Bis zu 80.000 Arbeitsplätze drohen durch den Transformationsprozess der Automobilwirtschaft bis 2030 allein in Deutschland verloren zu gehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die auf der Fachtagung des Strategiedialogs des Landes Baden-Württemberg in Brüssel vorgestellt wurde.
Die sechste Fachtagung des Strategiedialogs von Baden-Württemberg in Brüssel (v.l.) : Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG, Dr. Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, Barbara Frenkel, Mitglied des Vorstands der Dr. Ing h.c. F. Porsche AG, und Regierungssprecher Matthias Gauger.
(Bild: KDBUSCH.com)
Das Kfz-Gewerbe steht bedingt durch die Transformation der Automobilwirtschaft vor enormen Herausforderungen: Während die Einnahmen und die Zahl der Aufträge sinken, müssen Betriebe gleichzeitig kräftig investieren. Zudem gehen durch die zunehmende Digitalisierung und die Änderung der Vertriebsstrukturen Arbeitsplätze verloren.
Die Zahl der im Kfz-Gewerbe Beschäftigen wird bundesweit bis zum Jahr 2030 um 18 Prozent bzw. 80.000 sinken. Das ist zumindest das Zwischenergebnis einer Studie der baden-württembergischen Landesregierung, die am Donnerstag, 17. November, auf der sechsten Fachtagung Strategiedialog Automobilwirtschaft in der Landesvertretung in Brüssel vorgestellt wurde.
Thema der sechsten Fachtagung des 2017 gegründeten Strategiedialogs, in die auch das Kfz-Gewerbe des Landes eingebunden ist, war die Transformation der Automobilwirtschaft. Am Vorabend fand das Top-Level-Meeting zwischen den Spitzenvertretern des Automobilsektors, dem Bundesverkehrsminister Volker Wissing und der baden-württembergischen Landesregierung mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Brüssel statt. Daran teil nahmen auch Michael Ziegler, Präsident den Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß.
Europaweit sind vier Millionen Menschen im Kfz-Gewerbe beschäftigt
Auf der Fachtagung tauschten sich auf überregionaler Ebene Experten, Politiker und Entscheidungsträger über die aktuellen Herausforderungen des Veränderungsprozesses, möglichen Lösungsansätzen und Best-Practice-Beispiele aus.
Die Teilnehmer beschäftigten sich unter anderem mit den Herausforderungen beim Aufbau der Ladeinfrastruktur, der zunehmenden Digitalisierung des Autos und ihrer Auswirkung auf die Cybersicherheit sowie mit der Frage, wie sich die Transformation der Automobilwirtschaft auf die Beschäftigung im Kfz-Gewerbe auswirkt. Europaweit betroffen sind davon rund vier Millionen Menschen, die in den verschiedenen Bereichen des Kfz-Handels und -Handwerks beschäftigt sind.
Treffen in Brüssel bei der Fachtagung des Strategiedialogs des Landes Baden-Württemberg: Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Wüttemberg, Ministepräsident Winfried Kretschmann und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß.
(Bild: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg)
Wie Kfz-Handel und -Handwerk in Zukunft aussehen könnten, untersucht eine Studie der Landesregierung von Baden-Württemberg. Das Gutachten mit dem Titel „Transformation der Automobilwirtschaft: Beschäftigungseffekte im Kfz-Gewerbe – Analyse der Veränderungstreiber und Handlungsempfehlungen“ soll im Januar vorliegen und veröffentlicht werden. Ihre ersten Zwischenergebnisse erläuterten Professor Dr. Benedikt Maier von der Zukunftswerkstatt 4.0 und Dr. Florian Herrmann, stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, nun in Brüssel.
Die Studie der Landesregierung, die mit Unterstützung des Kfz-Gewerbes, e-Mobil, dem Fraunhofer Institut und dem IfA erstellt wurde, soll vor allem Antworten darauf geben, wie sich die Branche auf die tiefgreifenden Änderungen vorbereiten kann. Die Faktoren der zunehmenden Elektrifizierung und Digitalisierung werden den Handel und den Aftersales gleichermaßen betreffen – den Handel schon deutlich früher.
