Zukunft sichern – Nachwuchs fördern
330 Bildungsexperten aus der automobilen Branche kamen im Mai in Bad Wildungen zusammen. Auf Einladung des ZDK informierten sie sich über die Zukunft der Ausbildung im Kfz-Gewerbe.
Mit zwei entscheidenden Faktoren für die Zukunft des Kfz-Gewerbes befassten sich Branchenexperten am 11. und 12. Mai in Bad Wildungen: der Ausbildung und der Förderung des beruflichen Nachwuchses. Fachleute aus Schulen, überbetrieblichen Berufsbildungsstätten, dem Verband und vor allem natürlich aus den Kfz-Betrieben kamen zum nunmehr sechsten Mal zum Bundes-Berufsbildungs-Kongress des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes zusammen. Erstmals waren in diesem Jahr unter den insgesamt rund 330 Teilnehmern auch technische und kaufmännische Auszubildende vertreten.
ZDK-Präsident Robert Rademacher persönlich eröffnete den Kongress und begrüßte die Gäste, von denen viele bereits zum sechsten Mal in Bad Wildungen dabei waren. Rademacher selbst feierte seine Berufsbildungs-Kongress-Premiere. Er war angetan von den lebhaften Fachdiskussionen, vor allem aber von den vielen Spitzenleistungen der Ausbildungsbetriebe, die er im Verlauf der zwei Tage kennen lernen durfte.
In seinem Vortrag zur Eröffnung des Kongresses ging der Präsident auch auf die Situation der Branche im Allgemeinen ein. Unter anderem appellierte er an den Deutschen Städtetag und die Bundesregierung, eine Ausnahmeregelung im Rahmen der Feinstaubverordnung für Oldtimer zu erlassen. Dieser kleine Kreis von Fahrzeugen dürfe nicht von den geplanten Fahrverboten erfasst werden. Mit Blick auf das Jahr 2010 und die in der Branche diskutierten Wege für eine neue Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) für die Automobilbranche plädierte Rademacher für eine weitere Kfz-spezifische Regelung.
Guter Nachwuchs für das Kraftfahrzeuggewerbe
Wichtigste Voraussetzungen für Erfolge im zukünftigen Servicemarkt seien eine hohe Kundenorientierung und eine weitere Professionalisierung durch Aus- und Weiterbildung. Der technische Fortschritt müsse dazu beitragen, Ressourcen zu schonen. Letztendlich sei dieses Ziel durch Hightech zu erreichen, was wiederum hohe Professionalität und Dienstleistungsqualität in Verkauf und Service erfordere.
Egal wie sich die automobile Verkaufs- und Servicelandschaft entwickle, bleibe es unverzichtbar, mit qualifiziertem und motiviertem Personal die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des Kfz-Gewerbes zu schaffen. Das Ausbildungssystem für die Auto-Berufe sei gut, doch beginne bereits jetzt auf Grund der demografischen Entwicklung der Wettbewerb mit Industrie und Handel um den „guten beruflichen Nachwuchs“. Mit dem Kongress wolle der ZDK darauf hinweisen und die Kfz-Betriebe für die große Bedeutung der beruflichen Aus- und Weiterbildung sensibilisieren. Den Berufsschullehrern und den Ausbildern in den Betrieben müsse man für ihr großes Engagement danken – ganz besonders den Mitarbeitern in den Prüfungsausschüssen – und sie weiter motivieren.
Von einer Erfolgsgeschichte, die in der Zukunft fortgeschrieben werden kann, wusste der Gastgeber der Veranstaltung zu berichten. Der für Berufsbildung zuständige ZDK-Geschäftsführer Ingo Meyer blickte in seinem Vortrag zunächst auf die Entstehung des Berufsbildes „Kfz-Mechatroniker“ zurück. Bei seiner Einführung sei dieser Begriff noch gewöhnungsbedürftig gewesen, inzwischen habe er sich aber voll etabliert. Dies sei auf die Erfolge zurückzuführen, die mit dem neuen Ausbildungsberuf verbunden sind: Die Qualität der Bewerber habe sich erheblich verbessert, gleichzeitig sei die Zahl der Abbrecher auf ein Rekordtief gesunken.
