Sicher ist sicher
Wiederum von Bosch kam 1978 das erste ABS, und Mercedes bot 1980 die ersten Airbags als Zusatzausstattung an – ebenfalls Systeme, die ohne Elektronik nicht möglich wären.
Der passiven Fahrzeugsicherheit widmeten sich die Ingenieure aber schon vorher. Teilweise saßen sie selbst in Crashfahrzeugen, um einen Eindruck von den bei einem Unfall entstehenden Kräften zu bekommen.
1952 ließ der Daimler-Benz-Konstrukteur Béla Barényi die von ihm erfundene Knautschzone patentieren. Bis dahin herrschte die Meinung: Je stabiler die Karosserie, desto geschützter die Insassen. Barényi ging dagegen erstmals den Weg, die Geschwindigkeit eines Autos bei einem Unfall über verformbare Teile der Karosserie abzubauen und so einen Teil der auftretenden Kräfte zu absorbieren. Der Mercedes-Benz W 111 war 1959 das erste Serienfahrzeug, das nach dem neuen Prinzip gebaut war. Er bestand aus einer stabilen Fahrgastzelle mit verformbaren Knautschzonen an Bug und Heck.
Nach den Sicherheitsgurten, die 1976 zur Pflichtausstattung auf den Vordersitzen wurden, den Gurtstraffern und den schon erwähnten Airbags, war es 1995 das von Bosch und Mercedes entwickelte elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), das die Fahrzeuge erneut deutlich sicherer machte. In diesem Fall betraf der Fortschritt die aktive Sicherheit der Fahrzeuge, also die Technik, die verhindert, dass Unfälle überhaupt erst passieren.
Im weitestens Sinne muss man auch die Entwicklungen in der Lichttechnik zu den Verbesserungen der aktiven Sicherheit hinzuzählen. Während 1915 die erste elektrische Lichtmaschine und zwei unterschiedlich geneigte Scheinwerfer erstmals Abblend- und Fernlicht ermöglichten, waren es 1971 die H4-Halogenlampen, die einen großen Entwicklungsschritt bei der Ausleuchtung der Fahrbahn darstellten.
Immer schnellere Entwicklung
20 Jahre später bot BMW als erster Hersteller Xenonlicht an. Die Xenon-Lampen markieren einen besonders großen Fortschritt, weil in ihnen kein Glühfaden das Licht erzeugt, sondern ein Lichtbogen, der durch die Entladung von Xenongas zwischen zwei Elektroden entsteht. Xenon-Lampen erzeugen anders als herkömmliche Lampen kaum Wärme, sondern wandeln die gesamte Energie in Licht um. So bieten sie bei gleichem Energieaufwand rund drei Mal mehr Licht.
Heute hat sich die Fahrzeugbeleuchtung zu komplexen Lichtsystemen weiterentwickelt, die die Fahrbahn je nach Straße und Wetterlage unterschiedlich ausleuchten. Auch in Kurven können die Scheinwerfer bei vielen Autos inzwischen hineinleuchten.
Während in den Anfangsjahren die Entwicklungszyklen der Bauteile noch sehr lang waren, vergeht heute kaum ein Jahr, in dem nicht eine ganze Reihe neuer Systeme in den Fahrzeugen Einzug hält. Insofern sind nicht nur die Autos im Laufe der Zeit schneller geworden; auch alle, die sich beruflich mit ihnen beschäftigen, müssen sich inzwischen geistig schneller bewegen, um am Ball zu bleiben. Mussten die ersten Entwickler ihren Kopf anstrengen, um die grundlegende Technik zu erfinden, müssen sie sich heute immer flexibler auf neue Techniken einstellen. Das Auto hat damit nicht nur eine sehr bewegte Vergangenheit, sondern auch eine ebensolche Zukunft.
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