ADAC-Test: Nur zwei Notbremsassistenten überzeugen

Autor Jens Rehberg

Lediglich zwei von sechs aktuell vom ADAC getesteten Systemen können Unfälle mit querenden Fußgängern bei Tag aus höheren Stadt-Geschwindigkeiten heraus vermeiden.

ADAC-Test: Erkennt das System den Fußgänger?
ADAC-Test: Erkennt das System den Fußgänger?
(Bild: ADAC / Uwe Rattay)

Lediglich die Notbremsassistenten von Audi und Subaru haben die ADAC-Testingenieure im Rahmen einer aktuellen Untersuchung überzeugt. Laut einer Pressemitteilung des Autofahrer-Clubs vom Mittwoch ist ein weiteres Ergebnis der Tests, dass die Anzahl der verbauten Sensoren nichts über die Leistung der automatischen Notbremsung aussagt. Zudem lieferten ähnliche Sensoren in verschiedenen Modellen und Fabrikaten völlig unterschiedliche Ergebnisse.

Konkret hatte der ADAC Notbremsassistenten mit Fußgänger- und Radfahrererkennungssystemen in Mittelklassefahrzeugen untersucht. Auf den Prüfstand kamen Systeme von Audi, Subaru, Kia, Mercedes, Volvo und BMW.

Der ADAC möchte ausdrücklich keine Noten vergeben, stattdessen wird der Erfüllungsgrad in Prozent in den einzelnen Szenarien dargestellt. 100% heißen, dass die Disziplin fehlerfrei gemeistert wurde – der Dummy wurde nicht berührt. 0% heißen, Fußgänger oder Radfahrer wären ohne Geschwindigkeitsverringerung überfahren worden, das System hat die Gefahrensituation schlichtweg nicht erkannt. Zum Vergrößern der Detailergebnisse bitte klicken.
Der ADAC möchte ausdrücklich keine Noten vergeben, stattdessen wird der Erfüllungsgrad in Prozent in den einzelnen Szenarien dargestellt. 100% heißen, dass die Disziplin fehlerfrei gemeistert wurde – der Dummy wurde nicht berührt. 0% heißen, Fußgänger oder Radfahrer wären ohne Geschwindigkeitsverringerung überfahren worden, das System hat die Gefahrensituation schlichtweg nicht erkannt. Zum Vergrößern der Detailergebnisse bitte klicken.
(Grafik: ADAC)

Das Ergebnis: Die Systeme von Audi und Subaru können Unfälle mit Fußgängern bei Tag bei Geschwindigkeiten, die im innerstädtischen Bereich gefahren werden, verhindern. Das Stereo-Kamerasystem von Subaru überraschte die Tester außerdem mit guten Ergebnissen auch bei Dunkelheit. Da sich rund 60 Prozent der tödlichen Fußgängerunfälle bei Nacht ereignen, ist eine gute Leistung in diesem Einsatzbereich besonders wichtig. Sogar bei absoluter Dunkelheit konnte der Subaru einen Aufprall (Erwachsenen-Dummy) bis 45 km/h vermeiden.

Audi verbaut sein System zur Fußgängererkennung als einziger Hersteller serienmäßig. Der Assistent meistert das schwierige Szenario, ein etwa durch parkende Autos zum Teil verdecktes Kind zu erkennen, das dann auf die Straße rennt. Das Erkennen von Radfahrern stellt allerdings für alle untersuchten Hersteller noch ein Problem dar. Der Audi A4 kann zumindest den Crash mit einem sehr langsam fahrenden Radfahrer (8 km/h) verhindern.

Die automatische Notbremsfunktion von Kia agiert am Tag solide. Einen Zusammenstoß mit einem Erwachsenen vermeidet der Bremsassistent bei einer Geschwindigkeit bis 45 km/h. In der Nacht reagiert das System eingeschränkt.

Volvo enttäuscht: Das System hat Probleme, den Dummy mit sich bewegenden Beinen zu erkennen. Eine Warnung erfolgt zwar, die Bremsung bleibt aber aus. Im Test mit einem statischen Dummy reagiert das System besser. Nachts schaltet der Assistent ab. Auf der Volvo-Website wirbt der Konzern damit, auch Radfahrer zu erkennen. Im ADAC-Test reagierte der V60 allerdings nicht auf den querenden Radfahrer-Dummy.

Mercedes hat eine akzeptable Notbremslösung auf dem Markt, die den Radfahrer zumindest erkennt. Aus bis 30 km/h wird der Unfall mit einem Erwachsenen vermieden, aus bis 25 km/h mit einem „verdeckten Kind“.

Der Assistent von BMW schaltet nachts ab. Der Notbremsassistent warnt nur und bremst leicht an. Er lässt sich außerdem mit einem Knopfdruck leicht deaktivieren und zeigt die Abschaltung nicht deutlich an. Und: Nach einem Neustart des Autos bleibt der Assistent ausgeschaltet. Alle anderen geprüften Systeme sind nach einem Neustart wieder aktiv.

Nach Angaben des ADAC sind etwa 30 Prozent der in Deutschland getöteten Verkehrsteilnehmer Fußgänger oder Radfahrer.

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