Die Lastwagenbaureihe 304 markierte bei Mercedes-Benz auch den Wechsel vom klassischen Haubenlastwagen der schweren Klasse zum Schwerlastwagen in Frontlenkerbauweise. Diese Konzeption machte das Nutzfahrzeug erheblich kompakter – bei gleichem Transportraum. Zum Vergleich: Ein L 6600 (ab Herbst 1954 wurde er als L 315 bezeichnet) mit 6.000 Millimetern Pritschenlänge hat eine Gesamtlänge von 9.280 Millimetern. Demgegenüber hatte die ab Mai 1954 zunächst nur für die Exportmärkte produzierte und ab 1955 für den deutschen Markt gebaute Frontlenkerausführung LP 315 bei derselben Pritschenlänge eine Gesamtlänge von nur 8.450 Millimetern und ist entsprechend wendiger.
In der Bezeichnung LP für den Frontlenker steht das P für „Pullman“, abgeleitet vom für damalige Verhältnisse besonders komfortabel gestalteten Fahrerhaus mit Schlafplätzen für zwei Personen. Dieses Fahrerhaus stellte das Unternehmen Gebrüder Wackenhut GmbH, Karosserie- und Fahrzeugfabrik in Nagold, her und lieferte es zur Endmontage nach Gaggenau. Dazu meldete „Das Nutzfahrzeug“ in Heft 1/1956: „Etwas Besonderes ist das Fahrerhaus des LP 315, das die Bezeichnung ‚Pullman‘-Ausführung berechtigt erscheinen lässt. Auf zwei Sitzreihen (allerdings bei alleinstehendem Fahrersitz) können bis 5 Personen Platz finden. Die rückwärtige Sitzbank lässt sich in zwei übereinanderliegende Schlafstellen verwandeln. Der Fahrersitz ist in jeder Richtung verstellbar. Trotzdem der Motor ausgesprochen laufruhig ist, wurde durch zusätzliche Schallisolierung noch ein übriges getan.“
Gerade im Fernverkehr überzeugte der LP 315 die Kunden von Beginn an. Das Kürzel LP verwendete Mercedes-Benz viele Jahre lang in der Typbezeichnung von Frontlenkerlastwagen. In der Baureihe 304 wurden diese Ausführungen auch wegen der gesetzlichen Vorschriften für begrenzte Lastzuglängen in der Bundesrepublik Deutschland stark nachgefragt. So spielten die schweren Lastwagen dieser Generation eine entscheidende Rolle bei der Evolution der Haubenfahrzeuge zu Frontlenkern.
Große Typenvielfalt für nahezu jede Anwendung
Die Baureihe 304 bot während der Produktionszeit des L 6600/L 315 eine große Vielfalt verschiedener Konfigurationen und Fahrzeugtypen mit Pritschenwagen, Kippern, Sattelschleppern und Sonderfahrzeugen – mit verschiedenen Radständen und viele davon auf Wunsch auch mit Allradantrieb. Der Wechsel der Typbezeichnung erfolgte im Jahr 1954 und steht für ein neues System: Bisher orientierte sich die Bezeichnung der Typen an ihrer Nutzlast – beim L 6600 also an den 6,6 Tonnen. Nun wurde das Kürzel von der internen Baureihenbezeichnung abgeleitet. Bei den Schwerlastwagen geschah das jedoch nicht; sie hießen ab Herbst 1954 nämlich nicht L 304, sondern L 315 – die Ziffernkombination bezog sich also auf den Motor.
Die Haubenlastwagen waren als Pritschenwagen (L 6600/L 315), Kipper (L 6600 K/LK 315) und Sattelzugmaschinen (L 6600 Sa/LS 315 – ausschließlich für den Export) sowie in den Allradversionen LA 315, LAK 315 und LA 6600 Sa/LAS 315 erhältlich. Dazu kam der Militärlastwagen LG 315, der vor allem an die deutsche Bundeswehr geliefert wurde. Die Frontlenkerlastwagen der Baureihe 304 bot Mercedes-Benz als Pritschenwagen LP 315, Kipper LPK 315 und Sattelschlepper LPS 315 ebenfalls mit verschiedenen Radständen an. Von dieser Generation der Schwerlastwagen liefen 13.735 Fahrzeuge als klassische Hauber mit Hinterachsantrieb (1950 bis 1958) vom Band, 1.264 Allradversionen (1954 bis 1957), 2.480 Frontlenker (1954 bis 1957) sowie 8.283 Militärlastwagen (1956 bis 1964) – in der Summe 25.762 Fahrzeuge.
