2. Oldtimerkongress: Fallstricke und Chancen der Spezialisierung
Welche Anforderungen werden aktuell und zukünftig an Fachbetriebe für historische Fahrzeuge gestellt? Antworten auf diese und andere Fragen gab der 2. Oldtimerkongress.

Sie sind in vieler Munde und auch immer öfter in professionellen Händen: Old- und Youngtimer. „Aktuell tragen bereits rund 450 Kfz-Meisterbetriebe das Zusatzschild ‚Fachbetrieb für historische Fahrzeuge‘“, berichtete Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), anlässlich des 2. Oldtimerkongresses im Rahmen der Techno Classica. Das Informationsangebot der Veranstaltung nutzten rund 120 Fachbesucher. Der vom ZDK und dem Messeorganisator S.I.H.A. ausgerichtete Kongress nahm Stellung zu unterschiedlichen Schwerpunkten.
Wirtschaftlich ist das Thema für die Kfz-Branche auf jeden Fall interessant: 1.437 Euro investierte im vergangenen Jahr laut dem aktuellen DAT-Report der Halter eines Oldtimers im Schnitt in Wartung und Reparatur seines Liebhaberstücks – gerade einmal 252 Euro brachte der durchschnittliche Pkw-Fahrzeughalter auf. Auch wenn rund 300.000 Fahrzeuge hierzulande mit einem historischen H-Kennzeichen unterwegs sind: Nicht nur die DAT geht bei einer „grob geschätzten Bestandszahl“ von zirka zwei Millionen Old- und Youngtimern aus. Die Zahlen zeigen, dass das Geschäft mit dem rollenden Kulturgut durchaus auch für klassische Kfz-Betriebe interessant sein kann.
Dass Werkstätten, die Servicearbeiten und Reparaturen bzw. ganze Restaurierungen von alten Fahrzeugen anbieten, über spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen müssen, liegt auf der Hand. Deshalb hat der ZDK bereits vor Jahren das Thema Fachkräfte im fahrzeughistorischen Bereich aufgegriffen. Aktuell absolvieren 60 Mechatroniker und Mechatronikerinnen im Rahmen eines Pilotprojekts eine Zusatzqualifikation als Fachkraft für Old- und Youngtimer. „Damit wollen wir die junge Generation unserer angehenden Fachkräfte fit machen für das Zukunftsgeschäft mit dem Kulturgut klassische Automobile“, so der ZDK-Präsident.
Breites Themenspektrum
Impulse für das Oldtimergeschäft setzten mehrere Fachleute aus verschiedenen Praxisbereichen. Der Sachverständige und Oldtimerexperte Friedrich Rückert verdeutlichte mit anschaulichen Beispielen, was sich hinter scheinbar banalen Begriffen wie „original“, „zeitwertgerechte Reparatur“ bzw. „unfallfrei“ verbirgt. „Der Kunde ist der Souverän“, so seine These. Aber: Kfz-Betriebe sind verpflichtet – Stichwort „Restaurierungsethik“ –, ihre Kunden über die Konsequenzen nicht originaler Arbeiten aufzuklären.
Wie man mit Restaurierungswünschen der eigenen Klientel umgeht und wie man einen Einstieg ins Oldtimergeschäft planen sollte, legte Thomas Lundt dar. Der Innungsobermeister aus Berlin betreibt seit 30 Jahren eine freie Porsche-Fachwerkstatt. Lundt gab den Teilnehmern Tipps für einen Einstieg in den gewerblichen Teil dieses Hobbys. „Konzentrieren Sie sich auf ein, zwei Marken oder ein, zwei Themen“, so sein Credo. Das Potenzial liegt nach Ansicht des Porsche-Experten nicht bei uralten und seltenen Fahrzeugen, sondern vor allem in gängigen Fahrzeugen der siebziger und achtziger Jahre.
Matthias Kemmer, Inhaber eines Oldtimer-Fachbetriebs und Dozent unterschiedlicher TAK-Oldtimerseminare, vermittelte im Rahmen seines Vortrags die handwerklichen Unterschiede zwischen Neuaufbau und Restaurierung und ihre Auswirkungen auf den Wert eines Fahrzeugs. Zudem machte er deutlich, wie individuell die Auslegung des Begriffs „Qualität“ im Oldtimer-Alltag sein kann. Auch hier, so sein Rat, müssen Werkstätten ihre Kunden aufklären und eine andere Herangehensweise an Aufträge an den Tag legen als bei der Reparatur eines Alltagsfahrzeugs.
Welche Konsequenzen „Freundschaftsgutachten“ hingegen haben, welches Gutachten der Oldtimerbesitzer wofür benötigt und welche Haftungsfragen auf Gutachter zukommen können, wenn es zum Streit über den Zustand bzw. den Wert eines Oldtimers kommt, erläuterte Götz Knoop. Der Jurist gilt als ausgewiesener Fachmann für Rechtsthemen im Segment klassischer Fahrzeuge. Eine Podiumsdiskussion, in deren Verkauf die Kongressteilnehmer sich von den Referenten offene Fragen beantworten lassen konnten, rundete die Veranstaltung ab.
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