IfA-Branchengipfel Der Handel kann selbstbewusst in den Transformationsprozess gehen

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Rezessive inflationäre Entwicklungen, neue Marken, Elektromobilität – viel strömt auf die Autobranche ein. Handel und Industrie sehen sich aber bereit, die Herausforderungen anzunehmen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Präsidentenrunde bei IfA-Direktor Stefan Reindl (l.): ZDK-Präsident Arne Joswig und die online zugeschaltete VDA-Präsidentin Hildegard Müller diskutierten auf dem 24. Ifa-Branchengipfel.(Bild:  Simon – VCG)
Präsidentenrunde bei IfA-Direktor Stefan Reindl (l.): ZDK-Präsident Arne Joswig und die online zugeschaltete VDA-Präsidentin Hildegard Müller diskutierten auf dem 24. Ifa-Branchengipfel.
(Bild: Simon – VCG)

Das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe und die deutsche Automobilindustrie wollen beim Bewältigen der Transformation in der Branche enger zusammenrücken. Auf dem 24. IfA-Branchengipfel verdeutlichten VDA-Präsidentin Hildegard Müller und der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, Arne Joswig, dass Handel und Industrie viele Ideen und Angebote haben, um den wachsenden Herausforderungen zu begegnen. Man müsse aber selbstbewusst die Stimme erheben und die Angebote klar und deutlich formulieren.

Beide Branchen-Präsidenten gingen in der Diskussion mit dem Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) in Nürtingen, Prof. Stefan Reindl, auf die massiven Probleme ein, die auf Produktion und Handel derzeit einwirken. Nachfrageschwäche und eine rezessive inflationäre Entwicklung bei gleichzeitig hohen Energiekosten „machen den Transformationsprozess in der Automobilindustrie nicht leichter und verunsichern“, sagte Reindl. Dementsprechend stand die Veranstaltung unter dem Motto „New Business Conditions – Redefine Strategies“ (Neue Geschäftsbedingungen – Neujustierung der Strategien).

200 Milliarden Euro an Investments

Müller bestätigte, dass sich die Automobilindustrie in einem hochdynamischen Rahmen bewegt. Vorgegeben würde dieser von geopolitischen Einflüssen, einer überregulierenden Bürokratie und wachsendem Wettbewerbsdruck. Es müsse klar sein, dass „die Existenz als Exportnation keine Selbstverständlichkeit ist“. Die Automobilindustrie nehme diesen Wettbewerb an und investiere in den kommenden Jahren weit über 200 Milliarden Euro. Allerdings finde das Wachstum außerhalb Europas statt, weshalb sie dem wachsenden Protektionismus eine Absage erteilte.

Um auf die Umwälzungen zu reagieren, müssten politische Antworten gefunden werden, die alle Beteiligten einbeziehen. Beispielhaft dafür sieht die Branche das Thema Ladeinfrastruktur; ihr Ausbau müsse endlich umgesetzt werden. Ohne Infrastruktur blieben die Kunden zurecht skeptisch, ob ein neues Antriebskonzept trägt. „Die Sicherheit in der Infrastruktur ist eine Kopfsache“, sagte Müller. Das gelte perspektivisch auch für die Energieträger E-Fuels oder Wasserstoff.

ZDK-Präsident Arne Joswig zeigte sich überzeugt, dass der Handel viel dazu beitragen könne, den Wandel zu gestalten. Deshalb will der Verband eine aktive Rolle spielen und die Probleme ansprechen. „Aber wir müssen lauter werden und unseren Standpunkt gegenüber der Politik klar darlegen.“ Aus diesen Überlegungen heraus sei die Stärkung der Verbandspräsenz in Berlin zu verstehen. „Wir gehen mittenrein in den Berliner Politikbetrieb, um unsere Stimme zu erheben.“

Aktionsmonat zur Elektromobilität

Für Joswig kommt dem Kfz-Gewerbe in der Transformation der Mobilität eine zentrale Rolle zu. Es könne selbstbewusst in die Zukunft sehen, denn „wir sind eine innovative Branche und wir sind ganz viele“. Der Handel könne gemeinsam mit der Industrie an den Zukunftsthemen arbeiten. Er schlug als Beispiel einen gemeinsamen Aktionsmonat zur Elektromobilität vor. Die Autohäuser könnten als Ansprechpartner dienen, während die Hersteller die E-Autos zur Verfügung stellen und auf nationaler Ebene für Produkte und Aktionen werben. Er sieht Begeisterung und Interesse für die E-Mobilität als vorhanden an. Nun müssen man gemeinsam über die vorhandenen Angebote reden und sie bekannt machen.

Neben der E-Mobilität ist für Joswig der Blick auf die E-Fuels ebenfalls entscheidend für die Zukunft. Für diesen Energieträger werde es einen Markt geben, weil er nicht nur für die Automobilbranche wichtig wird, sondern auch für Luftfahrt und Schifffahrt. Letztere bräuchten sogar zuerst Zugriff auf E-Fuels, „weil sie keinen Stecker dranmachen können“. Gleichzeitig verdeutlichte er, dass die Autobranche schon jetzt bereit ist für E-Fuels. Sie könnten jederzeit getankt werden. Doch die Mengen fehlen, weil die Entwicklung und der Produktionsaufbau in den vergangenen 10 Jahren verschlafen worden sei.

Fokus liegt auf E-Mobilität

Dass sich der ZDK für Technologieoffenheit und E-Fuels einsetzt, dürfe aber nicht gleichgesetzt werden mit einer krampfhaften Rettung des Verbrenners. Für Handel und Industrie sei klar, dass zunächst die E-Mobilität und damit die Ladeinfrastruktur im Fokus stehen müsse. Der Verband will sich daher dezidiert für den Ausbau der Ladeangebote einsetzen. „Melden Sie uns Probleme mit der Ladeinfrastruktur“, forderte er die Branche auf. Der ZDK werde sich direkt an den zuständigen Stellen dafür einsetzen, das Problem zu lösen.

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