Ein Omnibus für Reise und Linienverkehre
Zur Baureihe 304 gehörten auch die O-6600-Omnibusse. Dieser Typ entstand, als die formschönen neuen Buskarosserien der späten Vierzigerjahre (O 5000) mit dem Antriebsstrang und dem Sechsganggetriebe des neuen Schwerlastwagens L 6600 kombiniert wurden. Der O 6600 wurde ab Werk als Stadtomnibus (zwei Schiebetüren, 27 oder 29 Sitze und jeweils 14 Stehplätze im Innenraum sowie auf dem hinteren Perron), Überlandomnibus (Klapp- oder Schiebetüren auf der rechten Fahrzeugseite, je nach Anzahl der Sitzreihen 37 oder 41 Fahrgastsitze sowie auf Wunsch 8 oder 9 Klappsitze im Mittelgang und ein zweisitziger Klappsitz neben dem Fahrer) und als Allwetterreiseomnibus (zusätzlich mit Webasto-Schiebedach und Dachrandverglasung) ausgeliefert. Ab 1954 hieß er O 304. Zwischen Juli 1950 und Januar 1959 wurden 625 Fahrzeuge in den verschiedenen Ausstattungslinien und als Fahrgestelle gebaut.
Das Urteil über den O 6600 fiel in der Presse positiv aus. Die „Omnibusrevue“ lobte in Heft 4/1951 unter anderem die Elastizität und die auffallende Laufruhe des Motors sowie eine für damalige Verhältnisse hohe Höchstgeschwindigkeit von gestoppten 88,8 Stundenkilometern. Über die Federung schrieben die Tester: „Auf Straßen mit tiefen Schlaglöchern waren auf allen Sitzen keinerlei Stöße unangenehm bemerkbar. Man hatte den Eindruck, in einem guten Personenwagen zu fahren.“ „Last-Auto und Omnibus“ urteilte in Heft 11/1951: „Der Mercedes-Benz O 6600 gehört bezüglich Motor, Fahrgestell, Fahreigenschaften und Normalaufbau zu den wirtschaftlichen, schnellen und bequemen Reiseomnibussen. Das Fahrwerk gestattet Sonderaufbauten jeglicher Art. Die Leistung des Motors reicht aus, um selbst bei voller Nutzlast praktisch mit den oberen 4 Gängen auszukommen.“
Stand: 08.12.2025
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Zweigleisig fuhr Daimler-Benz Anfang der Fünzigerjahre bei der Entwicklung von Frontlenkerbussen mit dem Dieselmotor OM 315: Dem modernen Konzept des Heckmotoromnibusses folgte der Typ O 6600 H/O 320 H der Baureihe 320, der ab März 1951 gebaut wurde. Parallel dazu entstand aber auch ein preisgünstigeres Frontlenkerfahrgestell mit vorn liegendem Motor. Dieser OP 6600/OP 315 mit einem Radstand von 5.700 Millimetern wurde ab Dezember 1953 gebaut und von renommierten Aufbauherstellern karossiert, zum Beispiel von Vetter in Fellbach. In einer Mercedes-Benz Pressenotiz vom Juli 1955 hieß es zu diesem Typ: „Nach dem umfangreichen Omnibusauftrag der Stadt Teheran hat die Daimler-Benz A.G. jetzt auch eine größere Omnibuslieferung für die Stadt Istanbul abschließen können. Istanbul erhält 200 Mercedes-Benz Omnibusse vom Typ OP 315, eine Weiterentwicklung des O 6600 in Pullman-Form.“ Als elektrischer Trolleybus für den Oberleitungsbetrieb wurde der O 6600 T in vielen Städten auf der ganzen Welt eingesetzt.