ADAC-Testzentrum 25 Jahre Crash! Boom! Bang!

Von Steffen Dominsky

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Das Test- und Technikzentrum in Landsberg/Lech ist eine tragende Säule des Verkehrsclubs in Sachen Sicherheit. »kfz-betrieb« hat sich schon mehrfach von dessen Know-how und Kompetenz überzeugt. 2022 feiert die Institution ein Jubiläum.

Seit 25 Jahren testet der ADAC in Landsberg/Lech Autos und vieles drum herum. Schon 2006 ging er der Frage nach: „Was taugen Airbagwesten für Motorräder?“ (Bild:  ADAC)
Seit 25 Jahren testet der ADAC in Landsberg/Lech Autos und vieles drum herum. Schon 2006 ging er der Frage nach: „Was taugen Airbagwesten für Motorräder?“
(Bild: ADAC)

Kein Motorengeräusch, es ist nur ein verhaltenes Surren. Dazu gesellt sich für wenige Sekunden das Abrollgeräusch von Reifen. Und dann: Bang! Es knallt und kracht heftig. Glas- und Kunststoffteile fliegen umher und etliche Tausend Euro Fahrzeugwert haben sich in atemberaubender Geschwindigkeit pulverisiert.

Doch dieses „Pulver“ ist wertvoll, sehr wertvoll sogar. Denn es hilft im Fall der Fälle Menschenleben zu retten und Verletzungen von Personen zu reduzieren.Erzeuger dieses „Pulvers“ ist eine mittlerweile weit über die Landesgrenzen Bayerns hinaus bekannte Einrichtung: das Test- und Technikzentrum des ADAC in Landsberg am Lech, westlich von München.

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Vor 25 Jahren, genauer am 13. März 1997, eröffnete der Automobil-, oder besser gesagt Verkehrsclub, seine neue Einrichtung. Zwei Jahre später weihte man die Fahrzeug-Crashtestanlage ein. Das ausgeklügelte Testprozedere übernahm 2002 das Fahrzeug-Sicherheitskonsortium „Euro NCAP“. Jedes Jahr macht es etwa 70 Mal „Crash! Boom Bang!“ auf dem 8.000 m2 großen Gelände.

Doch die 70 Techniker und Ingenieure fahren nicht nur Fahrzeuge an die Wand bzw. gegeneinander. Sie prüfen auch einzelne Baugruppen und Fahrzeugzubehör – das umfangreiche Testprozedere listet der Kasten weiter unten auf. Und die Landsberger testen natürlich auch ganze Autos, Motorräder, Fahrräder und Campingfahrzeuge. Rund 120 Autos testen sie pro Jahr anhand von über 300 Kriterien und bewerten diese.

Mit über 10.000 Messungen liefert der vom ADAC 2003 entwickelte „Ecotest“ realistische Angaben zu Kraftstoffverbrauch und Schadstoff- bzw. CO2-Emissionen. Die Ergebnisse werden für die Abgasgesetzgebung und CO2-Grenzwert-Diskussionen genutzt. Sie werden als Datenquelle in Untersuchungsausschüssen des Bundestags und des EU-Parlaments, etwa zum Dieselskandal, herangezogen sowie für die Luftreinhaltepläne der Bundesländer abgefragt.

ADAC testet nicht nur Autos

Darüber hinaus testen die „gelben Engel“ Produkte wie Reifen und Kindersitze, Helme und Fahrradanhänger, Wallboxen und Kraftstoffe. Mit den Testergebnissen leistet der Club nach eigenen Aussagen Entscheidungshilfen für Verbraucher und liefert gleichzeitig Orientierung für Gesetzgeber und Hersteller.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat der ADAC in den Fliegerhorst der angrenzenden Gemeinde Penzing investiert. Dort testen Experten zahlreiche Fahrzeugassistenzsysteme sowie C2X-Kommunikationsabläufe (C2X oder Car-to-X, Oberbegriff für die Kommunikation des Autos mit seiner Umwelt).

