AvD: Pionier der Kfz-Versicherung startet vor 120 Jahren

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Neustart nach dem Zusammenbruch: Aus DAC wird wieder AvD

Bereits im Winter 1947/48 verlauten aus der sowjetischen Zone die ersten Vorschläge zur Wiederbelebung des AvD. Zwar wird die Idee auch in den westlichen Zonen von einstigen AvD-Mitgliedern gerne aufgegriffen, doch die Umsetzung beansprucht neben erheblichem Engagement auch viel Zeit. Hinzu kommt, dass die ehemaligen Mitglieder von AvD und DAC durch die Kriegswirren mehrheitlich in alle Winde verstreut sind und mangels zuverlässigem Meldewesen teils nicht auffindbar sind, teils in Internierung oder Gefangenschaft sitzen und teils im Exil leben. Dennoch findet sich eine Gruppe von Optimisten, die überzeugt sind, den Geist des ursprünglichen AvD wieder erwecken zu können. Mit viel persönlichem Einsatz, tatkräftiger Initiative und entschlossenem Zupacken gelingt es ihnen, die Grundlage für den Wiederaufbau zu schaffen.

Mitte Mai 1948 kommt es zu einem Treffen von Verleger August Christ, Georg Zettritz und Ministerialrat Dr. Eras, bei dem die Grundlagen und die Zielsetzung einer Wiederbegründung besprochen werden. Für den 5. Juni 1948 wird das erste informelle Treffen im Wiesbadener Hansa-Hotel einberufen – einschließlich der Bitte an die Teilnehmer, Getränke und Verpflegung selbst mitzubringen. Doch obgleich die Idee der Wiedererweckung unter den Teilnehmern sofort begeisterte Zustimmung erfährt, hängt der Erfolg kurz vor der bereits absehbaren Währungsreform am sprichwörtlich seidenen Faden. Der Erfolg der Bemühungen stellt sich dennoch ein: Binnen weniger Wochen schreiben sich Hunderte ehemaliger AvD-Mitglieder in die Listen für die Neugründung ein, und der Gründungsfonds sammelt 40.000 Deutsche Mark (DM).

Erstes AvD-Präsidium vereint zahlreiche große Namen

Am 6. November 1948 kommt es im Saal des Kurhauses von Königstein im Taunus zur Wiederbegründungsversammlung des Automobilclubs von Deutschland e. V.: Es wird eine neue AvD-Satzung verabschiedet und ein Präsidium sowie ein Repräsentanten-Ausschuss als Vertretung der angeschlossenen Ortsvereine gewählt. Der ehemalige hessische Ministerpräsident und Rektor der Universität Heidelberg, Professor Dr. Karl Geiler, wird der vierte Präsident in der AvD-Geschichte. Als Vizepräsidenten fungieren Carl Max Graf von und zu Sandizell sowie Georg Zettritz, als Sportpräsident der Rennfahrer Manfred von Brauchitsch. Zu den weiteren Funktionsträgern zählen unter anderem Dr. Heinrich von Brentano, Bundesaußenminister im ersten Kabinett Adenauer, sowie Dr. Harald Koch, Hessischer Minister für Verkehr und Wirtschaft.

Da das ehemalige AvD-Haus in Berlin dem Krieg zum Opfer gefallen war, die Hauptstadt durch die Blockade der Sowjets nicht zu erreichen ist und über die Luftbrücke versorgt werden muss, sucht der wiederbegründete AvD eine neue Heimat in Frankfurt am Main. Als Übergangsquartier nutzt der Club zunächst zwei Räume, die ihm die Deutsche Turnerschaft in der Arndtstraße 9 zur Verfügung stellt. Aufgrund der allgemein schlechten Versorgungslage müssen anfänglich Holz und Kohlen zum Heizen in den Aktentaschen mitgebracht werden. Dennoch ist man so erfolgreich, dass bald auch in München, Baden-Baden, Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Krefeld, Hagen, Dortmund, Essen, Aachen, Wiesbaden, Braunschweig, Bremen, und Hamburg Orts- bzw. Korporativclubs wieder ins Leben gerufen werden.

Bis Ende 1949 steigt die Mitgliederzahl von 483 auf 1.541 Personen und überspringt im Verlauf des Jahres 1952 dann die 4.000er-Marke. In diesem Jahr bezieht der AvD zudem sein erstes eigenes Clubhaus der Nachkriegszeit in der Fürstenberger Straße im Frankfurter-Westend. Doch schon bald wird das Gebäude zu klein. Bereits 1955 wechselt der AvD seinen Sitz in eine mondäne Stadtvilla am Mainufer. Ende der Sechzigerjahre manifestiert sich die positive Einstellung des AvD in dem Beschluss, ein eigenes Bürogebäude als neue Clubzentrale in Frankfurt Niederrad (Lyoner Straße) zu bauen, dessen moderner Entwurf sich deutlich an der richtungsweisenden US-amerikanischen Architektur jener Zeit orientiert. Bis heute ist der Automobilclub von Deutschland in Frankfurt am Main beheimatet. Im Jahr 2017 wird die neue Hauptverwaltung in der Goldsteinstraße 237 im Frankfurter-Quartier Goldstein fertigstellt, die den Club heute beheimatet.

Der AvD bündelt und vertritt seit 1899 die Interessen der Autofahrer. Mit seiner breiten Palette an Services wie der weltweiten Pannenhilfe, einschließlich einer eigenen Notrufzentrale im Haus, weltweitem Auto- und Reiseschutz, Fahrertrainings und attraktiven Events unterstützt der AvD die Mobilität seiner Mitglieder und fördert die allgemeine Verkehrssicherheit. Das Gründungsmitglied des Automobilweltverbandes FIA betreut rund 1,4 Millionen Mitglieder.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group