ADAC-Werkstatttest: Freie am Pranger

Autor Jens Rehberg

Der Autofahrer-Club nennt das Resultat seines jüngsten Tests „schockierend“. Offenbar haben zahlreiche Mechaniker geschludert. Allerdings nicht an der Bremse, sondern an der Kofferraumleuchte.

(Foto: Rubbel)

28 von 36 aktuell getesteten Freien Kfz-Betrieben haben vom ADAC die Bewertung „mangelhaft“ erhalten. Der Club nennt die Ergebnisse seiner Untersuchung in einer aktuellen Presseerklärung „schockierend“. Dabei geht es wie immer nicht um übersehene Mängel an Lenkung oder Bremsen, sondern um ausgehängte Kabel, defekte Kofferraumleuchten und abgelaufene Pannensets. Die dramatisch klingende „Durchfallquote“ von 78 Prozent kommt auch deswegen zustande, weil der ADAC die außerdem getesteten 27 Bosch-, Meisterhaft- und 1A-Autoservice-Betriebe mit 9 ATU-Filialen in einen Topf wirft und gesondert wertet. Bei diesen „Werkstatt-Ketten-Betrieben“ hätte die Durchfallquote bei 47 Prozent gelegen.

Der ADAC resümiert, viele Betriebe arbeiteten die Inspektionsliste nicht sorgfältig ab, Nachholbedarf gebe es zudem beim Kundenservice. Werkstatttestleiter Ronald Scheithauer sagte außerdem auf Anfrage von »kfz-betrieb«, es habe sich herausgestellt, dass die Freien in Summe mit ihren Stundenverrechnungssätzen nicht mehr weit weg seien von den Arbeitszeitpreisen der Vertragswerkstätten. Getestet worden war in München, Hamburg und Frankfurt am Main. In der Dokumentation des Clubs finden sich allerdings nur bei 12 der 72 Betriebe Stundenverrechnungssätze, die 90 Euro oder mehr betragen. Das deckt sich mit den Ergebnissen der jüngsten repräsentativen „Trend-Tacho“-Befragung von »kfz-betrieb« und KÜS, wonach 82 Prozent der befragten Autofahrer die Wartungs- und Reparaturarbeiten bei Freien als günstiger einstuften als bei den Vertragswerkstätten.

Die meisten Freien Werkstätten hätten im Rahmen der Untersuchung keine Dialogannahme durchgeführt und bei der Auftragsannahme auch keine weiteren Auskünfte bei den Testkunden eingeholt, so Ronald Scheithauer weiter.

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) bezeichnete die Ergebnisse des ADAC-Tests in einer ersten Stellungnahme als „unbefriedigend und in dieser Form nicht zu erwarten.“ Im Hinblick auf die im Test präparierten Mängel sagte der Verbandssprecher: „Ohne das beschönigen zu wollen: Wenn die Testfahrzeuge mit wirklich kapitalen Mängeln an Bremsen, Lenkung und Fahrwerk präpariert worden wären, dann hätte es garantiert lauter Bestnoten gegeben.“ Zudem spiele bei einer Stichprobe von 72 Betrieben aus über 20.000 Freien Werkstätten in Deutschland auch immer der Zufall eine Rolle.

Das Abschneiden der Freien im Detail – zum Vergrößern bitte klicken.
Das Abschneiden der Freien im Detail – zum Vergrößern bitte klicken.
(Grafik: ADAC)

Das Image der Freien Werkstätten bei den deutschen Autofahrern ist derzeit ausgesprochen gut. Laut „Trend-Tacho“ schreiben 71 Prozent den Freien bei Wartungs- und Reparaturarbeiten die gleiche Kompetenz zu wie den markengebundenen Betrieben. 14 Prozent sagen sogar, die Freien seien kompetenter.

Riegelhof Karosseriebau war spitze

Die Note „sehr gut“ erhielten bei dem aktuellen ADAC-Test allerdings nur 6 von 72 Werkstätten. Von den Freien schnitt Riegelhof Karosseriebau in Frankfurt am Main (95 von 100 Punkten) am besten ab. Fehlerfrei in Bezug auf die präparierten Mängel blieben außerdem die drei Hamburger Betriebe Timmann Autoreparatur (79), Autodock (78) und Auto Stern (75).

Testgewinner bei den „Ketten“ ist der ATU-Betrieb in Hamburg, Heidhorst 3, (98 Punkte). Auch insgesamt gab ATU bei diesem Test ein gutes Bild ab – sieben von neun besuchten Betrieben wurden vom ADAC mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet. Einen Ausreißer nach unten stellt lediglich die Filiale in Norderstedt bei Hamburg mit 55 erreichten Punkten und einem „ausreichend“ dar. Preislich lagen die ATU-Betriebe zumindest bei den Stundenverrechnungssätzen mit 52,85 Euro deutlich unter allen anderen besuchten Werkstätten.

Licht und Schatten gibt es bei den getesteten Bosch-Service-Betrieben: Fünf erreichten ein „gut“ oder „sehr gut“ – darunter Auto Dennemarck in Unterschleißheim bei München mit 98 Punkten. Es fielen aber auch drei Bosch-Betriebe mit „mangelhaft“ durch.

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