Jubiläum BMW Z3: Neuer Spaß aus alten Formen

Von sp-x 5 min Lesedauer

Diesmal rettete James Bond nicht nur die Welt, im Filmabenteuer „GoldenEye”, revitalisierte „007“ im Herbst 1995 auch einen bayerischen Roadster. Sechs Jahre nachdem Mazda mit dem MX-5 den Roadster-Hype entfacht hatte, präsentierte Mr. Bond den BMW Z3: Einen noch bezahlbaren Zweisitzer, der Geschichte schrieb.

BMW-Roadster im Zeichen des Z: BMW Z1 (ab 1988), Z3 (ab 1995), Z8 (ab 2000) und Z4 (ab 2002).(Bild:  BMW)
BMW-Roadster im Zeichen des Z: BMW Z1 (ab 1988), Z3 (ab 1995), Z8 (ab 2000) und Z4 (ab 2002).
(Bild: BMW)

Ein kleiner Japaner als meistverkaufter Roadster aller Zeiten, urbritische MG-Roadster „Made by BMW“, ein bayerischer Sportwagen aus dem Land schwerfälliger Straßenkreuzer und Actionheld „James Bond“ in einem billigen weißblauen Zweisitzer als agile Alternative zum noblen Aston Martin: Im Spätherbst 1995 schien die vertraute (Auto)-Welt aus den Fugen geraten. Tatsächlich aber rettete Geheimagent „007“ im Kinostreifen „Golden Eye” nicht nur einmal mehr die Welt, sondern er promotete mit dem brandneuen BMW Z3 als Dienstwagen auch einen bezahlbaren Vierzylinder-Roadster, der den rekordverdächtig beliebten Mazda MX-5 attackieren sollte.

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Als Vorbote einer Welle Münchner Modellreihen im Retrodesign verknüpfte der Z3 optische Reminiszenzen an legendäre BMW-Roadster wie den handlichen Typ 328 (von 1936) oder den glamourösen 507 (von 1955) und ergänzte diese um moderne Facetten. Ein Mix, der Bestsellerpotential hatte und die Entwicklung der Modelle BMW Z8 und (New) Mini inspirierte. Der Mini war es auch, den BMW mit einem England-Abenteuer gewann: Fast alle anderen Akquisen aus der 1994 erfolgten Rover-Übernahme, darunter der neue Mittelmotor-Roadster MG F, erwiesen sich als finanziell verlustreich. Wie sich mit preiswerten Roadstern Geld verdienen ließ, zeigte stattdessen beispielhaft der BMW Z3. Der Zweisitzer nutzte die bewährte Technik des BMW 3er (E36) und wurde als erstes Modell der Bayern in den USA gebaut – inklusive anfänglicher Qualitätsprobleme.

Der MX-5 als Vorbild

Ob mondäner Luxusroadster im Stil des von Stardesigner Albrecht Graf Goertz entworfenen BMW 507 oder kleiner Kraftsportler wie der Mille-Miglia-Sieger BMW 328: Keine zweite europäische Premiummarke bespielt die Klaviatur offener Fahrspaßmaschinen schon seit Anfang der 30er-Jahre konsequenter und kreativer – und hält sogar noch heute in Zeiten des Cabrio-Sterbens zweisitzige Verdeckträger wie den Z4 vorläufig am Leben. Und dennoch las sich das, was BMW zum Launch des Z3 vor 30 Jahren kommunizierte, fast wie eine Wiederholung der Erfindung des Mazda MX-5, der auf die Antriebstechnik des kompakten Mazda 323 vertraute und aus einer Konkurrenz zwischen drei Designteams hervorging.

Aber der Reihe nach: Mit dem Z1 hatten die Ingenieure der BMW Technik GmbH 1988 gerade einen visionär offenen und kostspieligen Technologieträger mit versenkbaren Türen auf die Räder gestellt, da enthüllte Mazda im Februar 1989 in den USA einen bezahlbaren Sportler, der als Miata bzw. MX-5 den klassischen englischen Roadster in verführerische Formen brachte. Vor allem: Der Zweisitzer „Made in Japan“ vermied die vielen Qualitätsdefizite, die seinen britischen Vorbildern immanent waren. Leidenschaft ohne Leiden, das kam in Nordamerika, weltweit größter Sportwagenmarkt, besonders gut an, der Mazda aus Hiroshima beschleunigte zu Verkaufsrekorden.

