24. Automobildialog Zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit

Von Nick Luhmann 4 min Lesedauer

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Klimaneutrale Mobilität ist nur mit regenerativen Kraftstoffen möglich. So lautet das Fazit des 24. Automobildialogs des ZDK. Thema diesmal waren Grenzen und Möglichkeiten von alternativen Kraftstoffen wie E-Fuels.

Die Referenten: (v. l.) Pauline Schur, Staatssekretär Christian Hirte, ZDK-Geschäftsführer Jürgen Hasler, Christian Nikola und Ralf Diemer.(Bild:  ZDK)
Die Referenten: (v. l.) Pauline Schur, Staatssekretär Christian Hirte, ZDK-Geschäftsführer Jürgen Hasler, Christian Nikola und Ralf Diemer.
(Bild: ZDK)

Wie können Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit der Branche gemeinsam erreicht werden? Dieser Frage widmete sich der 24. Automobildialog des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zum Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe im Straßenverkehr.

Der ZDK appellierte an den frisch gekürten Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Christian Hirte, im Zeitalter der E-Mobilität praktikable und markttaugliche Lösungen zur Erreichung der Klimaziele zu schaffen. Im Interesse des Kfz-Gewerbes und seiner Kunden stehen dabei gleichberechtigt regenerative Kraftstoffe im Fokus.

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Welchen Beitrag regenerative Kraftstoffe im Spannungsfeld zwischen Klima und Markt zur Defossilisierung im Verkehr leisten können, stand im Mittelpunkt der Diskussion vor rund 70 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der Berliner Hauptstadtrepräsentanz des ZDK. Welche Perspektiven für Umwelt, Wirtschaft und Mobilität bieten E-Fuels, Wasserstoff und Biokraftstoffe wie HVO 100, und wie lassen sich diese Energieträger in den Markt bringen?

Politik, Praxis und Perspektiven

Christian Hirte (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, betonte: „Erneuerbare Kraftstoffe sind ein unverzichtbarer Baustein, um die Klimaziele zu erreichen.“ Für die neue unionsgeführte Koalition sei Technologieoffenheit essenziell, und auch die EU-Kommission habe sich klar zu diesem Ansatz bekannt. Entscheidend sei, in Europa abgestimmt zu handeln, um die Automobilbranche zu stärken, statt sie zusätzlich zu belasten, so Hirte.

Die neue Bundesregierung wolle den Ausbau regenerativer Kraftstoffe engagierter vorantreiben als die Vorgängerregierung, kündigte Hirte an. „Da ist noch ein bisschen mehr möglich – und auch nötig.“ Das sollte besonders bei der anstehenden nationalen Umsetzung der EU-Richtlinie RED III genutzt werden. Hirte: „Das ist ein klares Bekenntnis, dass es neben der Elektromobilität weitere, gleichwertige Optionen geben muss.“

Der ZDK fordert in einem Positionspapier (am Ende des Beitrag angehängt) eine technologieoffene Regulierung, die alle klimafreundlichen Antriebe gleich behandelt. Zur Förderung regenerativer Kraftstoffe sollen bürokratische Hürden abgebaut, Produktionskapazitäten staatlich gefördert und finanzielle Anreize wie Steuererleichterungen und CO₂-Bepreisung geschaffen werden. Zudem soll deren CO₂-Minderungswirkung in der EU-Flottenregulierung angerechnet werden, um E-Mobilität und klimafreundliche Verbrenner gleichzustellen.

Wichtiger Beitrag durch erneuerbare Kraftstoffe

Ralf Diemer, Hauptgeschäftsführer der E-Fuel Alliance, forderte ein Zusammendenken von E-Mobilität und der Nutzung erneuerbarer Kraftstoffe. „Wir sind überzeugt, dass erneuerbare Kraftstoffe global und in allen Verkehrsbereichen ihren Teil zu einem klimaneutralen Energiesystem beitragen“, so Diemer. Eine einseitige, regulatorische Bevorzugung der Elektromobilität, bei der die Stromerzeugung außer Acht gelassen wird, lässt regenerative Kraftstoffe immer in einem schlechteren Licht erscheinen.

