. Und die geografische Verteilung ist sehr ungleichmäßig.(Bild:  Grimm – VCG)
Die Zahl der Ladepunkte steigt europaweit – doch es sind vor allem langsame AC-Ladesäulen. Und die geografische Verteilung ist sehr ungleichmäßig.
(Bild: Grimm – VCG)

Die Ladeinfrastruktur in Europa verbessert sich weiter – allerdings nicht ausgewogen genug. Wie der europäische Herstellerverband Acea mitteilte, gibt es EU-weit inzwischen gut 630.000 Ladepunkte. Allerdings handelt es sich dabei überwiegend um Standard-Wechselstrom-Lademöglichkeiten mit einer Leistung von weniger als 22 kW. DC-Schnellladegeräte (Gleichstrom), die mehr als 22 kW in die Fahrzeugbatterie pumpen können, machen nur etwa 13,5 Prozent des Bestands aus. Konkret standen Ende 2023 laut Acea 550.000 Wechselstrom-Ladepunkte zur Verfügung und 82.000 Gleichstrom-Stecker.

Das Ladeangebot ist im vergangenen Jahr grundsätzlich deutlich gewachsen. Laut Acea kamen im Jahr 2023 insgesamt gut 153.000 neue öffentliche Ladepunkte zum Netz hinzu, davon waren immerhin 37.000 Gleichstrom-Anlagen. Allerdings reicht die Ausbau-Geschwindigkeit aus Verbandssicht nicht aus. Bei gleichem Tempo wären Ende 2030 etwa 1,55 Millionen Ladepunkte installiert. Der politische Anspruch ist viel höher. Die EU-Kommission hat für 2030 das Ziel von 3,5 Millionen Ladepunkten ausgegeben, die Branchenvertreter rechnen sogar mit einem realen Bedarf von 8,2 Millionen.

Allein schon um das politische Ziel zu erreichen, müssten in den nächsten sieben Jahren fast 2,9 Millionen öffentliche Ladepunkte installiert werden. Das sind fast 410.000 pro Jahr oder 7.900 pro Woche. Um das Acea-Ziel zu schaffen, wären 1,4 Millionen neue Ladepunkte pro Jahr oder 22.438 pro Woche nötig. Der Verband wies einmal mehr darauf hin, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der E-Autos deutlich schneller gestiegen sei als der Zubau an neuen Lademöglichkeiten.

Während einige Länder beim Ausbau der Infrastruktur vorpreschen, hinkt die Mehrheit hinterher. In nur drei EU-Ländern – Niederlande, Frankreich und Deutschland – haben 61 Prozent aller EU-Ladepunkte installiert. Der Rest, 39 Prozent aller Ladestationen, ist über 24 Mitgliedstaaten verteilt, die fast 80 Prozent der Fläche abdecken. Es zeige sich aber immer wieder, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von öffentlichen Ladepunkten und dem Absatz von BEV bestehe.

Schnellladesäulen fehlen

Schwierig ist die Zugänglichkeit zu Schnellladesäulen. Ende 2023 kamen in der EU 29 BEVs auf ein Schnellladegerät. Rechnet man die Plug-in-Hybride mit, kommen 53 Fahrzeuge auf ein Schnellladegerät.

„Ein dichtes Netz öffentlicher DC-Schnellladestationen ist von entscheidender Bedeutung für die Erleichterung von Langstreckenfahrten und die Verringerung der Reichweitenangst“, heißt es vom Verband. Ein dichtes Ladenetz komme vor allem denjenigen zugute, die keine eigenen Lademöglichkeiten haben. „Wenn wir die Europäer davon überzeugen wollen, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen, sollte das Aufladen so einfach sein wie das Tanken heute“, sagte ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries.

(ID:50069275)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung