Neues Fahrzeugkonzept im Rückblick Audi A2: Gekommen um zu bleiben?

Von Steffen Dominsky 6 min Lesedauer

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Der Audi A2 mit seiner Vollaluminiumkarosserie war leicht, aerodynamisch und sparsam. Vor 25 Jahren polarisierte er neben Autoexperten vor allem Kunden. Die ließen die „innovative Schachtel“ eher stehen. Doch als wertstabiler Youngtimer und Daily Driver ist er heute noch im Straßenbild präsent.

Heute wäre er vermutlich ein Verkaufsschlager: Ein Wagen der viel bietet und bei Bedarf extrem wenig Sprit benötigt. Doch der vor 25 Jahren erschienene Audi A2 kam zu früh.(Bild:  AUDI AG)
Heute wäre er vermutlich ein Verkaufsschlager: Ein Wagen der viel bietet und bei Bedarf extrem wenig Sprit benötigt. Doch der vor 25 Jahren erschienene Audi A2 kam zu früh.
(Bild: AUDI AG)

Zugegeben: Ganz reichte er in Sachen Aerodynamik nicht an den „Schlörwagen“ von 1939 ran, das Experimentalfahrzeug des Ingenieurs Karl Schlör von Westhofen-Dirmstein, das mit einem cW-Wert von 0,15 als „windschnittigstes Familienauto der Automobilgeschichte“ gilt. Dennoch waren die 0,25 des Audi A2 beachtlich und eine wichtige Voraussetzung für den Titel „erstes viertüriges 3L-Auto der Welt“. Schließlich hatte Audi, gemeinsam mit der Konzernmutter in Wolfsburg, anfang der 90er-Jahre genau dieses Ziel ausgegeben: ein Auto mit einem Verbrauch von lediglich drei Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer zu bauen. Dazu arbeiteten die Designer in Ingolstadt eng mit den Experten im Aluminium-Zentrum in Neckarsulm zusammen. Diese hatten im Mai 1995 eine Konzeptstudie namens „Ringo“ präsentiert, deren Audi Space Frame (ASF) weniger komplex ist als der ASF des größtenteils in Handarbeit gefertigten Audi A8. Der damalige Leiter des Audi-Designstudios in München, Stefan Sielaff, übernahm das Projekt und bestimmte das Interieur, während der Belgier Luc Donckerwolke das Exterieur-Design verantwortete. Gemeinsam mit dem späteren Designchef Gerhard Pfefferle gaben sie dem „rollenden Käfig“ Ringo einen zweitürigen Aufbau, der bereits nah am späteren Design des A2war. Im weiteren Verlauf der Arbeiten entstanden zwei Studien: Die eine stand 1997 als Showcar auf der IAA in Frankfurt und trug neben der vorläufigen Modellbezeichnung „Al 2“ wegen seiner Farbe den Beinamen „Light Green“. Nur wenig später war „Light Blue“ auf der Tokyo Motor Show zu sehen, eine dreitürige Variante des Al 2 mit variabler Ladefläche und Rolldach. Ihr Name: „Audi Al2 open end“.

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Das Publikum nahm die zwei Studien unterschiedlich auf. Die einen begeisterte das progressive Design, anderen gefielen die Entwürfe nicht. Dass ihre Ergebnisse polarisieren würden, hatten die Entwickler durchaus erwartet, erinnert sich Al2-Projektleiter Harald Wester zwanzig Jahre später im Interview mit Dirk-Michael Conradt, Autor des Buches „Audi A2 – Meilenstein und Kultobjekt“. Wester darin: „Ja – das war uns allen von Anfang an klar! Das Auto sollte ja optimal windschlüpfig sein. Wir haben sozusagen im Windkanal geschlafen, um eine optimale Aerodynamik zu erreichen.“ Im November 1997 gibt der Vorstand die Serienproduktion frei. Die Weltpremiere des Audi A2 sollte erneut zur IAA stattfinden – nur zwei Jahre später. Der Plan war ehrgeizig, aber die Designer und Ingenieure schafften den ambitionierten Zeitplan einzuhalten.

Im Rampenlicht: der sensationelle cW -Wert von 0,25

Auf der IAA im September 1999 wurde der zur Serienreife entwickelte A2 der Weltöffentlichkeit präsentiert – und mit ihm der erste Kompaktwagen der jüngeren Automobilgeschichte, dessen Karosserie vollständig aus Aluminium gefertigt wurde. Nur rund 153 Kilogramm wiegt die Rohkarosse des A2, inklusive aller vier Türen und der Heckklappe, und damit nur rund 60 Prozent des Rohkarosseriegewichts einer vergleichbaren Limousine mit konventionellem Stahlblechaufbau. Produziert wurde der 3,83 Meter lange, 1,67 Meter breite und 1,55 Meter hohe Audi A2, der seinen Passagieren trotz der geringen Außenmaße im Interieur viel Platz bietet, in Neckarsulm. Dort wurden speziell für den Audi A2 neue Produktionsanlagen errichtet und am 15. November 1999 eingeweiht. An diesem Tag stellt Audi auch gleich den A2 1.2 TDI, das erste viertürige Drei-Liter-Auto der Welt, vor. Insgesamt stehen über die Bauzeit des Audi A2 zwei Benzin- und drei Dieselmotoren zur Wahl. Die beiden Benzinmodelle werden von einem Reihen-Vierzylinder-Motor angetrieben und waren mit Fünfgang-Schaltgetriebe und Frontantrieb erhältlich. Der kombinierte Kraftstoffverbrauch liegt bei 5,9 Liter auf 100 Kilometer. Die A2-Modelle mit Dieselmotor arbeiten mit Dreizylinder-Aggregaten mit Pumpe-Düse-Direkteinspritzung. Zur Markteinführung am 30. Juni 2000 stehen ein Benziner und ein TDI mit jeweils 75 PS Leistung zur Verfügung.