Tiefgreifende Veränderungen für das Kfz-Gewerbe
Zu den wichtigsten Veränderungen gehören: Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Fahrzeuge müssen die Marktteilnehmer auf die Fahrzeugdaten zugreifen können. Durch die Elektrofahrzeuge wird die Auftragslage in den Kfz-Werkstätten sinken, weil sie weniger repariert und gewartet werden müssen.
Zudem erhöhen moderne Fahrerassistenzsysteme die Fahrsicherheit und lassen die Zahl der Unfälle und damit die Reparaturaufträge in den Kfz-Betrieben sinken. Weil sich Fahrzeuge zukünftig vorwiegend aus der Ferne warten lassen, werden die Fahrzeughersteller auch dieses Geschäft selbst mehr nutzen.
Der Hochlauf der Elektromobilität verlangt neue Kompetenzen und Know-how im Handel und im Service. Durch die zunehmende Digitalisierung der Geschäftsprozesse nimmt in den einzelnen Bereichen der persönliche Kundenkontakt ab. Auch innerhalb der Betriebe werden Prozesse digitalisiert. Sowohl Hersteller als auch Autohäuser werden mit den Kunden über Onlineplattformen kommunizieren. Dadurch verändern sich auch die Jobprofile.
Auch die Umstellung der Vertriebsstrukturen hat große Auswirkungen: Der Hersteller bestimmt, wie er sein Produkt vertreibt. Laut Studie werden früher oder später alle Hersteller das Agenturmodell prüfen und testen. Beide Systeme, ob echtes oder unechtes Agenturmodell, bergen Risiken für den Handel. Der Onlinevertrieb wird zunehmen und das Arbeitsvolumen in den Autohäusern abnehmen.
Bis 2040 droht der Verlust von 120.000 Arbeitsplätzen
Die Studie rechnet damit, dass im Jahr 2030 zehn Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen werden, davon 30 Prozent im Direktvertrieb und 30 Prozent durch das Agenturmodell. Markenungebundene Betriebe werden laut Studie stärker betroffen sein, weil sie, auch bedingt durch die Betriebsgröße, mit den enormen Anforderungen nicht Schritt halten können.
Stand: 08.12.2025
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All diese Faktoren führen gemeinsam zu einem starken Rückgang der Beschäftigung im Kfz-Gewerbe, bis zum Jahr 2040 sogar um 28 Prozent bzw. 120.000 Arbeitsplätzen gegenüber dem Jahr 2022. Europaweit werden 1,4 Millionen Arbeitsplätze im Kfz-Gewerbe wegfallen.
Um gegenzusteuern, muss die Aus- und Weiterbildung in den Betrieben schneller angepasst werden, und es bedarf deutlich mehr staatlicher Förderungen sowie verbesserter wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen. Jedes Unternehmen muss frühzeitig eine Strategie erstellen, wo es im Jahr 2030 stehen will, sein Markenportfolio überprüfen und falls erforderlich bereinigen.
Das Kfz-Gewerbe als tragende Säule in den Prozess einbinden
Aufgrund dieser enormen Auswirkungen des Transformationsprozesses muss das Kfz-Gewerbe in die Ausgestaltung aktiv mit eingebunden werden. „Das Kfz-Gewerbe ist eine tragende Säule der Automobilbranche und besonders betroffen und muss deshalb berücksichtigt werden“, betonte Dr. Florian Herrmann, stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO.
Diese Position unterstützte Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, in der anschließenden Podiumsdiskussion. Vor allem die Folgen des Direktvertriebs durch den Hersteller seien für den Handel gefährlich.
Ziegler wies auf eine weitere für das Kfz-Gewerbe belastende Entwicklung hin: die Mobilitätswende, die die Zahl der Neuzulassungen um ein Drittel sinken lasse. Darauf müsse sich die Branche durch eine klare Fokussierung vorbereiten und sich mit neuen Geschäftsmodellen auseinandersetzen.