„Das passende DMS für den Betrieb auswählen“
Ein DMS muss alle Prozesse in einem Autohaus unterstützen, erwartet der Vorsitzende des Volkswagen- und Audi-Händlerverbands, Michael Lamlé. Ein Gespräch über das neue System „Cross“.
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Redaktion: Welche Strategie verfolgt der Verband in Sachen Dealer-Management-Systeme?
Michael Lamlé: Strategisches Ziel jedes DMS muss es sein, das Autohaus in all seinen Prozessen optimal zu unterstützen. Dies betrifft sowohl die Arbeit mit den Kunden als auch die Zusammenarbeit mit dem Hersteller und Dienstleistern sowie die Verbindung zur Finanzbuchhaltung, Warenwirtschaft und Controlling-/Planungssystemen. Entscheidend ist eine höchstmögliche Integration aller Anwendungen im Autohaus. Außerdem muss man dabei die Hoheit des Händlers und Servicepartners über seine Daten beachten. Außerdem muss ein neues DMS auf die individuellen Bedürfnisse der Partner ausgerichtet, zukunftssicher und kostengünstig sein.
Ist ein neues Anliegen des Verbandes?
Nein, diese strategischen Anforderungen an neue Dealer-Management-Systeme hat der VW/Audi-Händlerverband schon vor zirka zehn Jahren formuliert. Seitdem arbeiten wir an der Umsetzung dieser Strategie auf verschiedenen Ebenen: Zum einen unterstützen wir die Händler durch unsere eigenen Wirtschaftsunternehmen bei der Pflege von Amis Professional (ehemals Bond), einem SAP-gestützten DMS, sowie bei der Entwicklung des neuen DMS Amis Business. Zum anderen führen wir intensive Abstimmungsgespräche mit Volkswagen bezüglich der Ausarbeitung von Cross. Zentrales Thema ist u. a. die sogenannte 360-Grad-Sicht auf den Kunden. Diese soll es ermöglichen, den Kunden vom Kauf über die Servicebetreuung bis zum Wiederkauf optimal zu betreuen. Dabei geht es aus Sicht des Autohauses nicht nur um die Kunden der eigenen Marke. Zur Verbandsstrategie gehört deshalb auch die Forderung an neue DMS, zumindest über Schnittstellen Fremdmarken einbinden zu können.
Warum kümmert sich der Hersteller um ein Dealer-Management-System und empfiehlt Cross?
Das DMS Cross ist nur ein, wenn auch ein wesentlicher, Baustein in dem viel weiter gehenden Ansatz, den unser Hersteller verfolgt und der die Überschrift „Handelsintegration Deutschland“ trägt. Er möchte die Einzelsysteme auf Hersteller- und auf Handelsseite auf modernen Plattformen miteinander verknüpfen und um eine neue leistungsfähige CRM-Applikation ergänzen. Dieses anspruchsvolle Vorhaben, das erhebliche Ressourcen beansprucht, kann nur der Hersteller selbst umsetzen. Das leuchtet unmittelbar ein, soweit es um die überfällige Modernisierung und die Zusammenführung der werkseigenen Systeme und Subsysteme für Verkauf und Aftersales geht. Der Hersteller stellt z. B. Prozessverbesserungen und -vereinheitlichungen im Verkauf und Service, integrierte Lösungen für alle Konzernmarken, erweiterte Funktionalitäten und eine einheitliche Datenbasis in Aussicht. Diese Änderungen wird das betagte System Vaudis auf Partnerseite nicht mehr mitmachen können. Die Anbindung der Autohäuser an die künftigen Herstellersysteme Isapro im Verkauf und Elsapro im Service, beide verknüpft mit einer zentralen Datenbank, kann, muss aber nicht zwangsläufig mit dem DMS Cross erfolgen. Hier muss und wird sich Cross dem Wettbewerb mit anderen DMS-Anbietern stellen. Am Ende entscheidet jeder Partner selbst, welches das passende DMS oder auch die richtige Fibu für sein Unternehmen ist.
Welche IT-Projekte stehen in den nächste Jahren an?
Die Web-Applikationen werden zunehmen. Deshalb müssen wir dafür Sorge tragen, dass das Autohaus über ausreichend dimensionierte, schnelle und abgesicherte Leitungen verfügt. Dass hier eine andere Qualität als im Privatbereich gefordert ist, versteht sich von selbst. Unser Wirtschaftsunternehmen ACS stellt hierfür seine Dienstleistungen zur Verfügung. Ferner sollten die Händler – so noch nicht geschehen – eine zukunftssichere Fibu einsetzen, die ohne Probleme mit jedem neuen DMS korrespondieren kann. Und schließlich sind die Partner aufgefordert, sich intensiv über ein neues DMS zu informieren und zu entscheiden, welches für sie das richtige ist und wann es konkret mit welchen Leistungsumfängen in ihrem Autohaus installiert werden kann.
Gibt es eine IT-Kostenplanungshilfe für die VW- und Audi-Händler?
Einerseits haben wir bereits vor Jahren in Sachen IT eine Musterkostenrechnung erstellt und auf den Partnerveranstaltungen präsentiert. Andererseits sind alle Betriebe unterschiedlich und müssen ihre Kosten selbst ermitteln. Der Hersteller unterstützt sie dabei.
Gibt es Einsparpotenziale?
Man darf sich keine falschen Hoffnungen machen: Jede Umstellung auf neue Hardware und Software ist mit nicht unerheblichen Kosten für das Autohaus verbunden. Häufig sind die vorhandenen Anlagen abgeschrieben und die Händler müssen neu investieren. Vor diesem Hintergrund ist es auch schwierig bis unmöglich, mit den neuen Systemen finanzielle Einsparungen zu erzielen. Auf der richtigen Spur ist man vielmehr, wenn die Händler bei nur geringfügig höheren laufenden Kosten ihre Arbeit mithilfe der neuen Systeme entscheidend verbessern können. Wenn sie beispielsweise damit die Komplexität der Arbeitsabläufe reduzieren und die Prozesse optimieren können. Am Ende geht es darum, dass die modernen Systeme unseren Partnern mehr Zeit verschaffen, sich um ihr Kerngeschäft zu kümmern: den Verkauf von Kraftfahrzeugen und den Service an den Autos zur bestmöglichen Zufriedenheit unserer Kunden.
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