Da produzieren wo die meisten Kunden sitzen

Warum nicht gleich in den USA produzieren und so das Risiko von Währungsschwankungen vermeiden, fragten sich die BMW-Strategen und bauten für den Z3 das Werk Spartanburg/South Carolina (USA). Nicht zu vergessen, dass die Arbeitskosten im Süden Amerikas rund ein Drittel niedriger als in Deutschland lagen – essenziell für die relativ günstigen Preise des 4,03 Meter kurzen Z3, der als Vierzylinder nicht nur den MX-5 attackierte, sondern ab Marktstart 1996 zahlreiche neue, zweisitzige Sonnenjäger ins Visier nahm. Ob Alfa Spider, Fiat Barchetta, Mercedes SLK, MG F, Porsche Boxster oder Exoten wie der Kia Roadster, sie alle versprachen angesagten Lifestyle und das bis auf Benz und Porsche zu relativ kleinen Kosten.

Auch sonst war beim Z3 vieles ähnlich wie bei Mazda: Der BMW verwertete die Plattform und Motoren des 3er Compact. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte engagierte BMW drei unabhängige Designteams. Aus den Entwürfen ging die Variante mit der längsten Motorhaube, knackig-kurzem Heck (wie einst der 328 Roadster) und seitlichen „Kiemen“ im Stil des historischen Kult-Typs 507 als Sieger hervor. Ein Retro-Roadster, der mit anfangs 85 kW/115 PS oder 103 kW/140 PS für Sportwagenfans zu den Highlights des Jahres gehörte. Die Olympischen Spiele 1996 wurden in Atlanta/Georgia ausgetragen, und der BMW Z3 aus dem Werk im benachbarten South Carolina wurde bei Pressetestfahrten von Passanten enthusiastisch gefeiert, ähnlich wie 1989 die ersten Mazda MX-5 unter der Sonne Kaliforniens. Während der in Hiroshima gebaute Samurai die fast ausgestorbenen Roadster wiederbelebte, waren die Zweisitzer 1996 schon eine feste Größe.

Sogar mit V12 angedacht

Der Z3 war offenbar der richtige Typ zur richtigen Zeit: Schon 1996 verkaufte sich der kompromisslose Zweisitzer mehr als 46.000-mal, im September ’99 rollte bereits der 200.000ste Z3 zu den Kunden, allein der billigere Mazda hatte seine lange Schnauze vorn. Nicht einmal die bis zum Facelift von 1999 vorhandenen Verarbeitungsschwächen konnten den Z3 einbremsen. Fürs Powerplay setzte BMW 1997 auf den damals noch markentypischen Sechs-Appeal: Der 2,8-Liter-Reihen-Sechser aus der 3er- und 5er- Reihe mit 141 kW/192 PS kam in Form des Z3 2.8, von hinten erkennbar an muskulös ausgestellten Kotflügeln. Dazu als M Roadster der 3,2-Liter-Sechszylinder aus dem M3 mit 236 kW/321 PS für Fahrleistungen auf Porsche-911-Niveau, aber Preisen wie der kleinere Boxster. Nicht in Serie ging nur der Z3 mit 240 kW/326 PS starkem 5,4-Liter-V12, wie er auch im Rolls-Royce Silver Seraph arbeitete.

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Schnelle Freude mit einem Shootingbrake wie es noch keinen gab, präsentierte BMW-Chefdesigner Chris Bangle 1998: Das Z3 Coupé sollte laut Marketing an das BMW 328 Sportcoupé aus den 1930ern erinnern, aber explizit auch an den Jaguar E-Type. Tatsächlich aber ähnelte die Kombination aus langer Front des Z3 Roadsters mit wuchtig-kurzem Kombiheck den Konturen eines rasenden Turnschuhs, wie die Community spöttisch kommentierte. Handlich wie ein Go-Kart ließ sich das ausschließlich von Sechszylindern angetriebene Kraftpaket um Kurven zirkeln, und dennoch: Die Absatzzahlen blieben mit 17.815 Einheiten bescheiden. Alles richtig machte BMW dafür 1999, als eine Modellpflege die Vierzylinder durch muskulöse hintere Kotflügel aufwertete und die Z3-Gesamtproduktion im Sommer 2002 fast 300.000 Einheiten erreichte.

Der Nachfolger Z4 provozierte dagegem im Herbst 2002 in unter Chris Bangle kreierten disruptiven Formen. Wichtiger blieb den Roadster-Fans jedoch der Frischluftfahrspaß, und damit überlebte der in drei Auflagen gebaute Z4 fast alle Rivalen. Nur einen Gegner konnte er nie bezwingen: Wenn der aktuelle BMW Z4 2026 ins Museum fährt, soll der Mazda MX-5 weiter vom Fließband rollen.

 

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