Das Auto feiert Geburtstag

Redakteur: Dipl.-Ing. Edgar Schmidt

In seiner 125-jährigen Geschichte hat sich das Auto von der motorisierten Kutsche zum rollenden Computer entwickelt. Auch der E-Motor spielte schon vor vielen Jahren eine Rolle.

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Die Patentanmeldung des Motorwagens von Carl Benz war 1886 die Geburtsstunde des modernen Automobils.
Die Patentanmeldung des Motorwagens von Carl Benz war 1886 die Geburtsstunde des modernen Automobils.
( Archiv: Vogel Business Media )

Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz seinen dreirädrigen Motorwagen zum Patent an. Obwohl es schon vorher einige mit Dampfmaschinen oder Gasmotoren angetriebene Gefährte gab, gilt dieses Datum heute als Geburtstag des modernen Automobils. Das Auto bewegt also mittlerweile seit 125 Jahren die Menschen – herzlichen Glückwunsch!

Da auch der zweite Gründervater des heutigen Daimler Konzerns, Gottlieb Daimler, nahezu zeitgleich seinen ersten Motorwagen entwickelte, ist die Geburtstunde des Autos untrennbar mit dem Jubiläum des Stuttgarter Konzerns und seiner Kernmarke Mercedes verbunden.

Konkurrenz der Antriebe

Schon Benz verwendete in seinem Dreirad einen Viertaktmotor. Allerdings hatte diese Antriebsquelle damals noch große Konkurrenz – einige Hersteller setzten neben der Dampfmaschine auch auf den Elektromotor. In Amerika wurden beispielsweise im Jahr 1900 rund 4.200 Automobile gefertigt. Davon besaßen 40 Prozent einen Dampfmaschinenantrieb, 38 Prozent einen Elektroantrieb und nur 22 Prozent einen Benzinmotor. Ferdinand Porsche entwickelte 1902 sogar einen Elektrowagen mit Allradantrieb; das Auto hatte an allen vier Rädern jeweils einen Elektromotor.

Erst nach 1920 konnte sich der Benzinmotor als Antriebsquelle durchsetzen. Der Grund dafür: Benzin konnte relativ billig aus Erdöl hergestellt werden und hatte gegenüber den Alternativen eine höhere Energiedichte, ermöglichte also die größte Reichweite.

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Schon parallel zu den ersten Fahrzeugen von Carl Benz und Gottlieb Daimler entwickelten übrigens auch andere Erfinder wie Wilhelm Maybach und Siegfried Marcus Automobile. Um 1891 entstanden in Europa und Amerika die ersten Autofabriken. Allerdings beäugten viele Menschen diese neue Entwicklung noch sehr skeptisch. Sie glaubten nicht, dass sich ein solch lärmendes Vehikel durchsetzen könne, solange es genügend Pferde gibt.

Der Mercedes 35 PS von 1900 markierte schließlich den Wechsel von den hochbeinigen Motorkutschen zu einer moderneren Fahrzeugarchitektur. Ein langer Radstand und eine breite Spur sowie ein tiefer Schwerpunkt und eine geneigte Lenksäule waren die wichtigsten Merkmale. Der erstmals eingesetzte Bienenwabenkühler löste die Probleme mit Motorüberhitzungen und prägte für lange Zeit das Gesicht der Automobile. Das Bauprinzip „Motor vorne, Endantrieb auf die Hinterräder“ setzte sich langfristig als sogenannter Standardantrieb durch.

Damit die Benzinmotoren erfolgreich werden konnten, brauchten sie eine leistungsfähige Zündanlage. Die kam von einem Unternehmen, das in diesem Jahr ebenfalls sein 125-jähriges Jubiläum feiert: der Robert Bosch AG. Firmengründer Robert Bosch entwickelte 1897 eine Niederspannungs-Magnetzündung für Kraftfahrzeugmotoren. Aber erst ihr Nachfolger, eine Hochspannungs-Magnetzündung mit einer Zündkerze, brachte 1902 den Durchbruch. Laut Carl Benz löste diese erstmals zuverlässige Zündung für die immer höher drehenden Motoren endgültig das „Problem der Probleme“ der frühen Automobiltechnik.

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