»kfz-betrieb«-Autocheck Renault Arkana Am Auto kann es eigentlich nicht liegen

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

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Renault macht auf dem deutschen Markt gerade eine schwierige Phase durch. Dabei können die Autos durchaus überzeugen, wie der Crossover Arkana zeigt. Nur vom sportlichen Geist der Tochtermarke Alpine ist trotz „Esprit Alpine“ leider wenig zu spüren.

Im umfangreichen SUV-Programm von Renault sticht der Arkana mit seiner Coupé-Form heraus. Ein Volumenmodell ist er damit aber nicht.(Bild:  Mauritz – VCG)
Im umfangreichen SUV-Programm von Renault sticht der Arkana mit seiner Coupé-Form heraus. Ein Volumenmodell ist er damit aber nicht.
(Bild: Mauritz – VCG)

Renault hat seine Modellpalette früher und konsequenter auf SUVs umgestellt als viele andere Volumenhersteller. Oberhalb der Kompaktklasse gibt es praktisch nur noch SUVs – vom kleinen Captur über den nagelneuen Symbioz und den mittelgroßen Austral bis hin zum Espace. Auch das Nischensegment des SUV-Coupés ist mit dem Arkana und dem kommenden Rafale gleich doppelt belegt.

Warum die Verkaufszahlen trotz des eigentlich erfolgversprechenden Portfolios in den letzten Jahren geradezu abgestürzt sind, wüssten die Renault-Händler sicher auch gern. Wahrscheinlich gibt es mehrere Gründe. Dass die Preisgestaltung vieler Modelle nicht konkurrenzfähig ist, hat mittlerweile auch der Hersteller erkannt. Technisch hingegen kann man den aktuellen Modellen wenig vorwerfen, wie auch unser Test des 2023 modellgepflegten überarbeiteten Arkana zeigt.

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Als Crossover vereint das 2020 gestartete Modell Merkmale unterschiedlicher Fahrzeugklassen in sich. Die hohe Bodenfreiheit und der bequeme Einstieg entstammen dem SUV-Segment, während die Karosserielinie einer sportlichen Fließhecklimousine entspricht – einer bemerkenswert gelungenen Fließhecklimousine, möchte man hinzufügen. Nur der etwas zu kurz wirkende Radstand und der mächtige hintere Überhang verweisen darauf, dass der Arkana konzeptionell mit dem kleineren Modell Captur verwandt ist.

Vier Personen können bequem reisen

Mit 4,57 Metern Außenlänge steht da trotzdem ein ausgewachsenes Automobil vor uns, das der Kompaktklasse längst entwachsen ist. Das Platzangebot im Innenraum entspricht dem äußeren Eindruck: Vorne können auch große Personen sehr bequem einsteigen und sitzen; die geschwungene Dachlinie sorgt für großzügige Kopffreiheit. Die gibt es übrigens auch hinten, während der Knieraum hier nicht ganz so generös ist. Von Enge kann aber keine Rede sein.

Außerdem bietet das voluminöse Heck imposante 513 Liter Gepäckvolumen, die sich durch die große Heckklappe gut nutzen lassen. Bei umgeklappter Rücksitzbank sind sogar knapp 1.300 Liter möglich. Schade nur, dass sich Renault eine etwas größere Variabilität des Ladeabteils gespart hat. Die Sitzlehnen sind nur in zwei Teilen umlegbar, eine mittlere Durchreiche für längere Gepäckstücke (etwa Skier) gibt es nicht.

In Sachen Cockpit repräsentiert der Arkana noch die Generation vor der Übernahme des Betriebssystems Android Automotive, das in den neuen Renault-Modellen wie dem Espace zu finden ist. Der Hersteller verwendet aber auch hier einen großen und praktischen Hochformat-Bildschirm mit 9,3-Zoll (23,6-Zentimeter)-Diagonale. Auf dem Touchscreen lassen sich sämtliche Multimedia- und Navigationsfunktionen des Easy-Link-Systems steuern.

Die Grafik wirkt jedoch deutlich simpler als in neueren Autos. In der Praxis toucht man auch gar nicht so oft auf dem Screen herum, denn die meisten häufig gebrauchten Funktionen lassen sich mit „echten“ Knöpfen und Schaltern bedienen. Neben einer Schalterleiste direkt unter dem Bildschirm gibt es noch große Drehräder für die Klimaanlage, gut bedienbare Taster am Lenkrad für Bordcomputer und adaptive Tempomaten sowie den unvermeidlichen Renault-Bediensatelliten an der Lenksäule für das Radio.

Ein braver Zieher, aber kein Sportler

Seit der Modellpflege im Jahr 2023 ist für den Arkana die neue Topausstattung namens Esprit Alpine lieferbar, in der auch der Testwagen kam. Sie umfasst eine Vielzahl an Zierteilen und Komfortdetails und ist optisch erkennbar an den blauen Streifen auf den Gurten sowie an den hochwertig bezogenen und sehr bequemen Sitzen.

Was allerdings nicht zu Esprit Alpine gehört, ist ein dem legendären Namen angemessenes, also sportliches Fahrverhalten. Der im Testwagen montierte 1,3-Liter-Turbomotor mit 116 kW/158 PS und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist ein braver Zieher, aber alles andere als ein Sportler. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h beträgt 9,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 174 km/h begrenzt. Damit kann man leben. Aber was hat das mit Alpine zu tun? Ob Renault damit seiner Edelmarke einen Dienst erweist, ist doch sehr fraglich. Man stelle sich vor, VW würde einen T-Cross 1.0 TSI als Sondermodell „Porsche“ lancieren, oder Fiat seinen Tipo als „Linea Maserati“.

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Doch von solchen Geschmackssachen abgesehen, präsentiert sich der aktualisierte Renault Arkana als kompetenter Alltagsbegleiter, der unter seiner schicken Hülle viel Platz und eine hochwertige Ausstattung birgt. Die Basisversion startet unter 30.000 Euro, und auch die getestete Esprit-Alpine-Variante mit dem stärkeren Verbrennungsmotor liegt mit 34.900 Euro noch im Rahmen. Ob das reicht, um im hochkompetitiven Segment der kompakten SUVs wieder einen größeren Marktanteil für Renault zu erkämpfen, muss sich zeigen. Am Auto liegt’s jedenfalls nicht.

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