Der Ende 1999 vorgestellte Audi A2 1.2 TDI ging im März 2001 in den Verkauf. Er leistet 61 PS und benötigt nur 2,99 Liter Diesel je 100 Kilometer. Sein direkteinspritzender Turbodieselmotor ist vollständig aus Aluminium. Beim Fünfgang-Automatik-Getriebe übernimmt ein elektrohydraulisches System das Kuppeln. Der Einsatz weiterer Fahrzeugteile aus Aluminium, spezieller Aluminium-Schmiedeleichtbauräder oder gewichtsoptimierter Rücksitze macht es möglich, das Gewicht im Vergleich zur Basisversion um 135 Kilogramm zu senken – auf ein Leergewicht von 855 Kilogramm. Dafür musste aber selbst auf „Extras“ wie eine Hohlraumversiegelung verzichtet werden. Auch der Tank fasst nur 20 Liter Kraftstoff und das Panoramadach Open-Sky, eine Klimaanlage und andere sonst lieferbare Sonderausstattungen waren in dieser Variante nicht erhältlich. Um die Aerodynamik weiter zu optimieren, sind die Kühllufteintritte im Bug teilweise verschlossen, die Reifen schmäler und durch Rillen in den Flanken strömungsoptimiert. Angepasste Radlaufblenden und Felgendeckel sowie ein zusätzlich verkleideter Unterboden ermöglichen verwirbelungsfreie Luftströme. Auf diese Weise senkten die Ingenieure den Luftwiderstandsbeiwert von sehr guten 0,28 cW beim Basismodell auf rekordmäßige 0,25 cW.

Gutes Konzept falsch vermarktet

2002 ergänzte Audi die A2-Motorenpalette um einen 1,6-Liter-FSI-Motor. Seine 110 PS ermöglichen dem A2 eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 200 km/h. Um den verhältnismäßig schleppenden Verkauf anzukurbeln, bot man seit März 2003 das Sondermodell „colour.storm“ zum Aufpreis von 750 Euro an – in den Farben Imolagelb, Misanorot perleffekt, Sprintblau perleffekt und Papayaorange. Farblich abgestimmte Innenausstattungen und mattschwarz lackierte Details, wie beispielsweise Dach- und Radlaufblenden, schaffen einen auffälligen Kontrast. Das Modell ist mit zahlreichen Sonderausstattungen kombinierbar sowie mit vier der fünf Motorvarianten – nur nicht mit dem 1,2-TDI-Motor. Bis Juli 2005 werden insgesamt 176.377 Exemplare gebaut. Die ursprünglich hohen Erwartungen kann der kleine Premiumkompakte damit nicht erfüllen.

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Ein Grund dafür war die Vermarktung. So klassifizierte Audi den A2 in Deutschland nicht eindeutige in die gängigen Kategorien wie Kleinwagen, Kompaktklasse oder Minivan. Zwar war der A2 als direkter Konkurrent zur Mercedes A-Klasse entwickelt worden und entsprach dieser in Größe und Neupreis. Beide Fahrzeuge sind bei vergleichbarem Innenraum wesentlich kürzer, aber höher als ein VW Golf IV. Für Mercedes war es dennoch möglich, die A-Klasse als direkte Konkurrenz zum VW Golf zu etablieren, da man bisher kein Modell dieser Klasse hatte – anders hingegen bei Audi, wo es mit dem Audi A3 bereits ein Fahrzeug in der Kompaktklasse gab. Das zeigt auch der Name „A2“ zeigt, dass eine Platzierung „unterhalb des A3“ gewollt war.

Gebaute Einheiten des Audi A2.(Bild:  Audi AG)
Gebaute Einheiten des Audi A2.
(Bild: Audi AG)

Treue Fans bis heute

Das führte zu dem Dilemma, dass die beiden sowohl vom Konzept als auch von der Größe sehr ähnlichen Fahrzeuge A-Klasse und A2 beim Kraftfahrtbundesamt unterschiedlichen Fahrzeugklassen zugeordnet wurden. Ein weiterer Grund war der Preis des Ingolstädters. Der bewegte sich ziemlich exakt auf Höhe der entsprechenden Modelle der A-Klasse und damit weit über den anderer „Kleinwagen. Und selbst in der Pannenstatistik des ADAC steht der A2 unter „Kleine Klasse“, die A-Klasse in der „Unteren Mittelklasse“. Stichwort ADAC: Laut den Pannenstatistiken des Clubs erzielte der A2 in den Jahren 2003 bis 2008 den ersten Platz in seiner Klasse. Ebenso belegte das Fahrzeug 2004 aufgrund seiner Mängelfreiheit den ersten Platz der TÜV-Statistik.

Eine weitere Aufwertung erfährt der A2 aufgrund seines sehr geringen Schadstoffausstoßes. Insbesondere gibt es für die 1.2-TDI-Version eine Umschlüsselung auf D4-Norm und damit die grüne Plakette auch ohne Partikelfilter. Und so wundert es nicht, dass rund ein Vierteljahrhundert später das kleine Raumwunder eine treue Fangemeinde besitzt. Die wird unter anderem von Kfz-Betrieben wie Autoservice Nordgauer („A2 Doc“) in der Nähe von Sulzbach-Rosenberg betreut, die sich ganz auf den zeitlosen Audi spezialisiert haben.

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