Continental: „Hier gibt es neue Chancen“
Kundenkontakt und Kaufanbahnung finden immer häufiger online statt. Diesen Weg müssen die Kfz-Betriebe mitgehen, sagt Peter Wagner, Geschäftsführer von Continental Aftermarket. Und er bietet Hilfe an.

Redaktion: Wo sehen Sie im Zusammenhang mit der Digitalisierung die größten Herausforderungen für die Kfz-Betriebe?
Peter Wagner: Da muss ich etwas weiter ausholen und folgende Fragen stellen: Was bedeutet eigentlich Digitalisierung? Was findet da statt? Der Ort der Kaufentscheidung wandert ins Internet – das nennt man Digital Touchpoint. Und das gilt für Endkunden ebenso wie für Werkstätten. Für diese neuen Kommunikationswege müssen sich die freien Werkstätten öffnen. Und sie müssen sich auch der neuen Fahrzeugtechnik wie beispielsweise Fahrerassistenzsystemen oder dem elektrifizierten Antriebsstrang stellen. Das wird mehr Schulungsaufwand bedeuten. Heute kann man nicht mehr mit einem einmal erreichten Bildungsstand zehn Jahre arbeiten.
Vielen Werkstätten fällt es im Tagesgeschäft schwer, solche strategischen Entscheidungen zu treffen. Wie helfen Sie als Teilezulieferer den Betrieben dabei?
Wir binden die Werkstätten besser in die Kommunikation ein und gewähren ihnen Zugang zu den Informationen, die sie brauchen; dabei geht es besonders um Services und Schulungen, die für die Werkstätten besonders wichtig sind, um auch in Zukunft fit zu sein. Für den Kontakt zu unseren Werkstattpartnern haben wir beispielsweise im letzten Jahr die Onlineplattform „More Continental“ gestartet. Dort können unsere Kunden Trainings buchen und verwalten, aber auch an Marketingaktionen teilnehmen sowie Geschäftsausstattung oder Werbeartikel bestellen. Das war ein großer Schritt. Insgesamt betreuen wir damit rund 1.600 Werkstätten in Europa: ATE-Bremsencenter, VDO-Elektronikpartner und die VDO-Diesel-Repair-Service-Partner. Dazu kommen noch die europaweit rund 4.200 Reifenbetriebe, die als Franchiseflotten oder verbundene Unternehmen von Continental betreut werden. Auch die wollen wir mit unserer Kommunikation erreichen und tun das zum Teil auch schon.
Ein weiterer „Digital Touchpoint“ ist ab 2018 der E-Call. Die dahinter stehende Technik lässt sich auch zur Pannenhilfe nutzen. Wie wird sich dieser sogenannte B-Call auf den Kontakt zwischen Kunde und Werkstatt auswirken?
Er wird auf lange Sicht das Reparaturverhalten entscheidend beeinflussen. Aber am Anfang wird meiner Schätzung nach sicher nur rund die Hälfte der Neuwagen den B-Call haben. Damit kommen in Deutschland pro Jahr also 1,5 Millionen Autos mit dieser Technik neu hinzu. Wir haben aber schon 45 Millionen Autos ohne diese Technik im Bestand. Bis diese neuen Autos also einen signifikanten Anteil haben, dauert es eine Weile. Und bis sie im Aftermarket auftauchen noch länger. Das heißt, dass B-Call erst 2022, 2023 spürbaren Einfluss haben wird. Diese Zeit nutzen wir.
An welchen Projekten arbeiten Sie hier konkret?
Datenbasierte Services wie V-Analytics, die beispielsweise Werkstätten die tägliche Arbeit erleichtern, haben wir bereits auf der Automechanika vorgestellt, und im Lauf des erstes Halbjahres geht dann unsere RVD-Plattform in Betrieb, also Remote Vehicle Data. Damit können wir viele unterschiedliche Arten von Fahrzeugdaten aufbereiten und standardisiert zur Verfügung stellen – und zwar für unterschiedliche Partner: Versicherungen, Flottenkunden, Werkstattketten usw. Das tun wir als Continental. Wir unterstützen aber auch neutrale Initiativen der Branche, etwa Caruso von Tec Alliance. Caruso ist eine neutrale Datenplattform der Unternehmen des unabhängigen Aftermarkets, die Remote-Fahrzeugdaten für Servicezwecke zur Verfügung stellt. Dazu ist geplant, dass sich die Werkstätten einloggen und sich die Daten holen, die sie für ihre Reparaturarbeiten brauchen. Wir glauben, dass wir eine gute Grundlage dafür geschaffen haben, dass die Werkstätten weiter existieren können.
Daneben soll es ja auch einen OBD-Dongle von Continental geben. Wie ist hier der Stand?
Für die Vernetzung der Werkstatt mit ihren Kunden bietet sich in der Tat auch der OBD-Dongle an. Der ist aber mit Kosten verbunden, die die Werkstatt oder der Kunde tragen muss. Der Dongle wird zusammen mit der Remote-Diagnose-Plattform erhältlich sein. Wir bieten dann die komplette Wertschöpfungskette an: vom Dongle oder auch der Telematikbox über die Daten in einer standardisierten, auslesbaren Form bis zu eigenen Services. Da muss übrigens nicht immer Continental draufstehen. Es sind auch White-Label-Lösungen denkbar, beispielsweise für Versicherungen. Oder aber wir liefern nur die Daten. Wenn eine Versicherung telematikbasierte Verträge anbieten will, stellen wir diese Daten zur Verfügung, und sie kann diese sehr einfach in ihr System integrieren. An solchen Lösungen gibt es großes Interesse. Allerdings ist es wichtig, dass dafür immer die Freigabe zur Nutzung der Daten vorliegt.
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