Continental: „Hier gibt es neue Chancen“

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Werden die OEMs denn überhaupt zulassen, dass freie Werkstätten an die Daten kommen?

Derzeit arbeiten die Autohersteller mit dem Modell des „Extended Vehicle“: Das heißt, die Daten werden auf dem Backend des OEM gehostet. Aber die Autohersteller haben sich dazu bekannt, diese für das Reparatur- und Wartungsgeschäft diskriminierungsfrei zur Verfügung zu stellen.

Nur durch Datenzugang allein entsteht aber kein neuer Umsatz.

Es sind durchaus neue Geschäftschancen möglich. Denken wir an Carsharing-Autos: Die werden viel intensiver genutzt als normale Privatautos und haben deshalb viel mehr Verschleiß. Wenn die Werkstatt mit dem Fahrzeug vernetzt ist und Predictive Maintenance nutzt, dann kann sie das Fahrzeug zu der Zeit in die Werkstatt holen, die dem Betreiber am besten passt. Wer beispielsweise einen Nachtservice anbietet, hat hier gute Karten. Das heißt nicht, dass es einfacher wird. Aber es heißt, dass das Geschäftsmodell der freien Werkstatt Zukunft hat.

Derzeit überwiegt bei vielen Betrieben die Angst zum Beispiel vor einer Erosion der Teilepreise durch das Internet.

Der Onlineabsatz von Teilen wächst, aber ich glaube nicht, dass viele Autofahrer die Teile selbst einbauen. Dafür ist die Technik mittlerweile zu komplex. Aber immer mehr Kunden werden gekaufte Teile mit in die Werkstatt bringen, und dem muss man offen gegenüberstehen. Auf den Kundenkontakt sollte man nicht verzichten. Aber man muss auch erklären, warum etwas nicht funktioniert – weil das Produkt die falsche Sachnummer hat, nur die Hälfte der Teile dabei war oder man auch nicht weiß, ob es eine Billigkopie ist.

Und wie wirkt sich dieser Trend auf Ihr Unternehmen aus?

Sicherlich gibt es durch das Internet eine höhere Transparenz der Preise, der wir uns stellen und die wir auch begrüßen. Das Internet bietet uns eine sehr gute Möglichkeit, die Werkstätten schneller und leichter zu erreichen und sie mit unseren Informationen und Services zu versorgen. Wir vertreiben keine Produkte direkt an Endkunden oder an Teilebörsen. Aber wir werden dafür sorgen, dass die Kunden unsere Marken und das damit verbundene Versprechen klar verstehen. Deshalb werden wir zukünftig im Automotive Aftermarket viel mehr Wert auf die Marke Continental legen. Unser Stand auf der Automechanika hat das bereits gezeigt. Das war ein Continental-Stand, und die Story lautete: One Aftermarket. Und mit starken Marken werden wir uns auch im Internet behaupten, weil sie Vertrauen ausstrahlen. Wenn die Kunden in einem anonymen Webshop bestellen, müssen sie dem Produkt vertrauen.

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