BYD: Daimler-Partner in Schwierigkeiten

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Beim Export von Elektroautos hat BYD allerdings stark auf die Bremse getreten. Ursprünglich für 2010 geplant, soll der 4,5 Meter lange Stromer E6 nun erst 2012 in die USA kommen. Die Mischung aus Minivan und Kombi wird von einem 75 kW/102 PS starken Elektromotor angetrieben und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Für die US-Version habe man für bessere Crash-Sicherheit die Konstruktion des Wagens verstärkt, sagt BYD-Manager Paul Lin. Zudem wurde die Anordnung der Batteriepakete verändert, um mehr Platz im Innenraum zu schaffen. Was der Wagen in den USA kosten soll, verrät Lin nicht.

Zwei Millionen Kilometer ohne Probleme

BYD setzt im E6 und im Hybrid F3 DM Lithium-Eisenphosphat-Akkus ein. Diese Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Akkus gilt als sehr sicher für den Betrieb in Fahrzeugen, weil sich das Material nicht zersetzen kann. Allerdings ist die Kapazität etwas geringer als bei anderen Lithium-Ionen-Akkus. Im Stadtverkehr soll der E6 eine Reichweite von 300 Kilometern erzielen.

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In China ist das Elektroauto als Taxi in der Großstadt Shenzhen unterwegs, laut BYD wurden mit der Testflotte mehr als zwei Millionen Kilometer im Alltagsbetrieb ohne Probleme abgespult. „Die Taxen sind täglich im Schnitt 22 Stunden und 500 Kilometer lang unterwegs. Sie laden daher einmal am Tag an einer Schnellladestation auf“, so Paul Lin. Der Ladevorgang dauere 40 Minuten. 2011 will man die Taxen-Flotte angeblich auf 1.000 Fahrzeuge aufstocken.

Rein elektrischer Bus im Angebot

Der Automobilsektor ist für den Akku-Produzenten BYD nur ein Teil seiner Aktivitäten. Der Konzern entwickelt auch eine Reihe „grüner“ Produkte wie Solarzellen, Wechselrichter, solarbetriebene Straßenlaternen oder Energiesparlampen. BYD will sich in den drei Bereichen Solarenergie, Stromspeicherung und Elektromobilität als Anbieter von Systemlösungen etablieren. Auch einen rein elektrischen Bus haben die Chinesen im Angebot. Für den K9 suchen sie Käufer in den USA. In Los Angeles habe man bereits Interessenten gefunden, sagt Paul Lin.

Doch ausgerechnet die eigene Regierung legt der Expansion der chinesischen Autoindustrie nun Fesseln an. Die Stadtverwaltung in Peking will im Jahr 2011 beispielsweise nur 240.000 neue Nummernschilder vergeben, was gleichbedeutend ist mit einer Beschränkung der Pkw-Neuzulassungen. Denn ohne ein Pekinger Nummernschild darf man viele Stadtgebiete nur eingeschränkt befahren. Zum Ende jedes Monats werden 20.000 Lizenzen an Autokäufer verlost.

China begrenzt Neuzulassungen

Mit den drastischen Maßnahmen will man das Verkehrschaos in den Griff bekommen. 2005 rollten in Peking 2,6 Millionen Autos, 2010 waren es schon fast doppelt so viele. Einige Autobauer haben für den Schritt der Stadtverwaltung sogar Verständnis geäußert. Auch Paul Lin hält ihn grundsätzlich für richtig: „In China werden zu viele Autos produziert, die Infrastruktur kommt da einfach nicht hinterher“, sagt der BYD-Manager.

Wirklich geschockt vom Signal aus Peking waren vor allem die auf stetes Wachstum gepolten ausländischen Autobauer, die in China eine nie versiegende Quelle neuer Kunden sehen und das Riesenreich fest in ihre Expansionspläne integriert haben.

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