125 Jahre Auto: Der Kleinwagen mit Frontantrieb

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Jahrzehntelang wogte der Kampf um die beste Auslegung des Antriebsstrangs. Erst mit dem populären Kleinwagen setzte sich der Vorderradantrieb durch. Die Geschichte eines Siegeszugs.

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Revolutionäres Modell: Der Audi 50.
Revolutionäres Modell: Der Audi 50.
( Archiv: Vogel Business Media )

Jahrzehntelang wogte der Kampf um die beste Auslegung des Antriebsstrangs: Heckmotor oder Frontmotor, lautete die Frage. Und die Anordnung Motor vorn - Antrieb hinten nannte man vielsagend „Standardantrieb“, weil der 1934 von Citroen initiierte Vorderradantrieb lange Zeit ein Nischendasein fristete. Letztlich jedoch besannen sich die Konstrukteure zunehmend auf das platzsparende Frontantriebs-Konzept. Als dann noch ab Ende der sechziger Jahre kompakte Kleinwagen mit Heckklappe auftauchten, war der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten.

Kleine Autos versprühen heutzutage eine Menge Charme, sie sind komfortabel, auf Wunsch stark motorisiert, und sie halten hinsichtlich beanspruchter Verkehrsfläche und in Sachen Verbrauch klug Maß im Sinne der Ressourcenschonung. Die Geburt dieser Fahrzeug-Kategorie (Konzept: Frontantrieb mit vorne quer eingebautem Motor, Heckklappe zur besseren Beladung) lässt sich ab Ende der sechziger Jahre verfolgen.

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Damals war es die italienische Firma Autobianchi mit dem Modell A 112, die den entscheidenden Schritt wagte. Die deutschen Hersteller brauchten bis 1974, ehe der Audi 50 erschien – der kleine Ingolstädter mit dem schicken Karosserie-Design, munteren Vierzylinder-Triebwerken und Bestwerten beim Leichtbau war so gut, dass Konzernmutter Volkswagen sofort zugriff und davon den baugleichen Polo ableitete.

Automobiles Querdenken

Das experimentierfreudige Lebensgefühl der späten 60er und frühen 70er Jahre war ein idealer Nährboden für automobiles Querdenken. Es entstanden ja nicht nur die neuen Kleinwagen, sondern auch aufregende Sportwagen-Konzepte (1969 und 1970 sogar das Flügeltüren-Wankel-Coupé C 111 von Mercedes-Benz) und Limousinen mit neu definiertem Sicherheitsstandard, wie die Mercedes S-Klasse von 1972.

In Italien, wo in den 50ern der kleine Fiat 500 mit Heckmotor antrat und auch der im April 1964 vorgestellte Fiat 850 diesem Konzept nochmals folgte, sah die Welt bereits fünf Jahre später ganz anders aus. Denn der 1969 auf dem Turiner Salon präsentierte Autobianchi A 112 war hinsichtlich Rauausnutzung und technischer Auslegung meilenweit entfernt vom konservativen Entwurf des Fiat 850.

Revolution im Mini: der quer eingebaute Vierzylinder

Der eigentliche Durchbruch des Frontantriebs im Kleinwagen ereignete sich allerdings bereits 1959, als der von Alec Issigonis genial konzipierte Mini die Welt-Automobilproduktion bereicherte. Allerdings besaß der spätere Rallye Monte Carlo-Sieger noch keine Heckklappe, sondern einen sich nach unten öffnenden kompakten Deckel.

Von Beginn an wurde im Mini ein bereits quer eingebauter Vierzylindermotor mit 848 ccm und 35 PS verwendet - 1959 eine wahrhaftige Revolution! Weitere Versionen führten zum Mini Cooper mit 998 ccm Hubraum und 56 PS bzw. 1071 ccm und 70 PS für den Mini Cooper S, jeweils in der Mk. I-Konfiguration.

Auf Seite 2: Mit der Primel kommt der Umschwung

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