Seat Als das „Bällchen“ leise adios sagte

Von Steffen Dominsky 2 min Lesedauer

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Als Käfer der Spanier genießt der Seat 600 auf der iberischen Halbinsel Kultstatus. Vor einem halben Jahrhundert endete die Produktion des in Lizenz gefertigten Wagens aus Italien.

Was für den Deutschen der VW Käfer war, war der Seat 600 für den Spanier: ein echter (Er-)Volkswagen.(Bild:  Seat)
Was für den Deutschen der VW Käfer war, war der Seat 600 für den Spanier: ein echter (Er-)Volkswagen.
(Bild: Seat)

Wenn ein Seat 600 durch Barcelona fährt, dann bleiben nicht wenige Menschen für einen Moment am Straßenrand stehen, lächeln versonnen oder winken fröhlich hinterher. „Pelotilla“ – zu Deutsch „Bällchen“ – nennen die Spanier ihren kugeligen Volkshelden, der ihnen ab 1957 automobile Freiheit brachte und dem Land den Weg in die automobile Neuzeit ebnete. Vor 50 Jahren lief der 600 in der Zona Franca in Barcelona vom Band. 1957 hatte ihn die Sociedad Española de Automóviles de Turismo, S.A. („Spanische Gesellschaft für Tourenwagen“) auf Basis des Fiat 600 als zweites Modell der Marke präsentiert.

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Die Markteinführung fiel in eine Zeit, in der viele Menschen in Spanien noch ohne Auto auskommen mussten und oft nur über ein Moped, Motorrad, Kleinstwagen oder gar nur einen Eselkarren zur Fortbewegung verfügten. Auf 1.000 Einwohner kamen damals gerade einmal rund drei Autos. Mit dem 600er bot die Marke nun erstmals ein kompaktes und massentaugliches Auto in Spanien an. 65.000 Peseten kostete das Modell zu Beginn, was seinerzeit immerhin 3,5 spanischen Jahresdurchschnittsgehältern entsprach. Dennoch war der Wagen ab Marktstart ein Erfolg. Bereits 1958 verbuchte Seat rund 100.000 Vorbestellungen für ein Wägelchen, das anfänglich einen lediglich 21,5 PS (nach heutigen DIN-Maßstäben 18 PS) starken Vierzylinder-Heckmotor mit 633 Kubik hatte. Das reichte für 95 km/h. Durch sein geringes Leergewicht von nur 580 Kilogramm war der Lenker/die Lenkerin dennoch vergleichsweise flott unterwegs.

Keine Zahlen wie der VW Käfer, aber dennoch ein großer Erfolg

Die Spanier und Spanierinnen nutzten die gewonnene Mobilität für Wochenendausflüge oder die Fahrt in den Urlaub mit der ganzen Familie. Denn trotz der geringen Abmessungen von rund 3,33 Metern in der Länge und 1,38 Metern in der Breite bot das Bällchen durch die selbsttragende Karosserie viel Platz im Innenraum. Seat entwickelte auf Basis des 600 über die Jahre immer neue Konzepte – darunter eine Transportervariante und das viertürige Modell 800. Letzteres blieb mit rund 18.000 Exemplaren aber eher eine Randerscheinung und gehört heute zu den seltenen und gesuchten Derivaten des 600. Doch vom Ursprungsmodell selbst sind heute noch viele gut erhaltene Exemplare auf den spanischen Straßen unterwegs.

2017 lud der Autobauer zum 60. Geburtstag des Modells zum Weltrekordversuch auf den Circuit de Barcelona-Catalunya ein. Es wurde mit 787 Fahrzeugen das größte Seat-600-Treffen der Markengeschichte. Über die 16-jährige Bauzeit erhielt das Modell immer wieder kleine Änderungen und Verbesserungen. 1963 bekam es einen 767-Kubik-Motor mit 25 PS, die Version 600 L Special von 1972 verfügte dann über 28 PS. Ab 1970 sorgten „normale“ statt der „Selbstmördertüren“ beim 600 E für ein angenehmeres Ein- und Aussteigen. Bis zur Einstellung der Produktion erfreute sich Spaniens Volkswagen hoher Beliebtheit. Noch 1972, also im Jahr vor Produktionsende, lieferte das Werk in Barcelona fast 70.000 Fahrzeuge aus. Insgesamt verließen von 1957 bis 1973 rund 800.000 Fahrzeuge die Fertigungshallen.  

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