Wie weit der Issigonis-Mini seiner Zeit voraus war, zeigte die (Nicht-)Reaktion der Konkurrenz. Denn es vergingen exakt zehn Jahre, ehe Autobianchi seinen A 112 präsentierte. Begonnen hatte der Umschwung bei der innovativen italienischen Firma, die vor der Übernahme durch Fiat 1967 als ein Joint Venture von Fiat und Pirelli geführt wurde, bereits 1964. Damals entstand die auf dem Turiner Salon präsentierte, deutlich größere Schrägheck-Limousine „Primula“.
Die „Primel“ besaß einen braven 1,2 Liter-Vierzylindermotor mit 51 PS. Der war platzsparend quer und um 15 Grad nach vorne geneigt unter der Motorhaube platziert worden – den 15 Grad-Winkel übernahm später auch Audi beim Audi 50 von 1974! Mit Heckklappe, Frontantrieb und Quermotor waren im Primula somit bereits alle fortschrittlichen Details zusammengeführt worden. Und auch der Simca 1100 von 1967 zeigte das gleiche Konzept, wenn auch oberhalb des Kleinwagensegments.
A 112 bis 1985 im Modellprogramm
Mit dem A 112 erzielte Autobianchi beachtlichen und anhaltenden Erfolg – immerhin wurde der im Design quadratisch-kantige und 3,23 m kurze Stadtflitzer bis 1985 im Modellprogramm verankert. Wieder einmal erwies sich die gestalterische schnörkellose Sachlichkeit als Erfolgsrezept: Der A 112 wurde als sportlich und zeitgemäß empfunden, trotz des nur 44 PS leistenden 903 ccm-Vierzylinders kam der Fahrspaß nicht zu kurz. Verantwortlich dafür war das mit anfangs 660 kg äußerst niedrige Leergewicht.
In den Abarth-Versionen mit 58 bzw. 70 PS begleitete der A 112 die PS-Träume vieler motorsportbegeisterter junger Männer in den 70er und 80er Jahren. Insgesamt wurden über 1,2 Millionen Einheiten aller A 112-Varianten (teilweise auch mit dem Lancia-Logo) bis 1985 gebaut. Fiat übernahm das Erfolgskonzept des A 112 ab 1971 im Modell 127.
Renault R 5 bringt das Segment in Schwung
Es schien nur eine Frage der Zeit, bis auch die Kleinwagen-affine Marke Renault den Wettbewerb unter den kompakten Kleinwagen aufnehmen würde. Nach der R 16-Limousine und dem ärmlich wirkenden R 6 brachten die Franzosen das Segment 1972 mit dem Renault 5 richtig in Schwung. Sein auf Anhieb überzeugendes Design enthielt moderne Elemente wie vertikal angeordnete Heckleuchten und die anstatt konventioneller Chromstoßstangen montierten großflächigen Prallelemente aus Kunststoff, die als wesentliches optisches Differenzierungsmerkmal dienten.
Erste Entwürfe des R 5 datieren von 1967, damals unter Leitung von Designer Michel Boué. In Deutschland diente ein 845 ccm-Vierzylindermotor mit 36 PS als Basistriebwerk, populärer jedoch war der R 5 TL mit 956 ccm Hubraum und 44 PS. Der Motor war bei dieser ersten R5-Generation allerdings noch in Längsrichtung verbaut, erst mit der zweiten Generation ab Ende 1984 erfolgte der Schritt zum Quereinbau.
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