Campingmesse Auf der CMT kämpfen die Hersteller für eine positive Bilanz

Quelle: sp-x 5 min Lesedauer

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Die über viele Jahre boomende Caravaning-Branche blickt keineswegs sorgenfrei in die Zukunft. Ob aktuell Optimismus oder eher mehr Pessimismus angesagt ist, soll die Stuttgarter Urlaubsmesse CMT zeigen.

Unter den rund 1.300 Ausstellungsfahrzeugen sind die Campingbusse, Camper-Vans und Kastenwagen auf der diesjährigen Stuttgarter Campingmesse mit Abstand am häufigsten vertreten.(Bild:  Bürstner)
Unter den rund 1.300 Ausstellungsfahrzeugen sind die Campingbusse, Camper-Vans und Kastenwagen auf der diesjährigen Stuttgarter Campingmesse mit Abstand am häufigsten vertreten.
(Bild: Bürstner)

Die Stuttgarter Urlaubsmesse CMT (Camping, Motor, Touristik) ist für die Caravaning-Branche die zweitwichtigste Messe nach dem Caravan-Salon. Zu Jahresbeginn, unmittelbar vor dem Start zur Reisesaison 2024, hat sie eigentlich sogar den günstigeren Termin und gilt nicht zuletzt deshalb als Stimmungsbarometer für die aktuelle Marktsituation.

Und da gab es über eine Dekade lang zuletzt nur Schönwetter-Prognosen. Alle Zeichen standen Jahr für Jahr auf Wachstum, Wachstum und noch mal Wachstum. Das könnte diesmal – die Ausstellung findet vom 13. bis 21. Januar statt – erstmals anders sein.

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Unbegründeter Pessimismus?

Eine Marktanalyse der GSR-Unternehmensberatung zusammen mit den Marktforschern von Miios ergab, dass jeder zweite von 100 Händlerbetrieben von einem Rückgang des Geschäfts mit Reisemobilen und Wohnwagen ausgeht. 29 Prozent meinen sogar, dass es um mehr als zehn Prozent zurückgeht. Diesem Pessimismus mag Daniel Onggowinarso, der Geschäftsführer des deutschen Caravaning-Verbands CIVD, nicht zustimmen und hält das eher für Jammern auf hohem Niveau.

Der Zuwachs durch die in Corona-Zeiten befeuerte Sonderkonjunktur sei zwar wieder abgebaut, „wir liegen aber zumindest bei den Reisemobil-Zulassungen in Deutschland immer noch über dem Wert unmittelbar vor der Pandemie“, erläutert der CIVD-Chef. „Ebenso wie die Lieferzeiten hat sich auch das Kaufverhalten der Kunden wieder normalisiert. Nicht mehr und nicht weniger.“

Exakte Bilanzzahlen werden zwar erst auf der CMT verkündet. Klar ist aber schon jetzt, dass ein starker Rückgang beim Wohnwagenabsatz (über zehn Prozent bis Ende Oktober) die Gesamtbilanz der Freizeitfahrzeuge ins Minus ziehen wird. Die Reisemobile könnten immerhin noch mit einem minimalen Plus von rund einem Prozent durchs Ziel gehen, obwohl sie der Preisanstieg durch die Inflation und Zinsen am stärksten trifft.

Camper-Vans bleiben weiterhin am beliebtesten

Da die Tarife in den Pandemie-Jahren um 20 bis 30 Prozent, zum Teil sogar noch mehr, in die Höhe geklettert sind, verwundert es nicht, dass der Run auf die günstigen, kompakten Camper-Vans am ehesten anhält. Ihr Anteil am gesamten Reisemobilabsatz beträgt mittlerweile über 60 Prozent. Damit hat sich innerhalb von zehn Jahren die Beliebtheit der Aufbauarten komplett umgekehrt. 2013 lagen noch die größeren Wohnmobilklassen (Alkoven sowie teil- und vollintegrierte Fahrzeuge) bei 65 Prozent.

Diese Entwicklung spiegeln auch die Neuheiten und Exponate auf der CMT wider. Unter den rund 1.300 Ausstellungsfahrzeugen vom Mini-Caravan bis zu Luxuslinern und Expeditionsmodellen haben die Campingbusse, Camper-Vans und Kastenwagen mit Abstand den größten Anteil. Und es sind vor allem die Mini-Camper unterhalb des VW-California-Formats, die in den sieben von Reisemobilen und Wohnwagen belegten Hallen in bemerkenswerter Vielfalt Neues präsentieren.

Bei Traditionshersteller Bürstner etwa feiert der „Habiton 2“ als Ergänzung zum in Düsseldorf gezeigten „Habiton 1“ Premiere. Auf Basis eines Renault Kangoo bietet der Neuling anstelle eines aufblasbaren Dachzelts ein eher konventionelles Aufstelldach an, das mit dem direkten Zugang vom Innenraum ins Oberstübchen etwas mehr Komfort bietet. Beides sind aktuell noch Fahrzeugstudien mit realistischem Potenzial zur Serienfertigung.

