Auferstanden aus Ruinen
Die Autohausgruppe Peter baut in Northeim das in die Insolvenz gegangene Mercedes-Benz-Autohaus Steiskal radikal um.
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Operation am offenen Herzen – so könnte man den aktuellen Status im Northeimer Mercedes-Benz-Autohaus Peter wohl am besten beschreiben. Im Schauraum rattert der Presslufthammer und der Architekt bespricht sich in der Besucherecke mit den Handwerkern. In den ehemaligen Büros der Disponenten steht ein Bagger und in der Werkstatt sind die Maurer in vollem Gange. Trotz dieser erschwerten Bedingungen geht der Betrieb weiter. Vorbei sein soll der Spuk im Oktober. Dann steht die glanzvolle Eröffnungsfeier auf dem Programm.
„Noch im Januar dieses Jahres wusste ich nicht, dass ich diesen Laden übernehmen würde“, erzählt Helmut Peter, geschäftsführender Inhaber der gleichnamigen Mehrmarken-Autohausgruppe. Als Mercedes-Benz mit dem Kaufangebot an ihn herantrat, bat der Unternehmer um drei Wochen Bedenkzeit, um alles Für und Wider abzuwägen. Denn es gab wahrlich genügend Gründe, die gegen einen Kauf sprachen: Der Mercedes-Benz-Servicebetrieb für Pkw und Nfz, der zu diesem Zeitpunkt noch zur Steiskal-Gruppe gehörte, befand sich schon seit rund zehn Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. „Zuletzt wurden alle Sachen, die kaputtgingen, wie Hebebühnen oder AU-Geräte, einfach nicht mehr ersetzt“, erinnert sich Werkstattmeister Hartmut Ernst.
Investitionen drastisch zurückgefahren
Auch die Lohnauszahlung an die 24 Mitarbeiter und vier Auszubildenden geriet zeitweise ins Stocken. „Aufgrund der massiven Liquiditätsprobleme musste der Geschäftsführer die Investitionen drastisch zurückfahren, und folglich ging auch der Auftragseingang stetig zurück“, beschreibt Helmut Peter den Teufelskreis, in dem sich das Autohaus Steiskal befand. Zudem fehlte ein geeigneter Unternehmensnachfolger.
Das Northeimer Autohaus stand das komplette Jahr 2008 zum Verkauf – ohne Erfolg. Nach der Vertragsunterzeichnung mit der Peter-Gruppe schließlich ging das Unternehmen zum 30. April 2009 in eine geordnete Planinsolvenz.
„Wir haben uns viele Jahre über Wasser gehalten und versucht, das Beste aus der Situation zu machen“, schildert Hartmut Ernst die Stimmung unter der Belegschaft.
Als Juniorchef Andreas Peter kurz nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags im vergangenen März eine Mitarbeiterversammlung abhielt, auf der er seine Pläne schilderte, war die Skepsis verständlicherweise erst einmal groß. „Als wir unsere Vision jedoch mit klaren Konzepten untermauerten, waren die Mitarbeiter schnell begeistert“, unterstreicht Helmut Peter.
Bis Mitte 2010 wollen Vater und Sohn den Northeimer Standort auf das gleiche Niveau wie die Mercedes-Benz-Vertretung im rund 20 Kilometer entfernten Osterode bringen.
Vor der Kaufentscheidung haben die beiden Unternehmer übrigens keine Ertragsvorausschau gemacht. „Man kann Ertragsvorausschauen hoch- und runterrechnen“, betont Helmut Peter, „wir verlassen uns lieber ganz auf unser Know-how und unsere Stärken.“
Nicht nur im Hinblick auf das Marktverantwortungsgebiet sei die Übernahme des Northeimer Standorts quasi eine logische Konsequenz gewesen. Auch der geringe lokale Marktanteil von gerade einmal 5,2 Prozent habe förmlich nach einer Übernahme geschrien. „Nicht zu vergessen, dass der Standort in Northeim dank der guten Anbindung an die A7 ideal ist“, fügt Helmut Peter hinzu.
Zehn neue Arbeitsplätze
Die 3,5 Millionen Euro Invest sind gut angelegt, sind sich die beiden Unternehmer sicher. Da man neben den guten Rahmenbedingungen auch noch motivierte Mitarbeiter übernommen habe und die Altersstruktur stimme, könne eigentlich nichts schiefgehen. „Im Betrieb gibt es viele junge Mitarbeiter und viele, die schon seit fast 20 Jahren im Betrieb sind. Die haben nicht nur einen riesigen Erfahrungsschatz, sondern auch viele Stammkunden, die ihnen trotz aller Schwierigkeiten über lange Zeit hinweg die Treue gehalten haben“, erklärt Helmut Peter.
Entlassungen habe es im Zuge der Übernahme nur ganz vereinzelt gegeben. „Natürlich haben wir versucht, die Synergien, die sich ergeben, bestmöglich auszuschöpfen. Wir haben beispielsweise die Disposition in unser Stammhaus in Nordhausen zentralisiert“, unterstreicht der Seniorchef. Den betroffenen Mitarbeitern habe man dafür einen Arbeitsplatz an einem der anderen 13 Standorte der Autohausgruppe angeboten. Im neuen Northeimer Autohaus wollen die Peters bis Mitte 2010 zehn neue Arbeitsplätze schaffen.
Die Centerleitung in Northeim hat Reiner Fees übernommen, ein langjähriger Mitarbeiter der Nordhäuser Mehrmarken-Autohausgruppe. Er ist dafür verantwortlich, die Peter-Philosophie in den übernommenen Betrieb hineinzutragen. Zudem soll er eine Weiterbildungsoffensive starten, denn auch die Mitarbeiterschulungen hatte das Autohaus in den letzten Jahren auf ein Minimum heruntergefahren.
„Als ich das erste Mal durch den Betrieb gelaufen bin, habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, weil das Gebäude wirklich in einem desolaten Zustand war, aber mit dieser Mannschaft, dem Können der Architekten und Handwerker haben wir keine Bange vor der Zukunft.“
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