Daihatsu Systematisch vertuschte Sicherheitsmängel

Von Jens Rehberg 2 min Lesedauer

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Der japanische OEM liefert vorerst keine Fahrzeuge mehr aus – denn das Ausmaß der Manipulationen bei Daihatsu-Crashversuchen ist größer als bisher angenommen. Eine Überprüfung aller Zertifizierungsvorgänge ist geplant.

Daihatsu-Motor-Chef Soichiro Okudaira verneigt sich für eine Entschuldigung wegen der Manipulation von Sicherheitstests.(Bild:  Picture Alliance / Associated Press | Shuhei Yokoyama)
Daihatsu-Motor-Chef Soichiro Okudaira verneigt sich für eine Entschuldigung wegen der Manipulation von Sicherheitstests.
(Bild: Picture Alliance / Associated Press | Shuhei Yokoyama)

Daihatsu Motor will alle Fahrzeugauslieferungen im In- und Ausland stoppen, nachdem die Toyota-Tochter festgestellt hatte, dass die meisten ihrer Modelle von unsachgemäßen Sicherheitstests betroffen waren. Das kündigte der Präsident des Herstellers, Soichiro Okudaira, laut der japanischen Tageszeitung „Mainichi Shimbun“ am Mittwoch in Tokio an. Daihatsu hatte zu Jahresbeginn zunächst Datenmanipulationen bei Kollisionstests für sechs seiner Modelle eingeräumt.

Ein von Daihatsu beauftragtes unabhängiges Gremium dokumentierte demnach 174 neue Fälle von Fehlverhalten bei 25 Fahrzeugtests – zusätzlich zu den bereits entdeckten Fällen. Der älteste beanstandete Test wurde 1989 durchgeführt, sagte Daihatsu. Die Zahl der von manipulierten Tests betroffenen Modelle stieg damit auf 64 – darunter alle 11 Modelle, die der Hersteller derzeit in Japan verkauft, wie das kompakt-SUV „Rocky“ und der Mini „Copen“.

Auch Toyota-, Mazda- und Subaru-Volumina betroffen

Zu den betroffenen Modellen, die im Ausland verkauft werden, gehören der Xenia in Indonesien und der Axia in Malaysia, die dort unter dem Label „Perodua“ verkauft werden. Zu den 64 Modellen zählen auch solche, die an Toyota, Mazda und Subaru zum Verkauf unter deren Marken geliefert wurden, hieß es.

Daihatsu gab zu, dass einige seiner Modelle möglicherweise nicht den Sicherheitsstandards entsprechen. Bei Seitenaufpralltests ist offenbar verschleiert worden, dass sich die Türen im Falle eines Unfalls möglicherweise nur schwer von außen öffnen lassen. Es gebe aber keine Berichte über Unfälle, die auf Unregelmäßigkeiten bei den Sicherheitstests zurückzuführen seien, hieß es weiter.

Daihatsu-Präsident Soichiro Okudaira entschuldigte sich am Mittwoch für den Skandal und sagte: „Wir haben das Vertrauen unserer Kunden missbraucht. Die ganze Schuld liegt beim Management.“ Auf die Frage nach seiner Verantwortung lehnte Okudaira einen sofortigen Rücktritt ab.

Zu hoher Druck auf die Ingenieure

Auf einer separaten Pressekonferenz führte das unabhängige Gremium die Ursache des Problems darauf zurück, dass das Daihatsu-Management die Ingenieure unter Druck setzte, die Entwicklungszeit für neue Modelle zu verkürzen. „Es gab einen enormen Druck auf die Mitarbeiter, da die Änderung der Zeit- und Verkaufspläne aufgrund von unvorteilhaften Testergebnissen als inakzeptabel angesehen wurde“, sagte Makoto Kaiami, der Leiter des Gremiums. Auch mangelhafte Kommunikation unter den Mitarbeitern sei ein Faktor, fügte er hinzu.

Toyota sagte in einer Erklärung, dass es ebenfalls die Auslieferung betroffener Fahrzeuge, die unter der Marke Toyota verkauft werden, gestoppt habe. Der Konzern entschuldigte sich dafür, dass es Daihatsu – stark eingebunden in die Wachstumsstrategie des Mutterkonzerns in Asien – nicht ordnungsgemäß beaufsichtigt habe. Seit 2013 habe Toyota die Zahl der von anderen Unternehmen hergestellten Modelle erhöht – vor allem Kompaktfahrzeuge. Der Autohersteller bedauere zutiefst, dass die Entwicklung dieser Fahrzeuge möglicherweise eine Belastung für den Kleinwagenhersteller gewesen sei, hieß es. Hiroki Nakajima, Executive Vice-President bei Toyota, entschuldigte sich dafür, dass er eine mögliche Produktionsüberlastung bei Daihatsu nicht erkannt hatte, und versprach, das Tochterunternehmen bei der Überprüfung seiner Betriebsabläufe „voll und ganz zu unterstützen“.

Das japanische Verkehrsministerium gab unterdessen bekannt, dass es am Donnerstag eine Vor-Ort-Inspektion des Hauptsitzes von Daihatsu in der Präfektur Osaka durchführen werde.

Daihatsu produzierte von Januar dieses Jahres an bis einschließlich Oktober circa 1,1 Millionen Einheiten.

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