Opel 60 Jahre Designstudio

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

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Es war das erste seiner Art: 1964 nimmt das „Advanced Studio“ bei Opel seine Arbeit auf. Und es liefert visionäre Studien – vom Experimental GT 1965 bis zum Opel Experimental 2023.

Von innovativ bis angefahren: Das Opel „Advanced Studio“ von Opel hat in 60 Jahren seines Bestehens so manch skurriles Projekt verwirklicht.(Bild:  Opel)
Von innovativ bis angefahren: Das Opel „Advanced Studio“ von Opel hat in 60 Jahren seines Bestehens so manch skurriles Projekt verwirklicht.
(Bild: Opel)

Ob 2024 für Opel ein Jubeljahr sein wird, wird sich zeigen. Auf jeden Fall ist es ein Jubiläumsjahr: Die deutsche Marke produziert seit 125 Jahren Automobile. Dafür, wie ein Automobil auf den ersten Blick Begeisterung wecken kann, ist vor allem das Design verantwortlich. Und hier leistet Opel vor genau 60 Jahren Pionierarbeit: 1964 nimmt mit dem Opel-Designstudio in Rüsselsheim das erste automobile Design-Center seiner Art in Europa die Arbeit auf. In dem Jahr, in dem die olympischen Winterspielen in Innsbruck und die Sommerspiele in Tokio stattfinden. Auch in Rüsselsheim findet eine bedeutende Eröffnungsfeier statt: Gäste betreten zum ersten Mal das neue Designstudio von Opel im Gebäude N10. Für viele von ihnen ist es für lange Zeit auch das letzte Mal, denn nach der feierlichen Eröffnung der futuristisch anmutenden Anlage schließen sich deren Türen wieder für die Öffentlichkeit. Von Juni 1964 an werden hier Formen, Farben und Funktionen der Autos mit dem Blitz entwickelt und festgelegt. „Sie bekommen leichter Zugang zu Fort Knox als ins N10“, so ein Zeitzeuge von damals.

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Die Einweihung des Gebäudes stellt einen Meilenstein europäischer Automobilbaugeschichte dar. Es ist seinerzeit das größte eigene Designstudio eines Herstellers auf dem Kontinent. Zuvor haben die meisten europäischen Automobilhersteller für die Entwicklung neuer Konzeptfahrzeuge häufig externe Spezialisten beauftragt. Norditalien, speziell die Ebene um die piemontesische Hauptstadt Turin, gilt als das Mekka des Automobildesigns. Pietro Frua, Guiseppe „Nuccio“ Bertone oder Pininfarina haben zwischen Alpen und Apennin ihre Karosseriefertigungen eingerichtet und zeichnen für die Gestaltung einer Vielzahl neuer Modelle und Konzepte der Hersteller verantwortlich.

Erstes Konzeptfahrzeug eines europäischen Herstellers

In Rüsselsheim bekommen gleich drei neue Abteilungen ein Zuhause: Das Interieur-Design bestimmt die Formen und Materialien des Innenraums, gestaltet Sitze, Armaturentafeln und Verkleidungen. Die zweite Abteilung beschäftigt sich mit der Karosserie, spielt mit dem Gesicht, der Silhouette, den Proportionen des Autos und gibt so den jeweiligen Modellreihen ihren eigenen Charakter. Ist bereits die Bündelung dieser Arbeiten ein Novum im europäischen Automobilbau, so leistet die dritte Abteilung im N10 ab 1964 schlicht Pionierarbeit. Opel hat zum ersten Mal in Europa ein Team aus Designern zusammengestellt, das künftig abseits vom Tagesgeschäft und der Weiterentwicklung bekannter Baureihen den Blick weit in die Zukunft richten soll. Während anderenorts allenfalls die Linienführung einer neuen Karosserie entwickelt wird, denkt man in Rüsselsheim nun über Formensprache und Emotionen nach. Das Advanced Design widmet seine Arbeiten vornehmlich völlig neuen Konzepten für Automobile – die Ideen für die Mobilität und die Autokunden der Zukunft werden hier entwickelt.

Dazu baut Opel ein eigenes, ins Werk integriertes Designstudio auf. Das erste Projekt dieser Abteilung der Denker und Visionäre steht schon ein Jahr nach dem Beginn der Arbeiten 1965 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main: der unter Leitung des Designteams um Erhard Schnell erdachte Opel Experimental GT, das erste in Europa von einem Hersteller und von Grund auf neu entwickelte Konzeptfahrzeug. Zum ersten Mal hat damit ein ernst zu nehmender Hersteller in Europa ein Fahrzeug entwickelt, das einzig die Möglichkeiten neuer, kreativer Formen aufzeigen soll. Als Serienfahrzeug ist der Experimental GT während seiner Entwicklung zunächst nicht geplant. Doch es kommt anders: Die Begeisterung von Medien und Öffentlichkeit für die Hochleistungsstudie mit der charakteristischen „Coke Bottle Shape“ ist überwältigend. Niemals hätte man von Opel einen derart extravaganten Sportwagen erwartet. Und so wird rasch der Entschluss gefasst, den Opel GT in Serie zu bringen. Nur drei Jahre nach der Initialzündung auf der IAA reift der GT-Prototyp so in Rekordzeit zum Serienauto.

Spannende Studien bis hin zum Opel Experimental

Mit seiner visionären Herangehensweise ist das Opel-Designstudio in den Sechzigerjahren einzigartig in Europa. Schnell entwickelt es sich zu einer europäischen Schule für Automobildesign, die eine magische Anziehungskraft auf die Besten ihres Faches ausstrahlt. Anatole Lapine, Erhard Schnell, George Gallion, Charles M. „Chuck“ Jordan, Herbert Killmer, Chris Bangle, Murat Nasr oder Hideo Kodama, gestalterischer Vater der zweiten Corsa-Generation – die Personalliste der Vergangenheit liest sich wie das Who’ s who des Automobildesigns. Und nicht wenige wählen im Lauf ihrer Karriere den Weg zu anderen Herstellern, nachdem weitere Marken in späteren Jahren eigene Designstudios einrichten. Die Wurzeln vieler Ideen, Formen und gestalterischer Aussagen beim Automobil liegen dabei in Rüsselsheim und gehen bis in die Sechzigerjahre zurück. Die Liste der Designikonen, die im Advanced Designstudio in den vergangenen 60 Jahren entstanden sind, lässt sich an Vielfalt kaum überbieten.

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Auf den Opel Experimental GT folgen in rascher Folge 1969 der Opel CD, ein stromlinienförmiges Coupé mit einer V8-Maschine, 1975 der GT2 mit Schiebetüren oder der aerodynamisch extrem optimierte Tech1; dessen Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,235 stellt Anfang der Achtzigerjahre eine Sensation dar. Erste Hinweise auf die klare und mutige Formensprache des aktuellen Opel-Designs, wofür das Team unter Leitung von Designchef Mark Adams verantwortlich zeichnet, gibt bereits der 2013 vorgestellte Opel Monza Concept. Der GT X Experimental zeigt 2018 als erste Studie den künftigen Opel Vizor – der schon kurz darauf mit dem Opel Mokka seine Premiere in einem Serienmodell feiert und heute als unverwechselbares Markengesicht das Frontdesign des kompletten Opel-Portfolios prägt. In der Innenansicht erstmals zu sehen ist das Pure Panel: Das breite Touchscreen reduziert alle anderen Bedienelemente auf das Wesentliche – so wie es heute in jedem neuen Serien-Opel erlebbar ist.

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