BYD: Daimler-Partner in Schwierigkeiten
Die Realität hat den aufstrebenden chinesischen Autobauer BYD eingeholt. Der Absatz brach 2010 ein, die E-Revolution stockt. Doch der Konzern hat weiterhin ambitionierte Ziele – und interessante Produkte.
Mit ihrer Elektroauto- und Batteriekompetenz ist die Firma BYD (Build your dreams) eine der Perlen der chinesischen Automobilindustrie. Doch die Expansionspläne der Chinesen hatten im vergangenen Jahr Schwierigkeiten, dem Anspruch des poetischen Unternehmensnamens gerecht zu werden. Konnte sich der Daimler-Partner 2009 noch über ein Verkaufsplus von 162 Prozent im Vergleich zum Vorjahr freuen, sackte das Wachstum im vergangenen Jahr auf 16 Prozent ab. „Die ursprüngliche Prognose von 800.000 Autoverkäufen mussten wir im Lauf des Jahres 2010 auf 600.000 nach unten korrigieren“, sagt BYD-Manager Paul Lin. Letztlich wurden es 520.000 Autos, darunter waren lediglich 417 Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Viele Händler reagierten sauer, einige lösten ihre Verträge auf.
Im vergangenen Jahr wurde BYD auch noch wegen angeblich illegaler Landnutzung von der chinesischen Regierung gemaßregelt. Wie die Zeitung China Daily berichtet, habe der Konzern nicht alle nötigen Genehmigungen zum Bau von Fabriken auf Farmland eingeholt.
Doch von solchen Rückschlägen unbeeindruckt treibt das Unternehmen sein ambitioniertes E-Auto-Programm weiter voran. Das neueste Produkt der Chinesen ist der S6 DM, ein Geländewagen mit Hybridantrieb. Ein 103 kW/140 PS starker Zweiliter-Benziner und zwei Elektromotoren teilen sich die Antriebsarbeit. Im Stadtverkehr genügt der Elektromotor an der Hinterachse zur Fortbewegung.
Seit Ende 2008 baut BYD zudem den Plug-In-Hybriden F3 DM (Dual Mode). Der Wagen wird von einem 50 kW/68 PS starken Dreizylinder-Benzinmotor mit einem Liter Hubraum, von einem ebenfalls 50 kW/68 PS starken Elektromotor oder von beiden Motoren zusammen angetrieben. Allein mit der in den Batterien gespeicherten Energie habe der Wagen eine Reichweite von rund 96 Kilometern, sagt BYD-Ingenieur Patrick Duan. Zusammen mit dem Benzinmotor steige die maximale Reichweite auf 560 Kilometer.
Gute Beschleunigung mit beiden Motoren
Die kleine Kompaktlimousine lässt sich simpel bedienen. Mit einem Hebel wählt man die Fahrstufen vorwärts oder rückwärts, mit zwei Schaltern auf der Mittelkonsole bringt man den Antrieb entweder in den rein elektrischen Modus (EV) oder in den Hybridmodus (HEV). Bei einer kurzen Probefahrt konnte der F3 DM beeindrucken: Im reinen Elektromodus ist selbst eine Beschleunigung mit Vollgas möglich, ohne dass der Benzinmotor einspringen muss. Im Hybridmodus sorgt die Kombination beider Motoren für einen enormen Anzug, wobei der Start des Verbrennungsmotors kaum spürbar ist. Ein farbiges Diagramm am Instrumentenbrett informiert den Fahrer über die aktuelle Energieverteilung des Hybridsystems.
„Im Elektromodus fährt der Wagen so lange wie möglich allein mit seinen Batterien“, sagt Patrick Duan. Die ruckfreie Beschleunigung und das reibungslose Zusammenspiel beider Motoren gefallen, die gefühllose Lenkung des Wagens weniger. Mit 4,5 Metern Länge bietet der F3 DM vier Passagieren recht bequem Platz, der Kofferraum ist allerdings ziemlich klein. In den USA will BYD den Wagen zum Preis von 28.800 Dollar pro Stück verkaufen. Zum Vergleich: Der Toyota Prius kostet ab 22.800 – allerdings ohne die elektrische Reichweite des BYD –, und der Chevrolet Volt 40.280 Dollar. Die Wohnungsbaubehörde der Stadt Los Angeles hat bereits zu Testzwecken zehn China-Hybride in ihren Fuhrpark aufgenommen.
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