Beste Mechatronikerin lernt Handwerk im Klassik-Betrieb

Autor Steffen Dominsky

Sie liebt es, an Oldtimern zu schrauben, und fährt für ihr Leben gern Motorrad. Jetzt hat die 24-jährige Rebecca Rietl ihre Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin als Innungsbeste abgeschlossen. Gelernt hat sie beim Mercedes-Klassik-Spezialisten Kienle.

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Rebecca Rietl hat den besten Abschluss der 60 Prüflinge aus dem Kreis Ludwigsburg geschafft.
Rebecca Rietl hat den besten Abschluss der 60 Prüflinge aus dem Kreis Ludwigsburg geschafft.
(Bild: Kienle)

In dem auf die Restaurierung von hochwertigen Mercedes-Benz-Klassikern spezialisierten Familienbetrieb Kienle Automobiltechnik in Heimerdingen bei Stuttgart arbeitet die beste Kfz-Mechatronikerin der Kraftfahrzeuginnung Ludwigsburg: Rebecca Rietl. Die junge Frau hat soeben ihre Ausbildung beendet und mit einem Notendurchschnitt von 1,9 das beste Prüfungsergebnis bei den Abschlussprüfungen 2018 des Landkreises Ludwigsburg erzielt.

Rietl hat den Beruf der Kfz-Mechatronikerin beim Kienle-Werkstattleiter und Ausbilder Matthias Paprotka gründlich gelernt und sich bereits während der Ausbildung als besonders fleißige, geschickte und talentierte Handwerkerin hervorgetan. Dabei hat sie eine Ausbildung zur „Kfz-Mechatronikerin mit Zusatzqualifikation für Old- und Youngtimertechnik“ durchlaufen – und auch hier in der Abschlussprüfung Bestnoten erzielt.

Bei der Siegerehrung wurde gleichzeitig auch der Ausbildungsbetrieb von Rebecca Rietl geehrt: Kienle Automobiltechnik. Der Betrieb ist weltweit führend in der Restaurierung hochwertiger Mercedes-Benz-Klassiker und mit rund 80 Fachkräften eines der größten Familienunternehmen auf diesem Gebiet. Erst vor Kurzem sicherte sich der Betrieb einen Millionenauftrag zur Restaurierung des Mercedes-Fuhrparks eines südostasiatischen Königshauses.

In seinem 34-jährigen Bestehen hat Kienle ein einzigartiges Know-how gesammelt, von dem lernwillige Auszubildende profitieren können: „In unserer Branche gibt es zu wenig gut ausgebildete Fachkräfte. Deshalb ist es mir ein ernstes Anliegen, qualifizierten Nachwuchs in meinem Betrieb auszubilden“, sagt Firmenchef Klaus Kienle und ergänzt: „Wir bieten stets zehn bis zwölf jungen Menschen die Chance, sich gründlich auf ihren künftigen Beruf vorzubereiten – und unsere Ausbildungsmeister sind erfahrene Fachleute, die ihr Wissen gerne weitergeben.“

Eine „ganz normale“ Frau

Was zuerst an der zierlichen Frau in Kienle-Arbeitskleidung auffällt: Wenn Rebecca Rietl zur Begrüßung die Hand drückt, packt sie zu wie ein echter Kerl. Und auch in der Werkstatt steht die charmante 24-jährige Auto-Mechatronikerin ihren Mann. Bei ihren Kollegen hat sie sich bereits vor Abschluss ihrer Lehre Respekt verschafft: „Durch meinen großen Bruder bin ich auch auf einen robusten Umgang vorbereitet – doch meine Kollegen benehmen sich ausnahmslos anständig.“

Ihre Arbeit verrichtet sie mit Kompetenz, Elan und vollem Einsatz. Auch das ist kein Wunder: Seit ihrer Kindheit hat sie zusammen mit ihrem Vater an Autos geschraubt, besitzt deshalb eine gute autodidaktische Vorbildung – und hatte so seit jeher nur ein Berufsziel: Auto-Mechanikerin. Das verfolgte sie zielstrebig: Nach ihrem Realschulabschluss bewarb sie sich bei Porsche für einen Kfz-Mechatroniker-Ausbildungsplatz – und wurde abgelehnt. Die Folge: Rebecca besuchte ein technisches Gymnasium und machte ihr Abitur, stellte fest, dass ihr Berufswunsch immer noch glühte und ihr das Büffeln und Studieren nicht lag. So bewarb sie sich – erfolgreich – bei Kienle.

Privat fährt sie seit ihrem 18. Lebensjahr einen Opel Corsa B und Opel Zafira A („aus praktischen Transport-Erwägungen“). Doch im Sommer pendelt sie meist mit ihrer BMW F 800 R die Strecke zwischen ihrem Zuhause und der Werkstatt. Fahrtzeit: eine Dreiviertel-Stunde. Neben der Schrauberei – auch an dem Familien-Oldie, einem Fiat 850 – bleibt ihr neben dem Motorradfahren nur begrenzte Zeit für ihr drittes Hobby: Torten backen. „Aber in Konditorqualität“, betont sie. Auch die Arbeit in der Kienle-Werkstatt füllt sie aus – sie wird in Heimerdingen weiterarbeiten und ihr nächstes Berufsziel verfolgen: Kfz-Meisterin.

Zusatzqualifikation Old- und Youngtimertechnik System Region Stuttgart

Seit September 2014 bietet die Kfz-Innung Stuttgart jungen Menschen die Zusatzqualifikation Old- und Youngtimertechnik „System Region Stuttgart“. Dieses lehnt sich an das ursprüngliche ZDK-Modell an, ist aber eine für die Innungs-/Betriebsbedürfnisse angepasste Version. „Die Innung tut das mit Leidenschaft und Erfolg, weil ihr die Oldtimer am Herzen liegen“, sagt Obermeister Torsten Treiber. „Oldtimerfachmann oder -frau ist bei uns Thema für die Ausbildung und Gegenstand eines Modellprojektes in der Region Stuttgart. Es qualifiziert junge Kraftfahrzeugmechatronikerinnen und -mechatroniker in Ludwigsburg mit rund 100 Schülern und in Backnang mit 30 Schülern in guter, alter Technik. Ein weiterer Ausbildungsgang läuft bei der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule Nürtingen, mit ebenfalls 30 Azubis in der Oldtimer-Zusatzausbildung. Die notwendigen Kenntnisse werden während der 3,5-jährigen Ausbildung an der Berufsschule und in überbetrieblichen Lehrgängen ausbildungsbegleitend vermittelt.

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