Doch schon bald zeigt sich die Notwendigkeit, den vielfältig strukturierten Markt zielgenauer zu bedienen. Das wachsende Interesse der Leserschaft am Automobil macht differenziertere Publikationen nötig: Deshalb ruft Arthur Gustav Vogel im Jahr 1924 gleich drei neue Titel ins Leben: den „Motor-Markt“, den „Motorrad-Markt“ und „Das Lastauto“. „Das Lastauto“ wendet sich vorrangig an Betriebe des Transportgewerbes, also an die unmittelbaren Abnehmer von Lastkraftwagen. Deswegen zählen die Lieferanten von Ersatz- und Zubehörteilen zu den eifrigsten Inserenten.
Als weiteres Verlagsobjekt entsteht ein Jahr später die neue Publikumszeitschrift „Motor und Sport“. Sie will den Leser fachbezogen informieren und zugleich unterhalten. Die redaktionellen Beiträge des Blattes thematisieren nun verstärkt motorsportliche Ereignisse und berichten über Ausstellungen, neue Automodelle und deren Technik. Der finanzielle Aufwand für Redaktion, Druck und Vertrieb ist immens. An kostenlosen Wechselversand ist nicht mehr zu denken. Deshalb geht der Verlag dazu über, den neuen Motorsport-Titel im Abonnement zu vertreiben und über den Zeitschriftenhandel zu verkaufen. Erst 1928 ist man – was die Rendite des Objekts betrifft – über den Berg. Dann aber ist klar: Mit der Herausgabe von „Motor und Sport“ hat Vogel seinen Ruf als kompetenter Fachverlag für kraftfahrzeug-technische Zeitschriften endgültig gefestigt.
Der Verlag im NS-Staat
Die Machtergreifung Hitlers im Januar 1933 und die folgende Herrschaft des totalitären Nazi-Regimes haben auch für das deutsche Verlagswesen fatale Folgen. Mit dem „Gesetz zum organischen Aufbau der deutschen Wirtschaft“ von 1934 schafft das Regime die Grundlage dafür, das Wirtschaftsleben total zu reglementieren und alle im Reich erscheinenden Publikationen „gleichzuschalten“. Dies rührt auch an den Fundamenten des Vogel Verlags und seiner technischen Fachzeitschriften.
Von der staatlichen Reglementierung betroffen ist besonders die Industriewerbung, die sich nun radikal wandelt: Werbung hat „deutsch“ zu sein. Der dem Reichspropagandaministerium unterstellte „Werberat“ erlässt Gesetze, wonach jegliche Form der Wirtschaftswerbung seiner ausdrücklichen Genehmigung bedarf. Zudem verbietet er den kostenlosen Wechselversand. Dadurch werden die Expansionsmöglichkeiten des Vogel Verlags und die Anpassung an veränderte Märkte massiv erschwert. Viele der mittlerweile in partei-offizielle Hände überführten Verlagsunternehmen sehen im Pößnecker Großverlag eine lästige Konkurrenz. Deshalb fehlt es nicht an deutlichen Angriffen in NS-Zeitschriften wie „Das Schwarze Korps“ oder „Der SA-Mann“. Trotz dieser Anfeindungen gelingt es den Brüdern Arthur Gustav und Ludwig Vogel (1900 – 1982) ihr Unternehmen über alle Schikanen der NS-Verwaltung hinwegzuretten.
Der Fluch von „1000 Jahren“
Der vom NS-Regime forcierte Bau der Reichs-Autobahnen bringt neue Rekorde in der Automobilproduktion. Höhepunkt ist die Entwicklung des legendären „Volkswagen“. Der Autoboom beflügelt auch die Zeitschrift „Auto-Markt“, die in den dreißiger Jahren weiter prosperiert und endgültig den Übergang vom reinen Marktinformationsblatt zur technisch-gewerblichen Fachzeitschrift vollzieht. 1938 macht der „Reichsverband des Kfz-Großhandels“ den „Auto-Markt“ zu seinem offiziellen Organ. Kurz darauf erhält das Blatt den neuen Namen „Auto- und Motorradzeitschrift“, der seinem Charakter besser entspricht. Auch die Vogel-Zeitschriften „Motor und Sport“ und „Das Lastauto“ erleben durch die fortschreitende Motorisierung einen beachtlichen Aufschwung: Die Zahl der Abonnenten steigt rasch.
Trotz Zwangsbewirtschaftung können die Zeitschriften des Vogel Verlags in den ersten Kriegsjahren zunächst noch ohne wesentliche Einschränkungen erscheinen. Massive Schwierigkeiten treten in Pößneck erst Mitte 1941 ein. Vor allem der Personalmangel wird spürbar, die Papierzuteilung zunehmend rationiert. Mit der Kapitulation am 8. Mai 1945 ist Deutschlands militärische und moralische Niederlage besiegelt. Sein Wirtschaftssystem ist tödlich getroffen, die Produktionsanlagen sind zerbombt. Zudem fordern die Siegermächte von Deutschland „Wiedergutmachung“.
1946 legt der Alliierte Kontrollrat seinen „Plan für die Reparationen und die Kapazität der deutschen Volkswirtschaft“ vor. Danach ist der Kfz-Industrie nurmehr ein Fünftel ihrer Produktion von 1938 erlaubt. Obwohl die Siegermächte laut Potsdamer Protokoll die politische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands erhalten wollen, gehen ihre Zonen schon bald getrennte Wege. Während die Sowjetunion darauf besteht, dass Deutschland ihre Reparationsforderungen vollständig erfüllt, lockern die Westmächte Ende 1946 die Bestimmungen des „Industrieplans“.
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