50 Jahre Peugeot 204: Französische Revolution

Autor / Redakteur: sp-x / Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Ausgerechnet Peugeot – lange ein Inbegriff der konservativen Mittelklasse – wirbelte vor 50 Jahren die Kleinwagenwelt durcheinander.

50 Jahre Peugeot 204: Im Mai 1965 brachte die Löwenmarke den avantgardistischen Kompaktwagen auf den Markt.
50 Jahre Peugeot 204: Im Mai 1965 brachte die Löwenmarke den avantgardistischen Kompaktwagen auf den Markt.
(Foto: Peugeot)

Die Revolution ging einmal mehr von Frankreich aus und kam doch von gänzlich unerwarteter Seite. Nicht Citroen oder Renault, sondern die seit Kriegsende auf klassische und konservative Familienmodelle konzentrierte Marke Peugeot präsentierte 1965 einen für Paris tauglichen Kompaktwagen zukunftsweisender Konzeption. Tatsächlich maß der designierte Volksheld des Typs 204 nur 3,97 Meter und wirkte dabei ebenso wagemutig wie die Aktivisten der bevorstehenden Studentenunruhen. Während der akademische Nachwuchs gesellschaftliche Veränderungen beschwor, brachte das automobile Baby der Löwenmarke Bewegung in die Kompaktwagenszene. Hatte es doch noch nie einen kleinen Peugeot so avantgardistischer Prägung gegeben. Der 204 überraschte mit einem Füllhorn an Innovationen, die letztlich alle europäischen Volksautohersteller inspirierten, dem französischen Vorbild zu folgen. In der Zwischenzeit setzte sich der in 1,6 Millionen Einheiten gebaute Peugeot 204 erst einmal an die Spitze der französischen Verkaufscharts.

Neues Antriebskonzept

Frontantrieb mit raumsparenden Quermotoren, das fand sich vor dem Marktstart des Peugeot 204 in der Kompaktklasse nur bei den Engländern des legendären Mini-Erfinders Alec Issigonis. Nicht aber in Kombination mit drehfreudigen Leichtmetall-Benzinern und dem kleinsten Diesel der Welt. Ein Selbstzünder, der dem Peugeot 204 den Rang eines Spar-Weltmeisters einbrachte, der erst ein Jahrzehnt später durch den VW Golf Diesel entthront werden sollte.

Reif für Fortschritt à la francaise hielt der Peugeot 204 aber nicht nur die Antriebe, sondern auch die Karosserieformen. Zwar blieb die Limousine beim klassischen Stufenheck, neu in ihrer Art waren dafür der kompakte viertürige Frontantriebs-Break und die schicken Fourgonnette-Lieferwagen. Diese innovativen Kombis ließen die gesamte Konkurrenz von Fiat 1100 bis VW Variant schlagartig alt aussehen. Allein der Ford 12 M verfügte ebenfalls über angetriebene Vorderräder, begnügte sich aber mit nur zwei Türen und ansonsten eher althergebrachter Technik.

Extravagantes Design

Dagegen deklassierte das von Pininfarina extravagant gezeichnete Peugeot 204 Cabriolet laut Presse die englischen Zweisitzer-Konkurrenten Austin Sprite und MG Midget zu antiquierten „Museumsstücken“. Noch aufregendere Couture kleidete nur das Coupé des 204-Programms, ein zweitüriger Shooting-Brake mit großer Heckklappe. Vergleichbares hatte die Automobilwelt in diesem Format noch nicht gesehen. Auf Automobilsalons avancierte der schöne Chic aus Sochaux zum Publikumsliebling.

Das von Peugeot-Hausdesigner Paul Bouvet formvollendet gezeichnete 204 Coupé, das den Stil späterer Sport-Kombis vorwegnahm, wurde deshalb sogar mit dem höchsten Designpreis, dem Grand Prix de l’Art et de l’Industrie prämiert. 1970 übernahm der Peugeot 304 dieses Coupé-Konzept fast unverändert in die Mittelklasse, wo es dann fünf Jahre später Modestandard wurde. Ford Capri II, VW Scirocco, Fiat 128 Berlinetta, Toyota Celica Liftback oder Opel Manta CC – am Ende folgten alle den Spuren des Vorreiters Peugeot 204 Coupé. Sicher, auch dieser Avantgardist hatte bereits einen britischen Weggefährten, allerdings spielte der MG B GT in einer höheren Klasse.

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