AvD: Pionier der Kfz-Versicherung startet vor 120 Jahren

Gründervater des automobilen Weltverbands

| Autor: Steffen Dominsky

Älter als der ADAC: Der AvD feiert in diesem Jahr sein 120-jähriges Bestehen.
Älter als der ADAC: Der AvD feiert in diesem Jahr sein 120-jähriges Bestehen. (Bild: AvD)

Wie kaum eine andere technische Innovation hatte die Erfindung des Automobils die Mobilität und die Freiheit der Menschen revolutioniert. In den Jahren, nachdem Gottlieb Daimler und Carl Benz 1886 unabhängig voneinander Fahrzeuge mit schnelllaufenden Verbrennungsmotoren zum Patent angemeldet und Berta Benz 1888 die erste Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim unternommen hatte, erlebt das Auto weltweit einen bis dahin beispiellosen Siegeszug. Zu einer der führenden Auto-Nationen entwickelte sich frühzeitig Frankreich. Das Land hatte eine prosperierende Automobilwirtschaft und startete viel beachtete Rennveranstaltungen, die die Bevölkerung für das Auto begeisterten.

Der neu gegründete „Deutsche Automobil-Club“ (DAC) erkennt damals den Handlungsbedarf in der Heimat des Automobils und schreibt die „Pflege des Automobilsports“ als Vereinszweck in seiner Satzung fest. Bereits 1900 veranstaltet er das erste Bahnrennen nahe Frankfurt am Main. 1904 beteiligt sich der DAC nicht nur an der Ausrichtung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), sondern fungiert auch als Veranstalter des erstmals auf deutschem Boden ausgetragenen Gordon-Bennet-Rennens – Austragungsort ist Bad Homburg vor der Höhe. Es begeistert als „Nationenpreis“ über hunderttausend Zuschauer aus dem In- und Ausland sowie die gesamte internationale Presse.

Im Anschluss an das Rennen kommen auf Initiative des DAC am 20. Juni die Vertreter der anwesenden internationalen Automobil-Clubs zusammen. Auf Anregung des DAC Präsidenten Herzog von Ratibor, der die Zusammenkunft als Vorsitzender leitet, wird die Gründung der „Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus“ (AIACR) beschlossen, die als weltumfassende Organisation die Förderung des Automobilsports und des neuen Verkehrsmittels Auto zum Ziel hat. Aus der AIACR wird im Jahr 1946 der Automobilweltverband FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) hervorgehen.

Die Kfz-Versicherung – eine Erfindung des K.A.C.

Vom vielschichtigen Engagement zeigt sich nun auch der zunächst skeptische Kaiser Wilhelm II. angetan und übernimmt 1904 die ihm angetragene Schirmherrschaft über den DAC. Der darf sich fortan „Kaiserlicher Automobil-Club“ (K.A.C.) nennen und bezieht als adäquates Clubhaus das am 27. Mai 1905 eingeweihte Palais Bleichröder im Herzen Berlins. An seiner Stelle am Leipziger Platz findet sich heute das moderne AvD-Palais. Der eigentliche „Petrolhead“ in der Kaiserfamilie ist allerdings Wilhelms jüngerer Bruder Heinrich, der auch als Erfinder des Scheibenwischers Autogeschichte schreibt. Zu seinen Ehren richtet der K.A.C. von 1907 bis 1911 das erste mehrtägige Langstrecken-Rennen unter der Bezeichnung „Prinz-Heinrich-Fahrt“ aus, bei dem die teilnehmenden Tourenwagen in mehreren Etappen eine Gesamtstrecke von rund 2.000 Kilometern quer durch das Reichsgebiet zurückzulegen haben.

Als 1918 bereits das Ende des 1. Weltkriegs erkennbar ist, denkt man beim K.A.C. bereits an die Zukunft – genauer gesagt, die automobile Zukunft. Denn es zeichnet sich deutlich ab, dass die 1913 von Henry Ford eingeführte Fließbandproduktion auch in den europäischen Autofabriken Einzug halten wird und die so deutlich günstiger produzierbaren Fahrzeuge für eine neue, breitere Schicht der Gesellschaft erschwinglich werden. Um die steigende Zahl der Autofahrer gegen die Risiken des in den Großstädten immer dichteren Straßenverkehrs abzusichern, gründet der K.A.C. zusammen mit der Allianz die Versicherung „Kraft“ als erste Kfz-Versicherung Deutschlands.

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