E-Fuel Alliance CO2-Flottenziele für Brummis gefährden Logistiksektor

Von Doris S. Pfaff 3 min Lesedauer

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Mit scharfer Kritik reagiert die E-Fuel Alliance auf den französischen Vorstoß im EU-Parlament, noch strengere CO2-Reduktionsziele zu fordern. Damit gefährde die EU die Wirtschaftlichkeit des europäischen Logistiksektors.

Die EU gefährde die Wirtschaftlichkeit und Existenz ganzer Logistikunternehmen in Europa, wenn sie bei der CO2-Flottenregulierung für schwere Nutzfahrzeuge keine klimaneutralen Kraftstoffe berücksichtige, so E-Fuel-Alliance-Geschäftsführer Ralf Diemer.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die EU gefährde die Wirtschaftlichkeit und Existenz ganzer Logistikunternehmen in Europa, wenn sie bei der CO2-Flottenregulierung für schwere Nutzfahrzeuge keine klimaneutralen Kraftstoffe berücksichtige, so E-Fuel-Alliance-Geschäftsführer Ralf Diemer.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Mit ihrem Entwurf zur CO2-Flottenregulierung schwerer Nutzfahrzeuge plant die EU-Kommission nach Ansicht der E-Fuel Alliance de facto ein Verbrennerverbot. Der Entwurf vom Februar sieht ein CO2-Reduktionsziel von 90 Prozent bis 2040 vor. Dabei werden nur durch das Fahrzeug verursachte CO2-Emissionen berücksichtigt.

Die nun erfolgte Forderung Frankreichs im EU-Parlament nach strengeren Zwischenzielen von 65 Prozent bis 2030, 95 Prozent bis 2035 und einer vollständigen Emissionsreduktion bis 2040 gefährdet nach Überzeugung der E-Fuel Alliance den gesamten europäischen Straßengüterverkehr. Denn eine Berücksichtigung von E-Fuels – außer Wasserstoff – sei für Lkw wie auch schon für Pkw nicht vorgesehen.

Die EU gefährde damit die Resilienz und Operabilität des europäischen Logistiksektors, mahnt Ralf Diemer, Geschäftsführer der E-Fuel Alliance: „73 Prozent aller auf dem Landweg beförderten Güter und Waren in der EU werden mittels Straßengüterverkehr transportiert, wovon mehr als 60 Prozent der Entfernungen zwischen 500 und 1.000 Kilometern liegen. Batteriegetriebene Lkw oder Fahrzeuge mit Brennstoffzellen allein können diese Fahrleistungen nicht zuverlässig abbilden. Hinzu kommt, dass eine abrupte Antriebsumstellung mit unvorhersehbaren Risiken in punkto Zuverlässigkeit, Preisstabilität, Flexibilität sowie Ladungsmengen einhergeht.“

Ambitionierte Beimischungen in Kraftstoffen berücksichtigen

Diemer fordert deshalb, auch E-Fuels zum Erreichen der Klimaziele zu berücksichtigen. Ein verstärkter Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe im Straßengüterverkehr durch ambitionierte Beimischungsquoten wirke sich positiv aus auf die Produktionskosten der synthetisch hergestellten Kraftstoffe und drücke zugleich die Preise für Verbraucher in der gesamten EU.

Schon jetzt steige die Beimischungsquote in fossilen Kraftstoffen. „Die aktuelle Gesetzgebung ignoriert, dass der reale Kraftstoffmix schon heute nicht zu 100 Prozent aus fossilen Kraftstoffen besteht. Mit einem Korrekturfaktor ließe sich der Anteil erneuerbarer Kraftstoffe am europäischen Kraftstoffmix widerspiegeln und die Auspuffemissionen würden um die entsprechenden Treibhausgaseinsparungen verringert werden“, so Diemer.

Eine so kurzfristige Umstellung der Antriebe gefährde seiner Ansicht nach die Existenz vieler Spediteure, insbesondere der vielen kleinen bis mittelständischen Unternehmen. Diese könnten nicht ohne weiteres in teure neue Technologien investieren.

Spediteuren fehlt Geld für kurzfristige Umstellung

Zugleich fehltem dem Logistiksektor noch die Voraussetzungen für die Antriebsumstellung. „Laut ACEA, dem europäischen Automobilherstellerverband, werden in Europa bis 2025 insgesamt 15.000 und bis 2030 50.000 Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge benötigt und diese sind bislang schlichtweg nicht existent. Dasselbe gilt für die Betankungsinfrastruktur von Wasserstoff. Wir brauchen dringend mehrere Technologiepfade, um die Operabilität unseres Logistiksektors zu sichern“, so Diemer.

Ähnlich der CO2-Flottenregulierung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge soll die Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge ebenfalls nur Emissionen berücksichtigen, die am Auspuff entstehen. Somit gelten nur solche Antriebe als klimafreundlich, die während der Anwendung kein CO2 ausstoßen – selbst wenn 100 Prozent klimaneutrale Kraftstoffe verwendet werden.

E-Trucks und Wasserstoff so nicht zukunftsfähig

„Mit fossilem Strom betriebene Elektrotrucks, mit grauem Wasserstoff betriebene Brennstoffzellentrucks oder Wasserstoffverbrenner als Nullemissionsfahrzeug zu deklarieren, mit CO2-neutralen E-Fuels angetriebene Verbrennerfahrzeuge jedoch nicht, konterkariert realen Klimaschutz. Hier geht es um pragmatische, bezahlbare und realisierbare Lösungen. Die Bestandsflotte darf nicht gegen Neufahrzeuge wirken, sondern wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz für maximalen Klimaschutz und funktionierende, bezahlbare Logistikketten“, fordert Diemer.

Der Geschäftsführer der E-Fuels Alliance, der neben vielen anderen Verbänden auch dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) angehört, hofft auf eine Kurskorrektur der EU. Anrechnungsoptionen für erneuerbare Kraftstoffe und einen technologieoffenen Ansatz fordern unter anderem Estland, die Tschechische Republik, die Slowakei, Ungarn, Portugal, Rumänien, Polen, Italien sowie Finnland.

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