30 Jahre Mercedes SL R129: Die Gegenwart des Roadsters begann gestern

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Und doch ging kurz vor der Jahrtausendwende noch mehr. Während James Bond im Kinoerfolg „Die Welt ist nicht genug“ auf den Dienstroadster BMW Z8 vertraute, musste beim Mercedes SL die neue Tochter AMG helfen, den Hunger auf einen signifikanten PS-Vorsprung und einen Hauch Protz zu befriedigen. Zählte der SL 600 zum Champagner der Cabrio-Szene, gab der 1998 eingeführte SL 73 AMG den Grand Cru unter den kostbaren Champagner-Gewächsen.

Kontinuierlich erweiterte Austattung

Will sagen, der 385 kW/525 PS freisetzende 7,3-Liter-V12 stand nicht in den regulären Mercedes-Preislisten, sondern war ein AMG-Manufakturprodukt in Kleinserie, das so kostspielig war wie gleich drei Mercedes SL mit V6. Dafür konnte sich der SL 73 AMG mit offenen Supercars wie dem Lamborghini Diablo Roadster messen. Bei seinem 4,8-Sekunden-Sprinter ließ AMG sogar über die viele SL-Käufer störende Tempo-250-Abregelung mit sich reden. Eine Lockerung auf 280 km/h war kein Problem und einigen SL-Piloten gelang es, die 300-km/h-Schallmauer zu knacken.

Den Nimbus eines ultimativen Hightech-Roadsters bekräftigten im Laufe der Jahre kontinuierlich ergänzte Spezialitäten wie ein Windschott, das neben der Zugluft auch Windgeräusche reduzierte, das lichte Panorama-Glasdach mit Sonnenrollo, eine sogenannte Kurzhubsteuerung, die beim Öffnen der Türen die Seitenscheiben teilweise versenkte und Sicherheitsfeatures wie Airbags für Fahrer und Beifahrer, Sidebags oder Xenonlicht.

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Hinzu kam der Erfolgsfaktor Zuverlässigkeit. Während andere stilvolle automobile Statussymbole ihre betuchten Besitzer nicht selten mit einem kapriziösen Eigenleben nervten, faszinierte die Baureihe R 129 durch bedingungslose Verlässlichkeit. Weshalb der offene Benz zum beliebten Accessoire von Hollywoodstars avancierte und in Filmen und TV-Serien gleichermaßen als Fluchtauto glänzte wie als Boulevardcruiser, etwa in „Beverly Hills 90210“ oder „Sex and the City“. So überrascht es nicht, dass ein Großteil dieser in Bremen gebauten SL-Generation in den Export nach Nordamerika ging – und nach Japan.

205.000 Einheiten Gesamtauflage

Mit einer Gesamtauflage von knapp 205.000 Einheiten verfehlte die bis Sommer 2001 gebaute Roadster-Reihe R 129 nur knapp das Ergebnis ihres Vorgängers R 107, der dafür allerdings sechs Jahre länger in Produktion war. Auch eine Bestsellerrolle birgt Probleme, gefährdet sie doch die Selbstinszenierung extrovertierter Kunden. Und so kreierte Mercedes für den R 129 ein damals konkurrenzloses Individualisierungsprogramm. Neben einer Vielzahl an Farben, Formen und Materialien, die in der Optionenliste und im sogenannten Designo-Programm zu ordern war, legte Mercedes fast 20 SL-Sonderserien auf.

Darunter waren mehrere Mille-Miglia-Editionen, von denen nur 10 Exemplare verteilt wurden. Ähnliches galt auch für die 35 Einheiten des SL 72 AMG von 1995, von denen allein 25 Fahrzeuge die Sammlung des Sultans von Bahrein bereicherten. Heute gilt der R 129 als frisch geborener Oldtimer, der alle Anlagen mitbringt, noch lange Zeit viel Vergnügen zu bereiten, vor allem mit V8-Power oder als preiswerter Sechsender.

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