Aufgrund hoher Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe im Straßenverkehr ist die Zahlungsbereitschaft für diese modernen und klimaneutralen Energieträger höher und besser für den Markthochlauf geeignet als beispielsweise im Luft- und Seeverkehr. Diemer sprach sich für steuerliche Maßnahmen aus, um insbesondere E-Fuels marktfähig zu machen: „Steuern sind ein riesiger Hebel. Wir versprechen uns viel von der neuen Bundesregierung.“

Christian Nikolai von der Tool Fuel GmbH stellte HVO 100 als leistungsfähige Alternative zu fossilem Diesel vor. Der paraffinische Dieselkraftstoff, überwiegend hergestellt aus nachhaltigen Rest- und Abfallstoffen, verbrennt nahezu CO₂-neutral und ist ohne Umrüstung in bestehenden Dieselfahrzeugen einsetzbar. „Ein entscheidender Hebel für klimafreundliche Mobilität – und das ohne aufwendigen Infrastrukturumbau“, so Nikolai. Er verwies auf die strengen Qualitätskontrollen der Rohstoffe, räumte aber ein, dass missbräuchliche Falschdeklarierungen regenerativer Kraftstoffe nur sehr schwer im Endprodukt nachzuweisen sind. Kontrollen sollten daher schon früher ansetzen.

Kontroverse Sichtweisen – gemeinsames Ziel

Deutliche Kritik kam von Pauline Schur, Teamleiterin Verkehrspolitik beim NABU, die als Vertreterin der Zivilgesellschaft ihre Bedenken vortrug. Sie warnte vor den Risiken regenerativer Kraftstoffe für Umwelt und Klima, u.a. durch den erhöhten Flächenverbrauch und die Nutzungskonkurrenz zwischen den Verkehrsträgern, die nicht batterieelektrisch betrieben werden können, sowie industriellen Anwendungen bspw. beim Stahl. HVO 100, so Schur, sei keineswegs unproblematisch – selbst, wenn er offiziell aus biologischen Reststoffen produziert werde. Der Einsatz solcher Kraftstoffe sei oft mit Risiken wie Betrugsfällen beim Import aus Palmöl verbunden. „Erneuerbare Kraftstoffe sind weder eine Wunderwaffe noch ein verlässliches Beiwerk beim Klimaschutz. Eine einheitliche und nachhaltige Zertifizierung ist aber in jedem Fall unerlässlich.“

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In der abschließenden lebhaften Diskussion, moderiert von ZDK-Geschäftsführer Politik und Kommunikation, Jürgen Hasler, bestand bei der Mehrzahl der Diskutanten ein klarer Konsens: Nur durch einen technologieoffenen Ansatz, der die Vielfalt an Antriebslösungen inklusive regenerativer Kraftstoffe berücksichtigt, können die ambitionierten Klimaziele im Straßenverkehr erreicht werden – unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kundenbedürfnisse und Marktgegebenheiten.

Allerdings müssen die strengen Qualitätskriterien zur Herkunft und Herstellung regenerativer Kraftstoffe eingehalten und kontrolliert werden. Einerseits aus Gründen der Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit gerade im Hinblick auf die Sorgen und Unsicherheit in der Zivilgesellschaft und andererseits zum Schutz europäischer Hersteller und Importeure, die ansonsten gegen Produkte mit gefälschten Zertifikaten kaum wettbewerbsfähig sein können. Aber: Weltweit sind nur 6 Prozent der möglichen Investitionsprojekte europäischer Produzenten für die Herstellung von rund 20 Milliarden Tonnen regenerativer Kraftstoffe bis zum Jahr 2030 aufgrund regulatorischer Unsicherheiten entschieden worden. Die Mengen könnten kommen, wenn der regulatorische Rahmen geöffnet würde.

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