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Autohaus Thomas Rudolph: Gut gepflegt in die Zukunft

| Autor: Jan Rosenow

Das VW-Autohaus Rudolph im sächsischen Oelsnitz geht die Zukunft mit einer selbst kreierten Marke an. Unter dem Label Carissimi vermarktet das Unternehmen Fahrzeugpflege und Individualisierung – und ist damit einer der Top-Teilnehmer am Service Award 2019.

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Das Autohaus Rudolph aus Oelsnitz hat sich unter der Marke Carissimi einen Namen gemacht als Spezialist für die Individualisierung von Autos.
Das Autohaus Rudolph aus Oelsnitz hat sich unter der Marke Carissimi einen Namen gemacht als Spezialist für die Individualisierung von Autos.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Schon der erste Rundgang auf dem geräumigen Firmengelände des VW-Autohauses Rudolph zeigt: Für einen Familienbetrieb im ländlichen Raum ist das Angebot ungewöhnlich umfassend. Eine Flotte attraktiv beklebter Transporter steht für gewerbliche Kunden als Ersatzfahrzeuge bereit. Eine eigene Gastankstelle und mehrere Ladestationen richten sich an Besitzer von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Und im Eingangsbereich ist eine ganze Wand zur Werbefläche umgestaltet. Werbung für Carissimi, die selbst entwickelte Marke für Fahrzeugaufbereitung und -individualisierung des Autohauses Rudolph.

Inhaber Thomas Rudolph, der den Betrieb Anfang 2018 von seinen Eltern übernommen hat, erklärt, was es damit auf sich hat: „Mit Carissimi wollen wir gegen den Rückgang der Serviceaufträge ankämpfen, den wir für die Zukunft befürchten.“

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Unter Carissimi laufen Dienstleistungen wie Fahrzeugpflege und -aufbereitung, Hohlraumkonservierung, Folierung, Smart Repair und Felgenaufbereitung. Diese will Thomas Rudolph nicht nur seinen Stammkunden anbieten, sondern auch überregional vermarkten. Dabei denkt er sogar an Kundengruppen, die ein normaler Pkw-Betrieb nicht auf dem Schirm hat, beispielsweise Speditionen, die die Fahrerkabinen ihrer Lkws grundreinigen lassen, bevor diese als Gebrauchtwagen weiterverkauft werden.

Auch wenn es nicht die Ursache für die Begründung dieses Geschäftsfelds gewesen sein mag, so kehrt der Betrieb auf diese Weise doch zu seinen Wurzeln zurück: Gegründet wurde er 1977 von Thomas Rudolphs Vater als Autopflegebetrieb. Nach der Wende startete er als freie Werkstatt durch, bevor er 1993 einen Volkswagen-Vertrag übernahm. 1995 wurde das heutige Geschäftslokal am Rande von Oelsnitz im Erzgebirge gebaut, einer Kleinstadt etwa 20 Kilometer südwestlich von Chemnitz.

Mehr verkaufte Stunden trotz weniger Serviceaufträgen

Doch zurück zu Carissimi. Der positive Effekt zeigt sich bereits heute: Trotz insgesamt weniger Serviceaufträgen hat der Betrieb die Zahl der verkauften Stunden spürbar steigern können. „Dabei fangen wir jetzt erst richtig mit der Vermarktung an“, ergänzt Thomas Rudolph. Für ihn war es wichtig, dass seine Leute zuerst technisch topfit im neuen Geschäftsfeld sind. „Wir haben einen eigenen Verantwortlichen für Carissimi bestimmt. Und man braucht die richtigen Leute dafür; sie müssen alle den gleichen Qualitätsanspruch haben“, berichtet der Unternehmer.

Auch komplexe Verfahren wie etwa die Felgenaufbereitung mit dem Wheel Doctor erfordern viel Erfahrung, wenn das Ergebnis überzeugen soll. Vor allem mit dieser Dienstleistung will er überregionale Kunden gewinnen, denn realistischerweise schätzt er den Anteil seiner Stammkunden, die teure 19- und 20-Zöller fahren, als gering ein.

Um genügend Platz für die neuen Tätigkeiten zu haben, hat Rudolph eine an das Betriebsgelände angrenzende ehemalige Industriehalle gekauft. Dort sind nun die Karosserieabteilung sowie die Aufbereiter eingezogen. In der bisherigen „Klempnerei“ entsteht ein Elektroauto-Arbeitsplatz.

Außendienstler betreut Firmenkunden

Carissimi ist aber nur ein Punkt, mit dem Thomas Rudolph die Jury überzeugt hat. Jüngst hat er einen Außendienstler eingestellt, der Fuhrparkkunden akquirieren und betreuen soll. Es gibt zwar wenige große Firmen in der Nähe, aber dafür viele kleine, „und die freuen sich richtig, wenn sie einen eigenen Betreuer haben“, hat Thomas Rudolph beobachtet. Außerdem richtet er seine Werbung mehr auf das nahe Chemnitz aus, denn viele Fahrzeugbesitzer von dort sind schneller nach Oelsnitz gefahren als innerhalb der Großstadt zu einem anderen VW-Partner.

Service Award 2019: Veränderung bringt Vorsprung

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Bei allen Digitalisierungs- und Vernetzungskonzepten von Volkswagen gehört der Inhaber zu den „Early Adoptern“. Die mobile Direktannahme per iPad ist Standard, die Kunden können auf dem Tablet sogar den Auftrag unterschreiben. Und um das Vernetzungskonzept Car-Net bestmöglich zu nutzen, hat er eine Arbeitsgruppe gebildet, die mit Vertretern aus Verkauf und Service besetzt ist. Ziel ist es, dass möglichst jeder Gebrauchtwagen mit dem Data-Plug ausgestattet wird, dem Volkswagen-eigenen OBD-Dongle. Für die Halter älterer Fahrzeuge gibt es zudem eine eigene Kundenkarte.

Die Elektromobilität ist schon längst angekommen

Die Ladestationen auf dem Betriebsgelände zeigen, dass auch die Elektromobilität im Autohaus Rudolph längst angekommen ist. Thomas Rudolph hat bereits Hochvoltexperten in seiner Werkstattmannschaft und will zudem Partner für Batteriereparaturen bei Volkswagen werden.

Innerhalb von weniger als zwei Jahren hat Thomas Rudolph den elterlichen Betrieb neu ausgerichtet und zukunftsfähig gemacht – und das mit finanziellem Augenmaß und vielen eigenen Ideen. Insbesondere das Carissimi-Konzept als Vermarktungsplattform für autohauseigene Dienstleistungen hat die Jury überzeugt und dem Autohaus einen Platz in der Liste der zehn Besten eingebracht. Auch wenn die Zeiten nicht leicht sind für mittelständische Autohäuser mit nur einem Standort und einer Marke – das Autohaus Rudolph dürfte langfristig zu den Gewinnern gehören.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE