Kienle restauriert Königskarossen im Millionenwert

Autor: Steffen Dominsky

Bei Kienle ist der Kunde wirklich König: Ein südostasiatisches Königshaus hat dem auf klassische Mercedes-Benz-Fahrzeuge spezialisierten Familienbetrieb Kienle Automobiltechnik einen millionenschweren Restaurierungsauftrag beschert.

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Arbeit für zwei bis drei Jahre: Vier wertvolle Mercedes-Modelle zu Gast bei Kienle Automobiltechnik.
Arbeit für zwei bis drei Jahre: Vier wertvolle Mercedes-Modelle zu Gast bei Kienle Automobiltechnik.
(Bild: Kienle Automobiltechnik)

Elvis Presley, Gunter Sachs, John Lennon und Elizabeth Taylor fuhren ihn. Aber auch politische Prominenz wie Kim Jong Il, Nicolae Ceausescu, Leonid Breschnew und Saddam Hussein nannten einen Mercedes 600 ihr Eigen. Obwohl von 1964 bis 1981 hergestellt, setzte Daimler-Benz in diesem Zeitraum auf den ersten Blick „nur“ 2.677 Stück seines Luxus- bzw. Repräsentationswagens ab. Eine Zahl, die sich schnell relativiert, blickt man auf alte Preislisten zurück: 63.500 Mark verlangten die Stuttgarter hierzulande anfangs für den 600 Pullman. Das war der Gegenwert von sage und schreibe 15 VW Käfer.

Ein hoher Prozentsatz der produzierten Nobelkarossen hat die letzten Jahrzehnte überstanden: Dennoch sind viele von ihnen sprichwörtlich in die Jahre gekommen, verlangen nach einer Überholung oder sogar Restaurierung. Einen entsprechenden Kundenauftrag für gleich zwei 600er, dazu für zwei weitere noch wertvollere Vorkriegsmodelle, hat jetzt Kienle Automobiltechnik an Land gezogen.

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Die Restaurationsschmiede aus Schwaben, die auf Mercedes-Benz spezialisiert ist, hat von einem südostasiatischen Königshaus den millionenschweren Großauftrag erhalten: Zwei Mercedes-Benz 600 Pullman-Limousinen der Baujahre 1971 und 1973, einen Mercedes-Benz 540 K Spezial-Roadster, Baujahr 1936, und ein Mercedes-Benz 540 K Cabriolet A, Baujahr 1937, soll das Familienunternehmen in den nächsten Jahren aufwendig und von Grund auf restaurieren. Die vier Restaurierungsobjekte trafen kürzlich in Heimerdingen bei Stuttgart ein. Hier werden sie in den nächsten Wochen und Monaten fachgerecht demontiert, untersucht und nach Überarbeitung oder Erneuerung verschlissener oder defekter Teile sorgfältig wieder zusammengebaut.

Jedes der vier Automobile wurde von Angehörigen des Königshauses als Neuwagen gekauft und befindet sich seitdem ununterbrochen in Familienbesitz. „Mit den bereits laufenden Arbeiten an anderen Projekten und diesem zusätzlichen Großauftrag sind die 85 Restaurierungsspezialisten in unserer Werkstatt für die nächsten Jahre in den entsprechenden Abteilungen gut ausgelastet“, erklärt Firmeninhaber Klaus Kienle. Die beiden 600er sind zwar äußerlich betrachtet in gutem Zustand, doch weist die Mechanik teilweise starken Verschleiß auf, und die hochkomplizierte Hydraulik funktioniert nicht mehr.

Arbeit für zwei bis drei Jahre

Auch die beiden Vorkriegs-Mercedes, die sich in unrestauriertem Originalzustand befinden, sind reparaturbedürftig und werden nach Originalunterlagen zum Auslieferungszustand restauriert. Welchen Umfang die Arbeiten annehmen werden, lässt sich jedoch erst nach einer detaillierten Analyse mit Teildemontage genau abschätzen.

Die beiden Kompressor-Achtzylinder-Mercedes gehören zu den besonders hochwertigen Klassikern: Vom 540 K Spezial-Roadster wurden von 1936 bis 1939 nur 25 Exemplare in Handarbeit im Sindelfinger Mercedes-Benz-Werk gefertigt. Das Cabriolet A des 540 K brachte es auf 83 Einheiten. Sie gehören heutzutage zu den wertvollsten Klassikern – bei Auktionen erreicht besonders der Spezial-Roadster Preise bis an die Zehn-Millionen-Euro-Grenze.

Kienle rechnet mit einem Aufwand von über 4.000 Arbeitsstunden für die Restaurierung jedes der beiden 600er-Modelle und mit über 8.000 Stunden für jeden der beiden Vorkriegsmodelle. Die zu restaurierenden Fahrzeuge waren Jahrzehnte stillgelegt, sodass sie wahrscheinlich auch starke Standschäden aufweisen. Die Restaurierungen sollen in zwei bis drei Jahren abgeschlossen sein. Die Kosten dürften sich insgesamt auf einen zweistelligen Euro-Millionenbetrag summieren.

Über Kienle: In über 33 Jahren hat sich Kienle Automobiltechnik mit zahlreichen Restaurierungen von Mercedes-Benz-Klassikern eine internationale Reputation erarbeitet. Kunden aus der ganzen Welt vertrauen dem Unternehmen ihre automobilen Schätze zum Warten, Instandsetzen und Restaurieren an. Geführt wird das 1984 gegründete Unternehmen von Klaus Kienle in Zusammenarbeit mit seinen Söhnen Alexander sowie Marc. Mit einem Ersatzteilvorrat von mehr als 40.000 Positionen an neuen und gebrauchten Teilen für Mercedes-Oldtimer und -Youngtimer gehört die Heimerdinger Firma weltweit zu den größten Anbietern der Branche. Zudem handelt Kienle mit automobilen Klassikern.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group