Außerdem sei es gelungen, eine gemeinsame Ausbildungsordnung für Industrie und Gewerbe zu schaffen. Diese musste nun aber überarbeitet werden, da sie sich bislang in einer Probephase befunden habe. Bei der Gelegenheit wollte sich der ZDK auch darum bemühen, die von den Prüfungsausschüssen oft als zu lang monierten Prüfungszeiten zu reduzieren.
Neue Prüfungsordnung für Kfz-Mechatroniker
In Gesprächen mit den Ministerien für Arbeit und für Wirtschaft sowie der IG Metall sei dies gelungen: Eine neue Ordnung mit kürzeren Prüfungszeiten soll nun bereits für die Gesellenprüfungen im Winter 2007/08 gültig sein; die Wahrscheinlichkeit, dass dies gelingt, bezifferte Meyer mit 95 Prozent. „Sie haben dann eine neue Prüfungsordnung, mit der Sie über Jahre leben können“, versprach er insbesondere den Mitgliedern der Prüfungsausschüsse.
Nach wie vor umstritten ist ein noch jüngeres Berufsbild, nämlich das des Servicemechanikers. Diese zweijährige Berufsausbildung ist nach wie vor ein Politikum, zu dem die Meinungen weit auseinandergehen. Dies belegten die heftigen Diskussionen im Forum zum Thema „Zweijähriger Beruf Kfz-Servicemechaniker“, geleitet von Prof. Dr. Georg Spöttl von der Universität Bremen sowie dem Vorsitzenden des Berufsbildungsausschusses Nordrhein-Westfalen, Paul Laser. Während die Gegner das Berufsbild schlichtweg für überflüssig hielten, sahen die Befürworter eine Klientel, der man mit einer kürzeren Ausbildung helfen könne und für die es in den Betrieben auch Bedarf gebe.
Nicht ganz so heftig ging es in den anderen sieben Foren zur Sache. Hier berichteten technische bzw. kaufmännische Lehrlinge von ihren Wünschen an die Berufsschule. Gerhard Slotta (Agentur Cox) und Felicia Ullrich (U-Form-Verlag) präsentierten den ZDK-Leitfaden und die Auswahltests zur Bewerberauswahl, ZDK-Geschäftsführer Ulrich Dilchert stellte aktuelle Entwicklungen im Arbeitsrecht vor. Ein Forum unter der Leitung von Rainer Petersen (Gewerbeschule für Kfz-Technik, Hamburg) befasste sich mit der Umsetzung der Rahmenlehrpläne in Lernfeldern, Joachim Syha (ZDK) vermittelte einen Eindruck von der Gesellenprüfung online. Im „Circle of Excellence“ schließlich stellten die Topbetriebe des Bundesbildungspreises ihr ausgezeichnetes Engagement in Sachen Ausbildung vor. Sie hatten im Rahmen der Abendveranstaltung des Kongresses ihre Pokale und Urkunden erhalten (vgl. eigener Bericht ab Seite 18).
Weiterhin auf dem Programm stand ein Vortrag von Dr. Eckart Heinl (Volkswagen) zum Thema „Alternative Antriebe – Kraftstoffe von morgen“. Für Unterhaltung und Stimmung schließlich sorgten der schwäbisch-italienische Kabarettist Heinrich del Core sowie das Improvisationstheater „Springmäuse“ aus Bonn.
Abschied von Ingo Meyer
Ein wenig Wehmut kam zum Abschluss der Veranstaltung auf. Denn Ingo Meyer verwies in seinem Fazit nicht nur auf die Erfolgsgeschichte des dualen Ausbildungssystems in Deutschland im Allgemeinen und im Kfz-Gewerbe im Speziellen. Mit seiner Einladung zum 7. Bundes-Berufsbildungs-Kongress am 15./16. Mai 2009 verknüpfte er die Ankündigung, dann nur noch als Besucher und nicht mehr als Gastgeber aufzutreten, da er von seinem Geschäftsführerposten in den Ruhestand wechselt. Dies nahm er zum Anlass, sich bei seinem ganzen Mitarbeiterteam im ZDK zu bedanken, ohne das die Erfolge in der Berufsbildung niemals möglich gewesen seien.Johannes Büttner
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