Auch hat der Club ein eigenes Verfahren zum Test von Notbremsassistenten entwickelt. Dieses ist weltweit als Bewertungssystem anerkannt und hat dazu geführt, dass mit der General Safety Regulation der Notbremsassistent für neue Kfz-Zulassungen Pflicht wird. Weil Autos heute im hohen Maße auch personenbezogene Daten sammeln, untersuchen die Spezialisten im Test- und Technikzentrum darüber hinaus, welche Daten im Auto wie und von wem genutzt werden.

Doch nicht nur allen voran für Verbraucher relevante Tests führt der Verkehrsclub in seinem Test und Technikzentrum durch. Auch Themen, die in hohem Maße das Kfz-Gewerbe betreffen, werden hier bearbeitet.

Auch »kfz-betrieb« hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach vor Ort über die Erkenntnisse informiert und darüber berichtet, was die ADAC-Experten zu Themen wie „Tachomanipulation“ und „Sicherheit von Keyless-Go-Systemen“ erarbeitet haben. Eine nach wie vor zu laxe Gesetzgebung und mangelnde Einsicht bzw. Investitionsbereitschaft bei den Fahrzeugherstellern werden auch künftig dafür sorgen, dass den Mitarbeitern in Landsberg in dieser Hinsicht nicht die Arbeit ausgehen wird.

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Test- und Technikzentrum des ADAC in Landsberg
Das wird getestet

Autotest: Jedes Jahr unterzieht der ADAC über 150 neue Fahrzeugmodelle einem umfangreichen Testprogramm mit mehr als 300 Prüfkriterien je Fahrzeug. Damit werden alle Aspekte der Modelle abgedeckt – von der Technik über die Sicherheit bis hin zur Handhabung und den Kosten.

Ecotest: Mit diesem Test werden die Emissionen sowie der Kraftstoffverbrauch aller Antriebsarten ermittelt. Seit 2016 führen die Experten in Landsberg auf der Straße unter realen Bedingungen die sogenannte PEMS-Messung durch. Der Ecotest ist fester Bestandteil der ADAC-Autotests.

Crashtest: Die Länge der Anlaufbahn für den Crash beträgt 168 Meter und Fahrzeuge können eine maximale Aufprallgeschwindigkeit von 120 km/h erlangen. In der Anlage sind Fahrzeugversuche (Frontal-, Seiten-, Heckcrash) sowie Schlittenversuche (Test von Autositzen, Kopfstützen, Kindersitze, u. v. a. m.) möglich. 2002 wurde der Test vom Fahrzeug-Sicherheitskonsortium Euro NCAP übernommen.

Kindersitztest: Dieser gilt europaweit als der wichtigste Test für die Kindersicherheit, und die Ergebnisse werden in 20 Ländern Europas zeitgleich veröffentlicht.

Reifentest: Hier werden Sommer- wie Winterreifen auf trockener und nasser Fahrbahn, bei Schnee und Eis getestet.

Assistenzsysteme: Der ADAC testet alle wichtigen Systeme. Um die Wirkung des vorausschauenden Notbremsassistenten zu überprüfen, entwickelten die ADAC-Handwerker und -Crash-Ingenieure ein eigenes Testverfahren. Dieses gilt heute europaweit als Standard.

Komfort & Sicherheit: In der Wärme- und Kältebox schwanken die Temperaturen von plus 40 bis minus 20 Grad Celsius. Damit lässt sich die Effizienz von Fahrzeugheizungen- und -klimaanlagen ermitteln. In der Wind- und Regenbox stellen die Experten extreme Wetterbedingungen nach. Damit werden unter anderem die Dichte von Schiebedächern, Motorradkleidung sowie die Funktionalität von Scheibenwischern getestet.

Elektronische Systeme: Wie sicher sind Funkfernbedienungen, allen voran sogenannte Keyless-Go-Systeme? Und wie leicht ist es, die Anzeige eines digitalen Kilometerzählers zu manipulieren? Auch diesen Fragen gehen die Experten nach und legen oftmals eklatante Sicherheitslücken offen.

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