ADAC-Test: Dieselnachrüstung funktioniert

Der Automobilclub hat das BNOX-System von Twintec Baumot getestet. Das Ergebnis: Es reduziert den NOx-Ausstoß eines Euro-5-Dieselmotors um 90 Prozent.

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Kernkomponente des BNOX-Systems von Twintec Baumot ist der Ammoniak-Generator (vorn).
Kernkomponente des BNOX-Systems von Twintec Baumot ist der Ammoniak-Generator (vorn).
(Bild: Twintec Baumot)

Der Abgastechnikspezialist Twintec Baumot hat sein BNOX-System, mit dem ältere Diesel die Grenzwerte der aktuellen Euro-6-Norm unterschreiten sollen, vom ADAC testen lassen. Das Ergebnis bestätigt die Angaben des Herstellers: Das nachgerüstete SCR-System senkt die Stickoxid-Emissionen deutlich. Im ADAC-Ecotest wurde am Twintec-Prototyp ein durchschnittlicher NOx-Ausstoß von 50 Milligramm pro Kilometer ermittelt – das liegt unter dem Euro-6-Grenzwert von 80 mg/km. Damit verringert das System im betriebswarmen Zustand die Emission je nach Fahrzyklus um 95 bis 99 Prozent. Lediglich beim Kaltstart verfehlt BNOX die Euro-6-Grenzwerte, doch durch die besondere Konstruktion mit einem separaten Ammoniak-Generator samt elektrisch beheiztem Katalysator soll das Gerät schon nach 60 bis 90 Sekunden seine volle Leistungsfähigkeit erreichen.

Kraftstoffverbrauch steigt um fünf Prozent

Das BNOX-System braucht mit dem zusätzlichen Ammoniak-Generator viel Platz.
Das BNOX-System braucht mit dem zusätzlichen Ammoniak-Generator viel Platz.
(Bild: Martin Ruhdorfer/ADAC e.V.)

Allerdings steigert der Energiebedarf des Heizsystems den Kraftstoffverbrauch. Der ADAC ermittelte einen durchschnittlichen Mehrverbrauch von rund fünf Prozent. Im Testzyklus WLTC bedeutete das einen Anstieg von 4,86 auf 5,16 Liter je 100 Kilometer. Hinzu kommt ein durchschnittlicher Adblue-Verbrauch von knapp zwei Litern auf 1.000 Kilometer.

Als Testfahrzeug diente ein VW Passat TDI 1.6 (Baureihe B7), der von Twintec Baumot selbst aufgebaut wurde. Dabei benutzte das Unternehmen überwiegend serienmäßige Einzelteile. Katalysatoren und Partikelfilter sind Originalteile von VW, das Adblue-Dosiersystem stammt von Bosch, Sensoren von Continental. Das System soll laut Twintec Baumot rund 1.500 Euro kosten – hinzu kommen die Einbaukosten, und die könnten angesichts der komplexen Konstruktion beträchtlich sein.

Ammoniak-Austritt muss vermieden werden

Ein weiteres Fragezeichen resultiert aus der fehlenden Zusammenarbeit zwischen der originalen Motorsteuerung und dem BNOX-Steuergerät. Da die Autohersteller keinen Zugang zu ihren Motordaten ermöglichen, arbeitet das SCR-System autark und berechnet die Ammoniak-Einspritzmenge ausschließlich nach den Werten der NOx-Sensoren. Der Betriebszustand des Motors und des Abgassystems – beispielsweise die DPF-Regeneration – kann nicht berücksichtigt werden. Twintec Baumot ist sich sicher, einen möglichen Austritt des übelriechenden und ätzenden Ammoniakgases durch einen Sperrkatalysator verhindern zu können. Mangels DPF-Regeneration während der Tests konnte der ADAC dies aber nicht überprüfen.

Eine möglichen Serienproduktion des BNOX-Systems ist von politischen Weichenstellungen abhängig. Angesichts der hohen Kosten dürften sich Autofahrer nur dann für eine Nachrüstung entscheiden, wenn es eine staatliche Förderung gibt – ähnlich wie beim Partikelfilter. Das ist aber noch nicht abzusehen, zumal die Autohersteller das Emissionsproblem ihrer Diesel eher mit Software-Updates lösen wollen. Die sind viel billiger, aber bei Weitem nicht so effektiv: Die NOx-Emission lässt sich dadurch nur um 30 bis 60 Prozent senken, bei gleichzeitig steigender Partikelproduktion.

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