125 Jahre Auto: Eine Ausfahrt mit dem Benz Patent-Motorwagen

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Mit unseren heutigen Modellen hatte der von Carl Benz 1886 gebaute Motorwagen noch nicht viel gemein. Das zeigt eine Spritztour mit dem ersten Auto der Welt.

Die ersten Meter sind immer die schwersten. Denn bis sich der Patent-Motorwagen einmal in Bewegung setzt, muss man das Gefährt erst beherrschen. Das fiel schon seinem Erfinder nicht leicht. Nicht umsonst endeten die ersten Ausfahrten von Carl Benz an den Mauern um den Hof vor seiner Mannheimer Werkstatt.

Doch das ist mittlerweile eine halbe Ewigkeit her. Und während Benz ein PS-Pionier war, der die Welt noch von der Pferdekutsche aus kennen gelernt hat, müssen wir hoch oben auf dem ledernen Bock zurückdenken und alles vergessen, was wir vom Autofahren wissen. Schließlich ist er Patent-Motorwagen der Urmeter unserer individuellen Mobilität, das erste Auto der Welt – und jetzt feiert es seinen 125. Geburtstag (Chronologie der Ereignisse).

Das haben wir zum Anlass für eine kurze Ausfahrt im Geist von Gestern genommen und das Autofahrern noch einmal völlig neu gelernt. Denn die am 29. Januar 1886 von Benz zum Patent angemeldete Erfindung hat nicht mehr viel mit unseren heutigen Autos gemein. Zwar gibt es vor allem im und um den von Benz nach dem Otto-Prinzip weiterentwickelten Motor noch ein paar Bauteile, die man auch in den aktuellen Verbrennern findet.

Fahren mit Hahn und Knüppel

Doch schon bei der Zahl der Räder hört es mit den Parallelen auf. Bei Benz mussten drei dürre aber dafür beinahe mannshohe Fahrradreifen genügen, um die Erfindung ins Rollen zu bringen. Statt eines Lenkrades gab es einen fragilen Steuerknüppel, mit dem man das einzelne Vorderrad auf Kurs hielt. Und wo wir heute mit Pedalen Bremsen oder Gas geben, mussten Benz ein unter dem Sitz montierter Hahn für die Gemischbildung und ein Knüppel an der rechten Seite reichen, mit dem man den Antriebsriemen kontrolliert.

Schon das Anlassen ist ein kleiner Kraftakt: Nur wer kräftig genug am liegenden Schwungrad schwingt, entlockt dem Motor ein Lebenszeichen. Zwei, drei Mal muss man das riesige Rad drehen, dann wird aus dem kurzen Stottern ein regelmäßiges Tuckern und der liegende Einzylinder kommt in Fahrt. Nur etwa 400 Mal die Minute stapft der Kolben durch den knappen Liter Hubraum und produziert dabei nicht einmal eine Pferdestärke.

Auf Seite 2: Der Motorwagen nimmt Fahrt auf

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