Autohandel in Deutschland und den USA

Redakteur: Johannes Büttner

Hochkarätige Referenten von beiden Seiten des Atlantiks diskutierten auf dem 5. American-German Automotive Business Day von ZDK und BFC vor 260 Zuhörern.

„Amerika, du hast es besser!“ Mit einem Goethe-Zitat eröffnete ZDK-Präsident Robert Rademacher den 5. American-German Automotive Business Day am 14. März in Northeim. Im Anschluss stellte er allerdings fest, dass diese Aussage in Bezug auf den Automobilhandel im Moment nicht ganz den Punkt trifft. „Wir freuen uns derzeit in den USA wie in Deutschland über eine positive Stimmung und gute Zahlen“, so der ZDK-Präsident. Die Branche biete dem beruflichen Nachwuchs erfreuliche Perspektiven, „die spannendsten automobilen Zeiten liegen noch vor uns“, erklärte er seinen 260 meist jungen Zuhörern.

Viele Studierende der BFC aus Northeim und Calw, aber auch internationale Gäste aus den USA, Dänemark, Frankreich und China waren der Einladung von ZDK und BFC zum transatlantischen Erfahrungsaustausch gefolgt. Unterstützung erhielten die beiden deutschen Institutionen bei der Organisation des Business Days traditionell von der amerikanischen Northwood University, mit der der ZDK seit 19 Jahren „partnerschsftlich und freundschaftlich verbunden ist“, wie es Geschäftsführerin Birgit Behrens formulierte.

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Den programmatischen Einstieg lieferten dann die beiden Professoren Timothy Gilbert (Northwood) und Stefan Reindl (HfWU Geislingen). Sie beleuchteten die Lage des Kfz-Gewerbes nach den Abwrackprämien in verschiedenen Ländern. Reindl kam dabei zu dem Ergebnis, dass die Milliardenzahlungen des Staates in Deutschland zumindest zwischenzeitlich Erfolge erzielen konnten. Am meisten hätten zwar die Konsumenten profitiert, aber auch viele Hersteller und Händler hätten sich über zusätzliche Umsätze freuen dürfen. Allerdings habe die Umweltprämie den Konsolidierungsprozess im deutschen Automobilhandel nicht gestoppt, sondern nur zwischenzeitlich abgebremst. Nach wie vor gebe es aber zu viele Händler, die Renditen seien zu niedrig.

In den USA wirkte das staatliche Abwrackprogramm „Cash for Clunkers“ noch kurzfristiger als in Deutschland, führte Gilbert aus. Es verpuffte innerhalb nur eines einzigen Monats. Im August 2009 schossen die Verkaufszahlen zwar in die Höhe, Händler meldeten Rekordergebnisse. Aber das blieb nur ein Strohfeuer, weil die ökonomischen Probleme in den USA zu groß gewesen seien, um sich allein mit einer staatlichen Prämie behandeln zu lassen. „Der Heilungsprozess dauert länger“, so Gilbert. Inzwischen stiegen die Umsätze zwar wieder, aber das Wachstum bleibe fragil.

Elektromobilität muss sich rechnen

Im Anschluss vertrat Gilbert auch gleich den amerikanischen Part zum Thema Elektromobilität. Dort gebe es das politische Ziel, die Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen zu verringern. Wichtiger für den zukünftigen Erfolg von Plug-in-Hybriden und E-Fahrzeugen sei aber die Frage, ob sich die alternativen Antriebe für den Verbraucher rechnen. Und das tun sie heute bereits, wenn man die Kosten pro Meile vergleicht. Allerdings nannte Prof. Gilbert auch gute Argumente gegen die Elektrofahrzeuge: Sie seien heute noch viel zu teuer und die Technik sei noch nicht lange genug auf der Straße, um sie als dauerhaft zuverlässig bezeichnen zu können.

Auch Marc Voss vom ZDK verfiel beim Thema Elektromobilität nicht in Euphorie. Es handle sich weder um eine neue Technik noch können sie einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die weltweiten CO2-Emissionen erheblich zu senken. Das Kraftfahrzeuggewerbe müsse sich natürlich trotzdem mit der Thematik auseinandersetzen und klar machen, dass Verkauf und Wartung von Autos in seinen bereich fallen – egal, womit diese angetrieben werden. Denn aktuell versuchten neue Wettbewerber wie zum Beispiel Energiekonzerne auf diesen Markt zu drängen.

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