50 Jahre Peugeot 204: Französische Revolution

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Cabrio mit Glamour-Faktor

Anders war es mit allen kleinen Engländern der Frischluftfraktion. Sie mussten sich dem vom Turiner Stardesigner Pininfarina konturierten Peugeot 204 Cabrio in der Alltagstauglichkeit klar geschlagen geben – allein am knorrigen Charakter und der beispiellosen Tradition der angelsächsischen Roadster fehlte es dem Franzosen in italienischer Form.

Ebenso drastisch zeigte der Peugeot den konservativen Heckmotorkonstruktionen á la Renault Caravelle Sportcabrio, Fiat 850 Spider oder VW Karmann Ghia, wer neuer kleiner Sonnenkönig werden wollte. Tatsächlich konnte Peugeot bis 1970 immerhin über 18.000 offene 204 ausliefern, hinzu kamen bis 1975 knapp 19.000 Einheiten der Weiterentwicklung Peugeot 304. Wichtigste Exportkunden beider Cabrios waren übrigens sonnenhungrige Deutsche, die an den Galliern vor allem deren Zuverlässigkeit und die Formgebung mit einem Hauch Glamour schätzten. Schließlich war es die Pininfarina-Studie Cadillac „Jacqueline“ (Kennedy) gewesen, die als inspirierende Muse für den 204 fungiert hatte. Ein Concept Car, durch das Peugeot eine vollkommen neue, eigenständige Linie fand, den „style maison“, der sich in Details sogar noch in der heutigen Modellpalette spiegelt.

Chef in der Kompaktklasse

Entscheidender Erfolg des formal wie technisch gleichermaßen anspruchsvollen Einstiegsmodells in die Peugeot-Palette war jedoch die Eroberung der Kompaktklasse, die er auf seinem Heimatmarkt Ende der 1960er Jahre dominierte. Nebenbei übernahm der Produktionsmillionär die Rolle des genialen Impulsgebers für den Wettbewerb, der dem Trend zu Frontantrieb und großem Interieur bei kleinen Exterieurmaßen folgte. Tatsächlich bot bereits der Peugeot 204 seinen Passagieren in der ersten Reihe ähnlich viel Bewegungsfreiheit wie das äußerlich deutliche stattlichere Flaggschiff 404. Ganz besonders schnell handelten übrigens Simca, Renault und Fiat, die mit den Modellen 1100, R12 und 128 in den folgenden vier Jahren Anschluss an die bereits 1960 von Roland Peugeot initiierte 204-Reihe fanden.

Neuer Spritspar-Weltmeister

Lange Zeit scheinbar uneinholbar weit in der Zukunft fuhr dagegen der 1,2-Liter-Aluminium-Diesel im 204, der sensationelle Höchstdrehzahlen von 5.000/min entwickelte. Zunächst gab es den 29 kW/40 PS leistenden Vierzylinder im Break, etwas später auch in der Limousine. Flott waren die Diesel-Käufer damit zwar noch immer nicht unterwegs – von null auf 100 km/h genehmigte sich der Gallier endlose 38 Sekunden – aber billiger als mit jedem anderen Auto, wie die Fachpresse ermittelte. Demnach lagen die Kraftstoffkosten pro 100 Kilometer für einen ausgewachsenen 204 Diesel sogar unter den Benzinkosten für ein winziges Goggomobil 250. Noch in ihrem letzten Produktionsjahr attestierten deutsche Journalisten der 204 Limousine Verbrauchswerte von weniger als vier Liter, was den kleinsten Diesel-Pkw der Welt zum Weltmeister der Spritsparer machte.

Der nun übrigens dank fünf zusätzlicher Pferdestärken auch etwas schneller war. Als der Peugeot 204 Diesel im Jahr 1976 in den Ruhestand ging, fand er seinen ersten Nachahmer und zugleich brillanten Nachfolger im Volkswagen Golf. Der Wolfsburger machte den Selbstzünder nun endgültig gesellschaftsfähig und zum Millionenerfolg.

Allerdings versäumte es Peugeot für seine geniale Kompaktklasse einen Nachfolger zu entwickeln. Der 204 entschwand nach elf Produktionsjahren aus den Preislisten und die treuen Peugeot-Kunden mussten sich fortan entscheiden zwischen dem kleineren Typ 104 oder dem größeren 304. Erst als die Löwenmarke 1982 kurz vor dem finanziellen Kollaps stand – bewirkt durch die Übernahmen von Citroën und die Chrysler-Europa-Marken – korrigierten die Franzosen ihre Modellpolitik: Der Peugeot 205 wurde zum späten Nachfolger des 204 und damit zum Retter des ganzen Konzerns.

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