Regelmäßige Tests ADAC warnt dringend vor zwei Kindersitzen

Von Andreas Grimm 4 min Lesedauer

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Das Thema Kindersitze liegt dem Autofahrerclub traditionell am Herzen. Regelmäßig werden deshalb die Produkte untersucht. Während des aktuell noch laufenden Testzyklus ist den Experten nun in zwei Fällen Angst und Bange geworden. Tipps für den Gebrauchtsitz-Kauf gibt es aber auch.

Der Autokindersitz von Reecle im ADAC-Test: Echte Sicherheit für die kleinen Mitfahrer sieht anders aus.(Bild:  ADAC)
Der Autokindersitz von Reecle im ADAC-Test: Echte Sicherheit für die kleinen Mitfahrer sieht anders aus.
(Bild: ADAC)

Noch aus der Prüfungsphase des aktuell laufenden ADAC-Kindersitztests heraus haben die Experten Alarm geschlagen. Zwei Produkte hätten so schlecht abgeschnitten, dass man mit der Warnung nicht bis zur Veröffentlichung der Gesamtergebnisse warten wollte. Namentlich stehen der Chipolino Olympus i-Size und der Reecle 360 (auch als „ZA10 i-Size“ bzw. „946i i-Size“ zu finden) in der Kritik. Beides sind Kindersitze, die für die gesamte Dauer der Kindersitzpflicht zugelassen sind.

Der Grund bei beiden Produkten: Entgegen der Fahrtrichtung montiert, hätten die Sitze im Frontalaufprall-Test versagt. Der Reecle löste sich beim Crash aus der Basisstation, schleuderte umher und wurde nur noch vom quer verlaufenden Zusatzgurt gehalten. Der Chipolino riss ebenfalls aus der Basisstation und flog ungehindert durch den Fahrgastraum. In beiden Fällen könnten die darin angeschnallten Kinder schwere Verletzungen erleiden, meldet der ADAC und rät deshalb dringend von diesen Kindersitzen ab. Die vollständigen Ergebnisse aus dem ADAC-Kindersitztest werden am 21. Oktober veröffentlicht.

Bei der Montage in Fahrtrichtung hielten die betroffenen Modelle dem Aufprall zwar stand, da Kinder bis 15 Monate aber laut Gesetzgeber entgegen der Fahrtrichtung transportiert werden müssen, sind die Kindersitze nicht für diesen Zweck geeignet. Der ADAC empfiehlt aus Sicherheitsgründen, dass alle Kinder bis zwei Jahre entgegen der Fahrtrichtung im Kindersitz angeschnallt werden sollten. „Die zahlreichen Ergebnisse aus unseren Kindersitztests haben ergeben, dass sich so das Risiko von schweren Verletzungen teils erheblich reduzieren lässt“, betont der Automobilclub.

Gesetzliche Normen sind erfüllt

Laut dem Club wurden die Hersteller mit den Ergebnissen konfrontiert. Chipolino erklärte, der Olympus i-Size sei inzwischen ausverkauft. Reecle meldete sich bislang nicht zurück. An die Käufer appelliert der ADAC, die genannten Produkte nicht zu verwenden, die Händler werden um eine Rücknahme auf Kulanz gebeten. Denn: Ein genereller Anspruch auf Rücknahme besteht nicht, da die Sitze die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Diese sind niedriger als die Ansprüche der ADAC-Tester.

Die Testreihen des Clubs orientieren sich an den EuroNCAP-Crashtests. Zuletzt hatten die Ergebnisse gezeigt, dass die meisten Produkte diesen höheren Anforderungen gerecht werden. Im Frühjahrestest hatte der ADAC bereits 20 Kindersitze auf Herz und Nieren geprüft. Dabei zeigte sich: Top-Ergebnisse in Sachen Sicherheit gibt es durchaus auch bei Modellen unter 300 Euro. Allerdings versteckt sich auch reichlich Mittelmaß hinter hohen Preisen.

