Daimler: Erfinder des Oldtimers

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Schon die Unternehmensgründer Karl Benz und Gottlieb Daimler erkannten, dass alte Automobile erhaltenswerte Kulturgüter sind. Heute zieht das Mercedes-Museum jährlich Hundertausende Besucher an.

Anbieter zum Thema

Im Jahr 1906 ist das Automobil gerade einmal 20 Jahre alt und noch ist nicht entschieden, ob es sich gegen Pferdekutsche und Eisenbahn behaupten wird. Trotzdem schenkt der Automobilpionier Karl Benz in diesem Jahr sein erstes motorisiertes Fahrzeug, den 1886 entstandenen Patent-Motorwagen, dem Deutschen Museum in München.

Schon damals erkennt also der Begründer der deutschen Automobilindustrie, dass Autos als Kulturgut ebenso erhaltenswert sind wie Kunstwerke. Und er irrte sich nicht: Bis heute ist der Benz Nummer eins im Deutschen Museum zu sehen.

Benz‘ damaliger Konkurrent Daimler begreift ebenfalls früh, dass es einem zukunftsgerichteten Unternehmen gut zu Gesichte steht, sich zu seinen Wurzeln zu bekennen, und präsentiert ab 1923 seine historischen Fahrzeuge in einer der Öffentlichkeit zugänglichen Sammlung. 1936 gründet die fusionierte Daimler-Benz AG ein Unternehmensarchiv, in dem sie Schriften und Artefakte aus der Unternehmensgeschichte aufbewahrt.

Museum als Magnet

Aus der bescheidenen Fahrzeugausstellung, die das Unternehmen noch zu Lebzeiten von Karl Benz einrichtet, entsteht schließlich das neue Mercedes-Museum. Seit der Eröffnung im Mai 2006 hat es sich zu einem Besuchermagnet entwickelt, der Autofans aus aller Welt nach Stuttgart zieht. Über zwei Millionen Besucher haben sich die Ausstellung mit ihren 160 Autos und vielen weiteren Exponaten bereits angesehen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

Doch beschränkt sich Daimler-Benz nicht darauf, Ausstellungsstücke statisch zu präsentieren, sondern nutzt Old- und Youngtimer gezielt als Mittel zur Kundenbindung, als Werbeträger und nicht zuletzt als Umsatzbringer für Hersteller und Händlernetz.

Als zentrale Anlaufstelle für private oder gewerbliche Oldtimer-Interessenten dient seit 1993 das Mercedes-Benz Classic-Center. Es befasst sich mit allen Konzernprodukten, deren Serienauslauf mehr als 20 Jahre zurückliegt. Das Classic-Center verwaltet den Oldtimer-Ersatzteilbestand des Unternehmens – 40.000 Originalersatzteile sind ständig auf Vorrat – restauriert Kundenfahrzeuge und verkauft historische Mercedes-Autos.

Zwar steht die Klassikabteilung des Konzerns auch Endkunden offen, die hier Autos und Teile kaufen und ihren Oldtimer restaurieren lassen können. Aber in erster Linie sollen Niederlassungen und Händler das Oldtimer-Business betreiben. Seit 2001 ernennt das Classic-Center in Fellbach Mercedes-Benz-Betriebe zu Classic-Service-Partnern – bisher 20 Betriebe. Voraussetzungen sind Erfahrung und Kompetenz sowie besonderes Engagement für Oldtimer-Kunden und deren Fahrzeuge. Bei kniffligen Fragen steht den Betrieben das Classic-Center, das umfangreiche Archiv und die Daimler AG mit ihren technischen Ressourcen mit Rat und Tat zur Seite.

(ID:276273)