Neuzulassungen Alarmstimmung am Neuwagenmarkt

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Das erste Halbjahr hat mit einem dicken Minus an Pkw-Neuzulassungen geendet. Dafür gibt es zwar zum einen eine statistische Erklärung, der Gesamtbefund für die Branche fällt allerdings kritisch aus.

Der Neuwagenmarkt hat im ersten Halbjahr weiter an Schwung eingebüßt, der Juni brachte sogar einen deutlichen Einbruch.(Bild:  Grimm – VCG)
Der Neuwagenmarkt hat im ersten Halbjahr weiter an Schwung eingebüßt, der Juni brachte sogar einen deutlichen Einbruch.
(Bild: Grimm – VCG)

Der Neuwagenmarkt ist im Juni in die Knie gegangen. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Donnerstag (3. Juli), mitteilte, wurden im vergangenen Monat nur 256.193 Pkw neu zugelassen. Das ist ein Rückgang im Vergleich zum Wert des Vorjahresmonats um 13,8 Prozent. Damit ist der Absatz an einem neuen Tiefpunkt angelangt. In den letzten 20 Jahren waren die Zahlen nur im Corona-Jahr 2020 noch schlechter (221.000 Einheiten).

Zu beachten ist allerdings, dass der Juni-Wert des Vorjahres von einem Sondereffekt profitierte, weil der Start einer neuen EU-Typgenehmigungsverordnung im Juli 2024 zu vorgezogenen Neuzulassungen und einem relativ hohen Zulassungsstand geführt hatte. So oder so: Der Importeursverband VDIK spricht von „einem alarmierenden Markt im Juni“. Eine fundamentale Besserung ist zudem nicht in Sicht, da der Auftragseingang aus dem Inland nach Angaben des Herstellerverbands VDA im Juni zum wiederholten Mal sank (- 8 Prozent).

Das bescheidene Juni-Ergebnis zieht zugleich die Halbjahresbilanz tief in die roten Zahlen. Nach sechs Monaten kamen in Deutschland 1,403 Millionen Neuwagen auf die Straßen. Das waren 4,7 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres, als der Neuwagenmarkt allerdings auf einem leichten Erholungskurs war. Zum damaligen Halbjahresergebnis fehlen der Branche knapp 70.000 Einheiten. Verglichen mit dem ersten Halbjahr des letzten Vor-Corona-Jahres liegen die Neuregistrierungen von Pkw sogar um 24 Prozent oder rund 446.200 Einheiten unterhalb des damaligen Volumens.

Vor dem Hintergrund der schwachen Neuwagenkonjunktur kritisieren VDIK und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die zögerliche Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Diese habe Chancen zur Förderung der Elektromobilität verspielt: „Zunächst die Ausweitung des Innovationsboosters auf gewerblich genutzte und geleaste Fahrzeuge und nun die Entscheidung, die geplante Senkung der Stromsteuer für Verbraucher nicht wie angekündigt umzusetzen“, heißt es vom VDIK.

Notwendige Impulse für den Privatmarkt

Insbesondere benötige der Privatmarkt starke Impulse für mehr Wachstum, sagte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. „Nur so lassen sich die CO2-Ziele erreichen. Wir brauchen dringend günstigere Ladestrompreise“, ergänzte er. Die Senkung der Netzentgelte ab 1. Januar 2026 sei für die Elektromobilität nur ein zaghaftes, aber immerhin positives Signal.

Eine Analyse der Zulassungszahlen zeigt, dass der steigende Absatz von Elektro- und Plug-in-Hybridmodellen den Neuwagenmarkt im ersten Halbjahr nachhaltig gestützt hat. In den ersten sechs Monaten des Jahres kamen 248.726 BEV auf die Straßen – ein Plus von 35,1 Prozent bei einem erreichten Marktanteil von 17,7 Prozent. Dazu kamen 138.905 Plug-in-Hybride (+ 55,1 %) bei einem Marktanteil von 9,9 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen.

In der Gesamtschau spricht auch Marktbeobachter Constantin Gall von der Unternehmensberatung EY von einer „sehr angespannten Situation auf dem deutschen Neuwagenmarkt“, da die Nachfrage weiterhin schwach sei und bleibe. „Das liegt an der anhaltenden Wirtschaftsflaute, die zu Investitionszurückhaltung bei den Unternehmen und Arbeitsplatzsorgen bei den Verbrauchern führt. Auch die hohen Neuwagenpreise, die nicht zuletzt ein Ergebnis zunehmender Regulierung sind, spielen eine Rolle“, sagte der Leiter Mobility bei EY für die Region Westeuropa in einem Statement.

Seine Aussichten auf das zweite Halbjahr sind vor diesem Hintergrund fast positiv zu nennen. Gall rechnet für das Gesamtjahr 2025 mit einem Absatzniveau etwa auf dem niedrigen Vorjahresniveau, bei einem bislang aufgelaufenen fast fünfprozentigen Minus. Doch „mit einem Aufschwung auf dem Neuwagenmarkt ist vorerst nicht zu rechnen – weder in Deutschland noch in Europa.“

Gewinner und Verlierer im 1. Halbjahr

Die allgemeine Neuzulassungsentwicklung kommt bei den Fabrikaten unterschiedlich an. Größter Verlierer ist – trotz des Elektroaufschwungs – nach sechs Monaten der US-Autobauer Tesla, dessen Absatz sich auf 8.890 Einheiten mehr als halbierte (-58,2 %). Aber auch die klassischen Fabrikate Mitsubishi (-24,7 %), Porsche (-24,5 %), Fiat (-21,1%) und Citroën (-20,9 %) mussten im ersten Jahresteil kräftig Federn lassen.

Auf der anderen Seite der Zulassungsstatistik stehen einige Newcomer ganz oben. BYD hat nach sechs Monaten 6.323 Neuzulassungen erreicht und sich damit knapp 0,5 Prozent Marktanteil erobert – oder auch erkauft, da viele Erstzulassungen über Eigenzulassungen oder Vermieter in den Markt kamen. Auch Great Wall (1.954 Einheiten / +42 %), Xpeng (1.065/+3.335 %) und Lynk & Co (485 / +1.112%) konnten auf niedrigem Niveau punkten.

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Zu den Gewinnermarken mit einem relevanten Marktanteil (ab 0,5 Prozent) gehören zuvorderst Renault (+8,5 %), Jeep (+6,5 %), Nissan und Skoda (beide +4,6 %).

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