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Audi: Die Gasproduktion beginnt

Autor / Redakteur: Edgar Schmidt / Edgar Schmidt

Audi hat seine E-Gas-Anlage im niedersächsischen Werlte eröffnet. Damit produziert der Autohersteller künftig auch Wasserstoff und synthetisches Methan: das Audi E-Gas.

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Audi produziert künftig selbst Erdgas aus erneuerbarem Strom.
Audi produziert künftig selbst Erdgas aus erneuerbarem Strom.
(Grafik: Audi)

„Mit dem heutigen Tag unternimmt Audi einen großen Schritt in die Mobilität der Zukunft“, sagte Heinz Hollerweger, Leiter Entwicklung Gesamtfahrzeug, bei der Eröffnung der Audi-E-Gas-Anlage im niedersächsischen Werlte. Audi sieht die sogenannte Power-to-Gas-Anlage als Leuchtturmprojekt für die gesamte Energiewende, da das Verfahren hervorragend geeignet ist, regenerativ erzeugten Strom im bereits vorhandenen und gut ausgebauten Erdgasnetz zwischenzuspeichern.

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Die Anlage arbeitet in zwei Prozessschritten: Elektrolyse und Methanisierung. Im ersten Schritt nutzt die Anlage überschüssigen Windstrom, um mit drei Elektrolyseuren Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Der Wasserstoff könnte dann auch bei geeigneter Infrastruktur als Treibstoff für künftige Brennstoffzellen-Autos dienen. Da hierfür jedoch bisher sowohl die Tankstellen als auch die Autos fehlen, schließt sich bei der Anlage unmittelbar der zweite Verfahrensschritt an: die Methanisierung. Hier reagiert der Wasserstoff mit CO2 zu synthetischem Methan, das Audi „E-Gas“ nennt. Es ist mit fossilem Erdgas nahezu identisch und wird über eine bereits vorhandene Infrastruktur, das deutsche Erdgasnetz, an die CNG-Tankstellen bundesweit verteilt. Die Einspeisung des Audi E-Gases soll im Herbst 2013 beginnen.

Bis zu 80 Prozent Wirkungsgrad

Die Anlage benötigt nach Angaben von Audi etwa 50 Megawattstunden (MWh) Strom, um eine Tonne Wasserstoff zu erzeugen. Die Abwärme, die bei der anschließenden Methanisierung entstehe, könne als Prozessenergie in der benachbarten Biogas-Anlage genutzt werden. Von dieser Anlage stammt im Gegenzug das hochkonzentrierte CO2, das als Grundbaustein für das E-Gas benötigt wird. Dieses CO2 dient somit als Wertstoff und gelangt nicht in die Atmosphäre. Den Gesamtwirkungsgrad der Anlage gibt der Hersteller mit 60 bis 80 Prozent an, wobei das Gas ausschließlich mit überschüssigem Windstrom produziert werde.

Laut dem Bundesverband Windenergie gingen in Deutschland im Jahr 2011 insgesamt rund 407 GWh an Windstrom verloren, weil es keinen Abnehmer dafür gab. Dieser Strom ließe sich hervorragend für Power-to-gas-Anlagen nutzen.

Pro Jahr soll die Audi E-Gas-Anlage etwa 1.000 Tonnen Methan produzieren und dabei circa 2.800 Tonnen CO2 binden. Das entspräche laut Audi etwa der Menge, die ein Wald mit über 220.000 Buchen im Jahr aufnimmt. Als Nebenprodukte fallen lediglich Wasser und Sauerstoff an.

Mit dem E-Gas aus Werlte können nach Herstellerangaben jedes Jahr rund 1.500 Audi A3 Sportback G-Tron jeweils 15.000 km CO2-neutral zurücklegen. Der 1.4-TFSI-Motor des Fünftürers verbrennt fossiles Erdgas, Biomethan und Audi E-Gas gleichermaßen; mit seiner bivalenten Auslegung kann er auch Benzin nutzen.

Beim Kauf des Autos sollen die Kunden ein Kontingent E-Gas gleich mitbestellen können. Damit nähmen sie dann an einem bilanziellen Verfahren teil. Es stelle sicher, dass die Menge Gas, die sie an der Erdgastankstelle einfüllen, durch die Audi e-Gas-Anlage ins Netz eingespeist werde. Bezahlung und Abrechnung werden über eine Audi E-Gas-Tankkarte laufen.

Der A3 Sportback G-Tron wird laut Audi Ende 2013 auf den Markt kommen. Als Normverbrauch gibt der Hersteller weniger als 3,5 kg E-Gas pro 100 km an.

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