AvD: Pionier der Kfz-Versicherung startet vor 120 Jahren

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Der AvD hebt den Großen Preis von Deutschland aus Taufe

Wenige Wochen später endet nicht nur der Krieg, sondern mit der Abdankung Wilhelms II. auch die Monarchie in Deutschland. Und wenngleich politisch stets neutral, wollen und können sich auch die Mitglieder des K.A.C. dem demokratischen Aufbruch, der Deutschland erfasst, nicht entgegenstellen; sie benennen ihre Vereinigung in „Automobilclub von Deutschland“ um. Trotz einer oft instabilen politischen Situation sowie hoher Reparationszahlungen an die Siegermächte ist die sogenannte „Weimarer Republik“ geprägt von Aufbruchstimmung und einer offenen Fortschrittlichkeit. Bereits 1921 wird am südwestlichen Rande Berlins die AVUS (Automobil- Versuchs- und Übungsstraße) eröffnet, deren Bau maßgeblich durch den AvD gefördert und unterstützt worden war. Die Rennen entwickeln sich rasch zu einem auch international viel beachteten Publikumsmagneten, was nicht zuletzt an der legendären Steilkurve liegt, durch die die Teilnehmer in ihren brachialen Boliden mit maximalem Tempo brausen.

Die AVUS ist auch Austragungsort des ersten Großen Preis von Deutschland, den der AvD 1926 veranstaltet. Den Premierensieg erringt ein gewisser Rudolf Caracciola aus dem verwunschenen Remagen am Rhein, gemeinsam mit Beifahrer Wilhelm Sebastian auf Mercedes-Benz. Insgesamt wird Caracciola noch fünf weitere Siege bei diesen Rennen einfahren und damit bis heute die Liste der erfolgreichsten Teilnehmer anführen. Im darauf folgenden Jahr verlegt der AvD den Großen Preis von Deutschland auf den wenige Tage zuvor eingeweihten Nürburgring, wo das Rennen bis 1976 ausgetragen wird.

„Bestallungsurkunde“ als Vorläufer des heutigen Führerscheins

In den Großstädten herrschen währenddessen mitunter chaotische Verkehrsverhältnisse. Das liegt nicht allein an der steigenden Zahl der Autos, die sich mit Pferdefuhrwerken, Straßenbahnen, Bussen, Fußgängern und Lastwagen arrangieren müssen, sondern noch viel mehr an den einzelnen Verkehrsteilnehmern selbst, die sich durch eine weitgehende Unkenntnis der Verkehrsregeln auszeichnen. Damit zumindest die professionellen Kraftwagenfahrer einen Beleg für ihr Wissen und ihre Zuverlässigkeit vorweisen können, stellt der AvD ihnen eine sogenannte „Bestallungsurkunde“ aus und lanciert damit den Vorläufer des heutigen Führerscheins.

Als 1933 die NSDAP bei den Reichstagswahlen zur stärksten Kraft wird, und um der Gleichschaltung in der Einheitsfront der deutschen Kraftfahrer und der Eingliederung in den „Der Deutsche Automobil-Club“ (DDAC) zu entgehen, ändert der AvD im Jahr 1934 seine Satzung. Damit einher geht eine Namensänderung in „Deutscher Ausland-Club e. V.“ (DAC) sowie die Aufgabe der automobilen Tradition. 15 Jahre später liegt Deutschland nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg in Trümmern. Sämtliche staatlichen Strukturen sind vorerst zusammengebrochen. Die Siegermächte haben das Land in vier Besatzungszonen mit jeweils eigenen Militärverwaltungen aufgeteilt. Aus Sorge vor Racheakten und Partisanen, den sogenannten „Wehrwölfen“, ist die Reisefreiheit zunächst innerhalb und besonders zwischen den einzelnen Zonen erheblich eingeschränkt.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group