Die unmittelbare Nachkriegszeit ist gekennzeichnet vom Bemühen der Familien Vogel, ihr Unternehmen neu aufzubauen. Verlagsgründer Carl Gustav Vogel stirbt kurz vor dem Kriegsende im März 1945. Arthur Gustav Vogel, sein ältester Sohn, wird neuer Verlagschef. Er erkennt schnell, dass vorerst nicht daran zu denken ist, Fachzeitschriften herauszugeben. Denn die US-Militärregierung verbietet zunächst jede verlegerische Tätigkeit.
Das Pößnecker Verlagsgebäude wird kurzfristig zum Stabsquartier der 30. US-Infanteriedivision. Aber schon im Juli 1945 überlassen die Amerikaner ganz Thüringen den anrückenden sowjetischen Truppen, die nahezu den gesamten technischen Betrieb demontieren und den Vogel Verlag beschlagnahmen. Zugleich erklärt der thüringische Ministerpräsident ihn zum Volkseigentum. Damit scheint das Pößnecker Unternehmen verloren. Drei Jahre lang bleibt die Zukunft des Verlages ungewiss. Doch schließlich findet er im bayerischen Coburg eine neue Bleibe. Für Verleger Arthur Gustav Vogel und seinen Sohn Karl Theodor beginnt nun ein zermürbender Kampf um Drucklizenzen und das dringend benötigte Druckpapier bei der US-Militärregierung in München. Doch die Vogel`sche Zähigkeit wird belohnt.
Start ins „Wirtschaftswunder“
Mit der Währungsreform des Jahres 1948 bekommt die Wirtschaft der drei westlichen Besatzungszonen endlich wieder ein solides Fundament. Zugleich wirkt der „Marshall-Plan“ (European Recovery Program ERP) der US-Regierung als ökonomische Starterbatterie und zündet damit den Funken zum deutschen „Wirtschaftswunder“. In dessen Windschatten kann auch der Vogel Verlag wieder als Schrittmacher der industriellen Kommunikation wirken. Im Januar 1949 erscheint der „Auto- und Motorradmarkt“ – zunächst als Beilage zum „Maschinenmarkt“ konzipiert – erstmals wieder als eigenständiger Titel.
Zug um Zug folgen bis 1950 alle bekannten Vogel-Publikationen. Das „Lastauto“ wird unter dem Titel „Lastauto und Omnibus“ weitergeführt. Mit der Wiederbelegung des traditionsreichen Blattes liefert Jungverleger Karl Theodor Vogel sein verlegerisches Gesellenstück ab. Auch die Publikumszeitschrift „Motor und Sport“ soll wieder erscheinen. Doch die wirtschaftliche Vernunft legt die Kooperation mit einem Partner nahe. Zusammen mit den Verlegern Paul Pietsch und Ernst-Dietrich Troeltsch kommt es 1951 zur Gründung der „Vereinigten Motor-Verlage GmbH“ in Stuttgart, an der sich Vogel zu 40 Prozent lange Jahre beteiligt. Aus der Kombination der Titel „Motor und Sport“ und „Das Auto“ geht schließlich die bis heute führende Motorsport-Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ hervor. Auch den Titel „Lastauto“ bringt der Vogel Verlag in das neue Stuttgarter Unternehmen ein.
Der weiterhin in Coburg ansässige „Auto-Markt“ wird 1958 in „Der Kraftfahrzeugbetrieb“ umbenannt und avanciert zum offiziellen Organ des „Zentralverbands des deutschen Kraftfahrzeug-Handwerks“ (ZVK). In den folgenden Jahren verstärkt der Verlag seine Position auf dem Kfz-Zeitschriftenmarkt. 1956 gründet er die Zeitschrift „Automobil Industrie“ als Fachjournal für Forschung, Konstruktion und Fertigung. Herausgeber des neuen Titels, der vor allem Führungskräfte der Automobilwirtschaft und der Zulieferindustrie anspricht, ist Prof. Dr. Karl Kollmann von der TH Karlsruhe. Im Jahr 1962 schließlich bringt der Vogel Verlag den „Junghandwerker im Kfz-Betrieb“ heraus, Deutschlands erstes Ausbildungsjournal für den automobilen Nachwuchs.
Neuer Standort Würzburg
Zu Beginn der fünfziger Jahre ist der Wiederaufbau des früheren Zeitschriftenprogramms weitgehend abgeschlossen. Nun gilt es, den Ausbau von Vertrieb, Redaktion und Druckerei voranzutreiben. Doch hierfür bietet der Interimsstandort Coburg denkbar schlechte Voraussetzungen. Deshalb macht sich die Familie Vogel auf die Suche nach Alternativen. Darmstadt und Fulda sind im Gespräch. Doch die Wahl fällt letztlich auf Würzburg. Die Stadt liegt verkehrsgünstig im Schnittpunkt wichtiger Fernverbindungen und ist nach der Abschnürung der ostdeutschen Gebiete zur Drehscheibe zwischen dem Norden und Süden Westdeutschlands geworden.
Entscheidend für die Standortwahl sind aber auch die guten Startbedingungen, die die Stadt Würzburg – vertreten durch Oberbürgermeister Dr. Franz Stadelmayer – dem Verlag bietet. Dies erleichtert den Neuaufbau in Würzburg erheblich. Zwischen 1952 und 1956 ziehen alle Betriebsteile etappenmäßig nach Würzburg um. Das Projekt „Neuaufbau des Vogel Verlags“, das stark vom persönlichen Einsatz Arthur Gustav Vogels und seines Bruders Ludwig Vogel geprägt ist, findet seinen Abschluss mit der Verlegung der Führungsspitze von Coburg nach Würzburg im Juli 1956.
Im Juni 1958 stirbt der Verleger Arthur Gustav Vogel im Alter von 68 Jahren. Die Nachfolge tritt sein Sohn Karl Theodor Vogel an. Nach dem gelungenen Neuanfang in Würzburg folgt für den Verlag eine Phase der Konsolidierung. Dies bedeutet aber keineswegs Stillstand. Denn der Verlag verfolgt weiterhin expansive Pläne. Bis Ende der sechziger Jahre verdoppelt sich nahezu der Umfang der Verlags- und Druckereigebäude. Zudem halten im Verlag neue Techniken wie die erste EDV-Anlage (1965) und das Offset-Druckverfahren (1969) ihren Einzug. 1976 schließlich geht mit der Einführung des Filmsatzes die „Bleisatz-Ära“ im Vogel Verlag endgültig zu Ende.
Der »kfz–betrieb« entwickelt sich
Zusammen mit seinen Schwester-Titeln »Automobil Industrie«, »autoFACHMANN« und »autoKAUFMANN« nimmt der »kfz–betrieb« fortan einen rasanten Aufschwung. Das 1972 gemeinsam mit dem Zentralverband des Kraftfahrzeughandwerks (ZVK) gegründete Ausbildungs-Journal »autoFACHMANN« erreicht schon bald eine Auflage von 77.000 Exemplaren und damit 97 Prozent aller Lehrlinge des Kfz-Handwerks. Bereits ein Jahr zuvor hat der damalige »kfz–betrieb«-Chefredakteur Joachim Lattke die Werkstatt-Ausrüstermesse „automechanika“ aus der Taufe gehoben. Sie avanciert schon bald zur weltweit führenden Kfz-Fachmesse.
1983 schließt der Vogel Verlag die bis dato bestehende publizistische Lücke in der Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses. Für Kaufleute im Kfz-Gewerbe bringt er zusammen mit dem jetzt neufirmierten Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) das Ausbildungsjournal »autoKAUFMANN« heraus. Gut zehn Jahre später ergänzt der Verlag die beiden Ausbildungsjournale durch das interaktive Lernmedium »autoFACHMANN plus«. Es bietet Kfz-Lehrlingen die Möglichkeit, ihr technisches Wissen via PC zu erweitern.
Doch auch beim »kfz–betrieb« tut sich einiges. Die Redaktion „schüttelt den Staub aus dem Blatt“ und verleiht ihm inhaltlich wie formal ein zeitgemäßes Gesicht. Neben technischen Inhalten, seit langem die Domäne des »kfz–betrieb«, gewinnen Themen aus Handel, Betriebsmanagement und Automobilwirtschaft immer größere Bedeutung. Im April 1990 schließlich wandelt sich das Erscheinungsbild des »kfz–betrieb« grundlegend. Das Blatt erscheint fortan als aktuelle Wochenzeitung und monatliches Unternehmer-Magazin. Die positiven Reaktionen aus dem Leser- und Inserentenkreis zeigen den Erfolg des neuen Konzepts.
Seite 4: Deutsche Einheit - neue Herausforderungen
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