Ebenfalls auf einem Hochdachkombi basiert der Vanderer „One“ mit Aufstelldach, der als Peugeot-Rifter- oder Opel-Combo-Ausbau zu haben ist. Ihm wird am Stand von Caravan-Grebner allerdings wohl von einem Citroën-Elektro-Berlingo im Retro-Look die Schau gestohlen. Mit dem gleichen Vanderer-Innenausbau soll der Mini-Camper an den historischen Type G, die kleinere Ausgabe der Wellblech-Hütte Type H, erinnern. Er wird mit einem 136-PS-E-Motor, einer 50-kWh-Batterie und 280 Kilometern Reichweite (WLTP) als eine der wenigen E-Neuheiten ab 65.000 Euro angeboten.

Eine Wagenklasse darüber, aber immer noch unterhalb von Ducato und Co., stellt der schwäbische Hersteller Naegele einen Peugeot-Expert-Camper mit Aufstelldach vor und Nissan den „Primastar Flex-Van“ im Renault-Trafic-Format. Auf den Ford Transit Custom als Basis setzen die beiden Rapido-Töchter Westfalia und Dreamer. Einmal mit den Fünf-Meter-Campern „Joker Urban“ und dem „City Camp“ unter dem neuen Label „City by Dreamer“. Außerdem mit den 5,36 Meter langen Modellen „New Kelsey“ und „Cap Land“, die sogar eine Dusche und eine Kassettentoilette an Bord haben.

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Steigende Nachfrage nach Kastenwagen

Wie stark aber auch nach wie vor das Segment der großen Kastenwagen nachgefragt ist, beweist die Entwicklung bei Hannes-Camper. Nur ein Jahr nachdem das noch junge, als reiner Vermieter gestartete Unternehmer auf der CMT 2023 sein Debüt als Hersteller gefeiert hat, wird nun bereits mit „Viica Vans“ eine weitere neue Marke gelauncht.

Wie die Hannes-Camper-Modelle bauen auch sie auf einem Citroën Jumper auf, gründen ihren Premiumanspruch allerdings auf ein hochwertiges schickes Boutique-Hotel-Design. Die ausschließlich in Vollausstattung angebotenen, 6,00 oder 6,36 Meter langen Camper-Vans sind ab 74.000 Euro zu haben. Sie werden beim Partnerunternehmen Robeta in Slowenien gebaut.

VW Crafter bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten

Deutlich an Präsenz unter den Basisfahrzeugen gewonnen hat in der obersten Kastenwagen-Kategorie der VW Crafter und sein nahezu baugleicher Bruder MAN TGE, der beispielsweise jetzt von der Trigano-Marke Adria zum „Twin Max“ ausgebaut wird. Bei Hobby wird der gut gestartete Maxi-Van auf Crafter-Basis mit einem neuen Grundriss ergänzt, Dethleffs bietet den „Globe Trail“ als Ducato-Alternative auch mit dem großen VW-Transporter an – freilich eine Preisklasse höher – und die Manufaktur Nexsd Automotive bringt ihren Prototypen „Nexsd One“ nun an den Serienstart.

Hier wird der Crafter zu einem auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittenen Reisemobil ausgebaut, egal ob als Büromobil mit Schreibtisch, für Outdoor-Fans mit viel Platz für Mountainbikes und sonstiges Hobbygepäck oder auch für Küchen-Freaks mit Pizzaofen.

Mit einer ungewöhnlichen Neuheit in diesem Segment kommt der Cloppenburger Van-Ausbauer Ralf Uhlhorn nach Stuttgart: Sein „Star-Van“ verfügt über einen patentierten Schlafzimmerauszug für Kastenwagen. Anders als bisher bekannte Slide-outs fährt die Konstruktion um ganze 120 Zentimeter aus dem Heck eines 5,93 Meter langen Mercedes Sprinters heraus, wodurch ein großes Schlafzimmer mit einem stattlichen 1,40 x 2,10-Meter-Queensbett entsteht. Es handelt sich allerdings vorerst noch um einen Prototypen.

Ein relativ günstiges „Expeditionsmodell von der Stange“

Zu den Top-Neuheiten zählen aber auch zwei Debütanten jenseits der Kompaktklassen. Bei Eura Mobil dürfte der „Xtura“ auf Basis eines Mercedes-Allrad-Sprinters die Blicke auf sich ziehen. Mit ihm erschließt sich der zur französischen Trigano-Gruppe gehörende Sprendlinger Hersteller neues Terrain.

Einmal von der Auslegung her: Der bis zu 30 Tage völlig autarke Teilintegrierte, der fast so schmal ist wie ein Kastenwagen, stellt das erste Expeditionsmodell des Vollsortimenters dar. Und natürlich preislich: Der Xtura ist ab 145.000 Euro zu haben, liegt mit Vollausstattung allerdings bei rund 180.000 Euro. Teuer gewiss, aber als „Expeditionsmodell von der Stange“ sogar eher günstig.

Vielleicht nicht so spektakulär, dafür aber als Markenbestseller umso wichtiger ist die neue „Trend“-Baureihe für den Traditionshersteller Dethleffs. Die Neuauflage des Trend ersetzt nämlich nicht nur den Vorgänger, sondern gleichzeitig auch die höher positionierten Baureihen „Pulse“ und „Pulse Classic“. Jeweils acht verschiedene Grundrisse stehen als teil- oder vollintegrierte Fahrzeuge zur Wahl, wobei die Teilintegrierten ab 77.600 Euro und die I-Modelle ab 89.600 Euro angeboten werden.

Die Hersteller jedenfalls geben sich große Mühe, dass das Stimmungsbarometer nach der CMT-Messe weiterhin auf Schönwetter-Prognosen eingestellt bleibt.

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