Ergebnisse des Frühjahrstests

Bei den Babyschalen gab es mit den Modelles „Joie Sprint“ (215 Euro) und „Maxi-Cosi Pebble S“ in Kombination mit der Basisstation „FamilyFix S“ (330 Euro) zwei Testsieger, beide mit der Note 1,8. Unter den Kleinkindersitzen überzeugte der 720 Euro teure „Thule Elm RWF + Alfi Base“ mit der Gesamtnote 2,2 die Tester am meisten. Die beste Bewertung bei den Sitzen für größere Kinder ab etwa 4 Jahren erreichten der „Cybex Solution G2“ (200 Euro) und der „Recaro Axion 1“ (280 Euro) mit der Gesamtnote 2,1 das beste Ergebnis.

Schlechtestes Modell im Frühjahrstest mit der Note „ausreichen“ war der „Lionelo Braam i-Size“ für 260 Euro. Er deckt laut ADAC zwar den gesamten Bereich der Kindersitzpflicht ab und kann so zur Sicherung von Kindern von 40 cm bis 150 cm Körpergröße genutzt werden, erzielte allerdings in der Testkategorie Sicherheit mäßige Werte. Die beste Bewertung für den Punkt Sicherheit erhielt der mit einem Airbag ausgestattete „Cybex Anoris T2 i-Size“ für 750 Euro. Allerdings ließen sich im Bezug Umweltschadstoffe nachweisen; der Hersteller hat die Produktion nach Angaben des Automobilclubs bereits umgestellt.

Der ADAC betont die Wichtigkeit einer gründlichen Vorbereitung vor dem Kauf. Denn nicht jeder Sitz passt zu jedem Auto – die Experten raten daher, sich vorab genau zu informieren. „Es gibt inzwischen unterschiedlichste Systeme, die unter Umständen nur für bestimmte Pkw freigegeben sind“, erklärt der Club. Um sicherzustellen, dass der Kindersitz perfekt in den Wagen integriert werden kann, empfiehlt der ADAC, sich in einem Fachgeschäft beraten zu lassen – am besten zusammen mit dem eigenen Auto und Kind.

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Genau hinsehen bei gebrauchten Exemplaren

Weil ein neuer Kindersitz eben auch mal mehrere hundert Euro kosten kann und nur für einen begrenzten Zeitraum genutzt wird, liebäugeln viele Eltern, ein gebrauchtes Produkt zu kaufen. Das ist in der Regel erheblich billiger, kann aber auch Risiken bergen. Verbraucher könnten schnell erkennen, ob ein gebrauchter Kindersitz noch sicher ist, heißt es dazu vom ADAC. Dessen Fachleute weisen in diesem Zusammenhang auf die wichtigsten Punkte hin.

  • Vor dem Kauf sollten Eltern einige Grundinformationen überprüfen: Wie alt ist der Sitz und wie ist der allgemeine Zustand? Wird ein Sitz gut gepflegt, ist er oft nach vielen Jahren noch bedenkenlos nutzbar. Meist geben Hersteller in der Bedienungsanleitung eine maximale Nutzungsdauer an.
  • Kindersitze, die in einen Unfall verwickelt waren oder auf den Boden gefallen sind, sollten hingegen keinesfalls gekauft werden - hier besteht ein großes Sicherheitsrisiko. Auch kleine, fast unsichtbare Beschädigungen können dafür sorgen, dass sich der Sitz bei einem Unfall löst, was im schlimmsten Fall lebensgefährlich sein kann.
  • Ein weiteres Augenmerk gilt den Bezugsstoffen und den Gurtpolstern. Auch diese gehören zum sicherheitsrelevanten Material an einem Kindersitz, denn sie gewährleisten bei einem Unfall, dass das Kind richtig zurückgehalten wird. Einfache Verschmutzungen können problemlos ausgewaschen werden. Risse oder Löcher sollten aber nicht vorhanden sein. Laut Gesetzgeber dürfen Kindersitze nur mit dem originalen Sitzbezug des Herstellers genutzt werden.
  • Eltern können beim Kauf eines gebrauchten Kindersitzes auf einige Mängel achten, die besonders häufig auftauchen: Brüche, kleine Risse oder Verformungen in der Kunststoffschale können von einem früheren Unfall stammen und sind ein Ausschlusskriterium. Die Gurte dürfen keine Risse, Quetschspuren oder Ausfaserungen an den Rändern aufweisen, zudem muss das Schloss problemlos einrasten und sich wieder öffnen lassen.

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